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12-Euro-Mindestlohn bringt Konsum-Schub: IG BAU erwartet 9,8 Milliarden Euro mehr Kaufkraft

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(Foto: Gabrielle Ribeiro / Unsplash)
04.01.2022
Pressemitteilungen 2022

12-Euro-Mindestlohn schafft Schub für Kaufkraft und Konjunktur: Die von der Ampel-Koalition in Berlin für das neue Jahr geplante Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde wird für eine spürbare wirtschaftliche Belebung sorgen. Das erwartet die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. IG BAU-Chef Robert Feiger, der auch Mitglied der Mindestlohnkommission ist, geht darüber hinaus von weiteren positiven Effekten für die Lohnentwicklung aus.

"Insgesamt wird der gesetzliche Mindestlohn zu einem Kaufkraftzuwachs von rund 9,8 Milliarden Euro im Jahr führen", sagte Feiger. Der Gewerkschaftsvorsitzende verwies dabei auf eine volkswirtschaftliche Mindestlohn-Untersuchung, die die IG BAU beim Pestel-Institut (Hannover) in Auftrag gegeben hat.

Demnach werde es der Bundesregierung durch die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns gelingen, den Konsum anzukurbeln: "Wer lediglich den gesetzlichen Mindestlohn bekommt, der hat mit dem Tag, an dem dieser auf 12 Euro hochklettert, 2,18 Euro pro Stunde mehr in der Lohntüte als heute. Das zusätzliche Geld geht nahezu eins zu eins in den Konsum. Die Menschen werden damit notwendige Anschaffungen für den Haushalt machen und sich Dinge leisten, auf die sie bislang verzichten mussten. Wer im Niedriglohnbereich arbeitet, wird von dem Lohn aber nach wie vor nichts auf die hohe Kante legen können", sagte Robert Feiger. Ein Teil des Geldes werde in einigen Haushalten sicherlich auch zur Tilgung von Schulden gebraucht.

"Die 12 Euro pro Stunde als unterstes Lohn-Limit sind ein Versprechen, das Olaf Scholz den Menschen im Wahlkampf gegeben hat. 7,2 Millionen Menschen werden davon voraussichtlich noch in diesem Jahr profitieren. Für einen Großteil von ihnen wird dies ein Lohn-Plus von gut 22 Prozent bedeuten – auf einen Schlag", sagte IG BAU-Chef Robert Feiger. Als Bundeskanzler würde Olaf Scholz (SPD) damit "ein kleines Lohn-generiertes Konjunkturpaket" gelingen, das in der Phase der Corona-Pandemie in 2022 genau richtig komme. Feiger fordert die Bundesregierung auf, ihre Pläne zur Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro – wie geplant – möglichst zügig umzusetzen – ohne die Rolle der Mindestlohnkommission dabei in Frage zu stellen oder deren Kompetenzen perspektivisch zu beschneiden. Allerdings sei jeder Mindestlohn ohnehin immer nur die zweitbeste Lösung. An die Adresse der Arbeitgeber gerichtet sagte Feiger: "Entscheidend sind gute Tariflöhne. Und dazu ist es notwendig, möglichst viele Betriebe in der Tarifbindung zu haben".

Zudem sei das "staatliche Lohnsignal", das vom 12-Euro-Mindestlohn ausgehe, für die Gewerkschaften eine gute Basis, um darauf eine neue, faire Lohnentwicklung aufzubauen. "Ziel muss es sein, prekäre Beschäftigung zu bekämpfen und den Niedriglohnsektor mehr und mehr auszutrocknen", sagte IG BAU-Chef Robert Feiger. Es gebe oft große Lohnunterschiede, bei denen es schwer falle, diese nachzuvollziehen. Noch immer seien zum Beispiel Schreibtischjobs oft deutlich besser bezahlt als etwa die Arbeit im Handwerk oder im Dienstleistungsbereich. "Es ist nicht hinzunehmen, dass beispielsweise Floristinnen und Gebäudereiniger immer noch im unteren Bereich der Lohntabelle rangieren. Hier muss um jeden Cent beim Lohn gekämpft werden. Und das, obwohl Beschäftigte in beiden Branchen voll gefordert sind: Sie müssen eine qualifizierte Arbeit machen, morgens früh ran, ordentlich zupacken und sich einiges gefallen lassen", so Feiger. Der 12-Euro-Mindestlohn sei deshalb auch "eine Chance, den Wert von Arbeit neu zu definieren".

IG BAU-Chef Feiger: "Scholz kann 2022 ein Lohn-generiertes Konjunkturpaket gelingen"