Bildung
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26.11.2020
Bildung / Mitbestimmung

Sich weiterbilden, den Horizont erweitern,  Wissen vertiefen – in fast allen Bundesländern haben Beschäftigte Anspruch auf Bildungsurlaub beziehungsweise Bildungszeit. Aber gerade einmal ein bis drei Prozent der Beschäftigten nutzen diesen auch. Ein Grund: fehlende Informationen. Deswegen verraten wir Euch, wie und wo das geht.

Was ist Bildungsurlaub?

Für einen Bildungsurlaub muss der*die Arbeitgeber*in Beschäftigten bezahlten Urlaub für eine Weiterbildung gewähren – zusätzlich zum regulären Urlaubsanspruch. Entsprechende Regelungen gibt es in fast allen Bundesländern.

Wo gibt es ein Recht auf Bildungsurlaub?

In Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Wie viel Tage Bildungsurlaub stehen mir zu?

In der Regel stehen Arbeitnehmer*innen fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr zu. Wenn man seinen Bildungsurlaub in einem Jahr nicht nehmen kann, muss er nicht automatisch verfallen. Die meisten Gesetze der Bundesländer lassen es zu, den Anspruch eines Jahres auf das nächste zu übertragen, um dann zehn Tage Bildungsurlaub in Anspruch zu nehmen.

Wo ist das Recht auf Bildungsurlaub geregelt?

Die Bezeichnungen und Regelungen weichen von Bundesland zu Bundesland etwas voneinander ab. Interessierte sollten sich deshalb rechtzeitig über die jeweiligen Bestimmungen in ihrem Bundesland informieren. Wichtig: Ausschlaggebend ist das Bundesland, in dem gearbeitet wird, nicht das, in dem sich der Wohnsitz befindet.

Welche Seminare/ Veranstaltungen darf ich besuchen?

Der Inhalt der Fortbildung muss nicht in direktem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen. Das Spektrum reicht von Sprach- oder Gesundheitskursen über konkrete fachliche Fortbildungen bis zu politischen Seminaren oder persönlichkeitsbildenden Kursen – mittlerweile auch coronaconform. Achtung: Unbedingt darauf achten, dass das ausgewählte Seminar als Bildungsurlaub anerkannt ist.

Wer übernimmt die Kosten?

Während des Bildungsurlaubs zahlt der*die Arbeitgeber*in den Lohn beziehungsweise das Gehalt weiter, wie bei einem regulären Urlaub. Die Kursgebühren, Ausgaben für Lehrmittel sowie Kosten für Fahrten und Unterkunft müssen Beschäftigte selbst zahlen, können diese jedoch in der Steuererklärung geltend machen. Unter bestimmten Umständen können Interessierte bei den Kosten auch von der "Bildungsprämie" profitieren. Damit fördert der Staat Weiterbildungsmaßnahmen, die wichtige Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln und Kompetenzen erweitern. Voraussetzung dafür ist eine persönliche, kostenlose Beratung durch eine anerkannte Beratungsstelle. Mehr dazu im Internet unter www.bildungspraemie.info

Wie beantrage ich Bildungsurlaub?

Als erstes gilt es, eine geeignete Veranstaltung herauszusuchen, die als Bildungsurlaub anerkannt ist. Im Internet gibt es einige Portale, die Angebote auflisten. Die Anmeldung sowie der Antrag auf Bildungsurlaub im Betrieb sollten frühzeitig erfolgen. Letzterer je nach Bundesland zwischen vier und acht Wochen vor Beginn, in der Regel schriftlich. Er muss alle Informationen zum Seminar – Seminarnummer, Zielgruppe, Zeiten, Lernziele und -inhalte – enthalten. Teilnehmende erhalten am Ende eines Seminars eine Teilnahmebestätigung. Diese gilt als Nachweis gegenüber dem*der Arbeitgeber*in, und ist sofort bei Wiederaufnahme der Arbeit einzureichen. Wichtig: Den Bildungsurlaub ablehnen darf der*die Chef*in nur, wenn dringende betriebliche oder dienstliche Gründe dagegensprechen.