Seitenpfad:

"Defizit von 630 000 Wohnungen sitzt neuer Bundesregierung im Nacken"

Hausbau
(Foto: Maria Ziegler / Unsplash)
27.05.2021
Pressemitteilungen 2021

Zu den heute vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten Zahlen der fertiggestellten Wohnungen in 2020 erklärt der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, IG BAU-Chef Robert Feiger:

"Wieder nicht geschafft: 375 000 neu gebaute Wohnungen hätten es werden sollen – knapp 306.400 sind es nur geworden. Wenigstens in ihrem letzten Regierungsjahr hätte die Bundesregierung noch einmal unter Beweis stellen müssen, dass sie Wohnungsbau kann. Jetzt steht fest: Die Wohnungsbau-Offensive der Bundesregierung ist mit 'Bundesinnen- und Nebenbeibauminister' Seehofer gescheitert.

Die neue Bundesregierung wird im Herbst da anfangen müssen, wo diese Bundesregierung ihre Wohnungsbaupolitik abgebrochen hat: Bis 2025 müssen in Deutschland 1,5 Millionen neue Wohnungen gebaut werden – vor allem Sozialwohnungen und bezahlbare Wohnungen. Erst wenn nach der Bundestagswahl dem Wohnungsbau bei den Koalitionsverhandlungen höchste Priorität eingeräumt wird, kann der Einstieg dafür gelingen, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt innerhalb der neuen Legislaturperiode wieder entspannt.

Die neue Bundesregierung muss dazu das Neubau-Ziel der jetzigen Bundesregierung von im Schnitt 375 000 Wohnungen pro Jahr eins zu eins übernehmen. Sie muss es dann aber auch tatsächlich in die Tat umsetzen. Es reicht nicht, nur Baugenehmigungen zu zählen. Entscheidend ist, genehmigte Wohnungen auch tatsächlich zu bauen.

Auf die neue Bundesregierung wartet eine enorme wohnungsbaupolitische Erblast. Ihr sitzt ein gewaltiges Neubau-Defizit im Nacken: Aktuell liegt das bei 630 000 Wohnungen, die in den vergangenen Jahren zwar gebraucht, aber nicht gebaut wurden. Bei diesem 'Neubau-Stau' geht es fast ausschließlich um bezahlbare Wohnungen und um Sozialwohnungen. Insgesamt sind bundesweit 12,7 Millionen Haushalte auf eine Wohnung im unteren beziehungsweise mittleren Preissegment angewiesen – immerhin 56 Prozent aller Mieterhaushalte und damit 22,8 Millionen Menschen. Vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung ist es also, ein 'Nachhol-Paket' mit sozialer Note beim Wohnungsbau schnüren.

Dabei sind allein für das bezahlbare und für das soziale Wohnen bis 2025 rund 10 Milliarden Euro pro Jahr an Fördergeldern und Zuschüssen des Bundes notwendig. Es muss dringend ein Masterplan 'Sozialer Wohnungsbau' her. Dieser soll mit einem Mix aus mindestens 80 000 neu gebauten Sozialwohnungen pro Jahr sowie einer Förderung für den Ankauf von Wohnungen aus dem Altbaubestand und dem Ankauf von Belegungsrechten fürs soziale Wohnen dazu beitragen, dass die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland wieder spürbar steigt. Denn diese sind seit Jahren rückläufig (Rückgang seit 2002: 55 Prozent). Die Zielmarke liege hier bei mindestens 2 Millionen Sozialwohnungen bis 2030."

Statement von IG BAU-Chef Robert Feiger zum Wohnungsneubau in 2020.