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Ein Netzwerk für Wanderarbeitskräfte in der europäischen Landwirtschaft

netzwerktreffen agrar podium
© IG BAU
17.10.2019
Internationales

Die Entwicklung von Partnerschaften und Netzwerken für Saisonbeschäftigte in der Landwirtschaft war das Thema einer zweitägigen Konferenz in der europäischen  Kulturhauptstadt Matera, Italien. Vertreten waren sieben Gewerkschaften aus fünf Ländern, der Europäische Verband der Landwirtschafts-, Lebensmittel- und Tourismusgewerkschaften (EFFAT) und einige Arbeitgeberverbände.

Im Zentrum der Diskussion stand die die Lage der agrarischen Wanderarbeitskräfte in den jeweiligen Ländern.

Die italienische Gewerkschaft FAI/CISL hob hervor, dass durch Gesetzesänderungen das Caporalato System eingeschränkt worden ist. Dieses System, dominiert durch die Mafia, führte zu einer massiven Ausbeutung der Saisonarbeiter vorwiegend in den südlichen italienischen Regionen.

Die Beiträge der einzelnen Vertreter*innen zeigte die heterogenen Strukturen in der Landwirtschaft Italiens. Neben Wanderarbeiter*innen aus Bulgarien, Rumänien, Albanien und aus Ländern des ehemaligen Jugoslawiens suchen insbesondere im Süden Italiens viele Geflüchtete Arbeit in der Landwirtschaft. Gerade diese Arbeitskräfte sind durch ihre rechtliche und soziale Situation von Ausbeutung betroffen und leben unter katastrophalen Bedingungen.

Die Erfolge der gemeinsamen Arbeit der Agrargewerkschaften in der EFFAT stellte deren europäischer Agrarsekretär Arnd Spahn vor. Zwar kritisierte er die Saisonarbeiterrichtlinie der Europäischen Kommission, doch die Arbeit der Gewerkschaften in der Plattform gegen Schwarzarbeit zeige Früchte.

Zum einen konnte die Situation der Saisonarbeit in der Landwirtschaft gut dargestellt werden, zum anderen wurden Vorschläge der EFFAT in die Diskussion um die Entsenderichtlinie eingebracht. Besonders betonte Arnd Spahn die Erfolge in der „Written Statement Directive“. Danach müssen die Arbeitgeber*innen den Beschäftigten bereits am ersten Tag über ihre Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Lohn etc. informieren – in der Landwirtschaft ein großer Erfolg.

Thomas Hentschel, Geschäftsführer des Peco Instituts, ging auf die Kritik der italienischen Gewerkschaften am deutschen Mindestlohn ein. Lag der Mindestlohn in der deutschen Landwirtschaft am 1. Januar 2015 noch bei 7,40 Euro, so beträgt er mittlerweile 9,19 Euro. Diese Steigerung wäre sicher durch die traditionellen Tarifvereinbarungen in der Landwirtschaft nicht möglich gewesen. Er wies aber auch darauf hin, dass die Unternehmen sehr kreativ sind, wenn es um die Umgehung der Mindestlöhne ging. Die nicht korrekte Aufzeichnung von Stunden, nicht durch Gesetz oder Tarifverträge abgedeckte Abzüge würden häufig die Mindestlöhne unterlaufen. Hier konnte von ähnlichen Tendenzen aus Italien berichtet werden. 

Die Initiativen und Kampagnen auf den Feldern durch die Gewerkschaften in Deutschland zeigten Wirkung. Bei vielen Arbeitgeber*innen ist zu erkennen, dass sie ihren Saisonbeschäftigten bessere Bedingungen gewähren.

Abschließend wurde festgestellt, dass die Vernetzung der Gewerkschaften notwendig ist. Von mehreren Teilnehmer*innen wurde betont, dass durch den Austausch und gemeinsame Aktivitäten den Saisonarbeitskräften konkrete Hilfen angeboten werden können.

Durch die Netzwerktreffen können neue Informationen gewonnen werden, zum Beispiel über Veränderungen in der Wanderung oder über Themen, die noch wenig Berücksichtigung in der bisherigen Öffentlichkeit finden, wie beispielsweise sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.