Dietbert Arnold
(Fotos: zplusz/Nils Arnold)
05.12.2020
E wie Ehrenamt

"Diese Ausbeutung hat mich so entsetzt." Als Berufschullehrer für Pferdewirt*innen hat Dietbert Arnold viel Leid mitbekommen – nämlich das seiner Schüler*innen, die ihre Ausbildung mit leuchtenden Augen begannen, aber ein Jahr später, körperlich und psychisch ausgelaugt, weinend bei ihm in der Klasse saßen.

Als "Wildwuchs ohne Ende" bezeichnet der Bremer die Arbeitgeber*innen und Ausbildungsbedingungen in der Pferdebranche: 70-Stunden-Wochen, mangelnde Ausbildungsqualität oder nicht ausgezahlte Gehälter sind nur einige Beispiele. "Wir haben uns um unsere Schüler anständig zu kümmern", sieht Dietbert die Lehrer*innen in der Pflicht. In der IG BAU fand er dafür Hilfe und Unterstützung – etwa durch Expert*innen, die im Arbeitsrecht beraten und gegebenenfalls einen Rechtsstreit für die Auszubildenden ausfechten können.

Dietbert engagierte sich über viele Jahre im Bundesarbeitskreis Berufliche Qualifizierung der IG BAU, leitete auch dessen Vorsitz. Als Sachverständiger hat er seitens der IG BAU in mehreren Berufen die Neuordnung mitgestaltet. "Das war unheimlich spannend", erinnert er sich. Auch gegen unbezahlte Langzeitpraktika und einjährige Ausbildungsverträge hat er zusammen mit den Gewerkschaftskolleg*innen erfolgreich gekämpft. "Es ist ein Verbrechen, wenn wir zulassen, dass junge Menschen in ihrer ersten Erfahrung mit dem Berufsleben straucheln", betont Dietbert. "Konsequent und bissig" sollten die Gewerkschaften ihre Rolle als Sozialpartner wahrnehmen und sich vor allem auch für die Anliegen und Rechte der Auszubildenden einsetzen.

Heute vertritt der pensionierte Lehrer die IG BAU in Prüfungsausschüssen und im Berufsbildungsausschuss. Darüber hinaus hat er sich "wieder auf das besonnen, was ich am liebsten und wirkungsvollsten mache": nämlich jungen Menschen zu helfen. Über seine Website www.pferdewirtpruefung.de können sich Praktikant*innen und Auszubildende an ihn wenden, die Probleme rund um ihre Ausbildung haben. Denen gibt er nicht nur fundierten Rat, sondern ermutigt sie zudem eindringlich, sich an die IG BAU zu wenden. Oft vermittelt er über seine bundesweiten Kontakte die Hilfesuchenden auch direkt an seine Gewerkschaft. Beispielsweise einen jungen Mann, der drei Jahre als Praktikant ohne Bezahlung auf einem Pferdebetrieb gearbeitet hatte – und mit Hilfe des Rechtsschutzes der IG BAU 30 000 Euro Lohnnachzahlung erstreiten konnte. "Bevor ich mit der Seite anfing, wusste eigentlich keiner in der Branche, dass es überhaupt eine Gewerkschaft für sie gibt – weder Arbeitgeber*innen noch Beschäftigte. Das hat sich geändert!" Sein nächstes Projekt ist ein Podcast für die Azubis.

Der Motor, dass man nicht versauert

Dietbert war es immer wichtig, seinen Schüler*innen selbstständiges, selbstorganisiertes Lernen beizubringen. Und über sein Netzwerk vermittelte er Interessierte zu Praktika in ganz Europa. Letztens hat er eine ehemalige Schülerin wiedergetroffen, die heute stellvertretende Leiterin eines großen Vollblutgestüts bei Newmarket (Großbritannien) ist. "Das habe ich vor allem meinem Praktikum zu verdanken. Ein Glück, dass ich das machen durfte!", erklärte die junge Frau. "Bei den Schülern bleibt viel mehr hängen, als man denkt", freut sich Dietbert. "Das ist der Motor, dass man nicht versauert. Für mich war es immer eine Selbstverständlichkeit, in diesem Beruf so zu arbeiten." Und er kann sich gar nicht vorstellen, im "Ruhestand" nichts mehr zu machen.

Verfasserin: Cordula Binder