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Einigung im Tarifkonflikt: 700 000 Reinigungskräfte bekommen mehr Geld

ulrike laux
Ulrike Laux (© IG BAU, Alexander Paul Englert)
04.11.2020
Pressemitteilungen 2020

Tarifstreit im Gebäudereiniger-Handwerk beigelegt: Die rund 700 000 Reinigungskräfte in Deutschland bekommen deutlich mehr Geld. In drei Stufen steigt der Mindestlohn in der Branche um insgesamt elf Prozent. Zum Januar erhöht sich der Einstiegsverdienst von derzeit 10,80 Euro auf 11,11 Euro pro Stunde.

Ab 2022 steigt die Lohnuntergrenze auf 11,55 Euro, 2023 auf zwölf Euro. Das teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) nach dem Ende der vierten Tarifverhandlung für die Branche in der Nacht zum Mittwoch mit. "Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie sehr es auf Sauberkeit und Hygiene in Krankenhäusern, Schulen und Büros ankommt. Für ihre Arbeit unter erschwerten Bedingungen erhalten die Beschäftigten nun eine faire Anerkennung", sagt IG BAU-Verhandlungsführerin Ulrike Laux.

Nach Angaben der Gewerkschaft arbeiten drei Viertel aller Beschäftigten zum Branchenmindestlohn. Für sie bedeute die Einigung ein "kräftiges Plus" und einen "großen Schritt heraus aus dem Niedriglohnsektor", so Laux. Die IG BAU habe sich mit der Forderung nach einem Mindestverdienst von zwölf Euro pro Stunde durchgesetzt, wenngleich dieser erst in zwei Jahren greife. Der Tarifvorschlag zwischen der Gewerkschaft und dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) sieht außerdem deutliche Lohnsteigerungen für gelernte Kräfte vor. So kommen Beschäftigte in der OP-Reinigung auf ein Plus von insgesamt 8,7 Prozent. Glas- und Fassadenreiniger erhalten insgesamt 7,6 Prozent mehr und verdienen nach der dritten Tariferhöhung 15,20 Euro pro Stunde.

Hauptstreitpunkt in den Tarifverhandlungen war die unterschiedliche Bewertung der Folgen der Corona-Krise für die Branche. Nach Informationen der IG BAU hat sich die Arbeitsbelastung von Reinigungskräften im Zuge der Pandemie erhöht. In vielen Firmen sei die Arbeitszeit heraufgesetzt worden, um zusätzliche Aufgaben wie die Desinfektionsreinigung zu bewältigen. Kurzarbeit spiele nur vereinzelt, etwa in der Flughafenreinigung, eine Rolle.

"Bei jetzt wieder rasant steigenden Infektionszahlen setzen sich Reinigungskräfte einer erhöhten Ansteckungsgefahr aus. Für ihre meist unsichtbare Arbeit erfahren sie nun endlich mehr Wertschätzung", unterstreicht Laux. Die Arbeitgeber*innen argumentierten mit der unsicheren wirtschaftlichen Lage der Branche. Nach Einschätzung der IG BAU dürften sich die Umsätze in diesem Jahr trotz Corona auf dem hohen Niveau der Vorjahre bewegen.

Enttäuscht zeigte sich die Gewerkschaft über die fehlende Verhandlungsbereitschaft beim Thema Weihnachtsgeld. "Reinigungskräfte verstehen nicht, warum sie leer ausgehen sollen, während die Sonderzahlung am Jahresende in den meisten Branchen selbstverständlich ist", sagt Laux. Immerhin werde eine Vereinbarung aus dem Rahmentarifvertrag fortgesetzt, nach der Gewerkschaftsmitglieder in Innungsbetrieben in den kommenden drei Jahren einen Weihnachtsbonus erhalten.

Die Gebäudereinigung gilt als eine der größten Handwerkssparten in Deutschland. Im vergangenen Jahr setzte die Branche 19,6 Milliarden Euro um. Die tariflichen Mindestlöhne – die unterste Lohngruppe sowie die Glas- und Fassadenreinigung – werden in der Regel vom Bundesarbeitsministerium für allgemeinverbindlich erklärt. Damit haben alle Beschäftigten in Reinigungsfirmen Anspruch auf die Lohnuntergrenzen.

Mindestlohn in der Gebäudereinigung steigt um 11 Prozent.