Holocaust Memorial
(Foto: Chad Greiter / Unsplash) Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.
09.11.2021
Geschichte

Die Presseorgane der Regierungspartei hatten die Bevölkerung aufgehetzt, gegen Personen mit grünen Augen entschlossen vorzugehen. Es sei "ein unmöglicher Zustand, dass in unseren Grenzen Hunderttausende Grünaugen noch ganze Ladenstraßen beherrschen, Vergnügungsstätten bevölkern und als Hausbesitzer das Geld der Mieter einstecken."

Einen Tag nach der medialen Hetzjagd begannen die Angriffe auf Menschen, die nach Vorstellung der Regierungspartei als grünäugig galten, ihre Wohnungen, Geschäfte und von ihnen betriebene und genutzte Einrichtungen. Mehrere hundert Personen wurden getötet. Der anschließenden Inhaftierungswelle fielen 30 000 Menschen zum Opfer.

Bestimmt ist spätestens an dieser Stelle klar, dass es nicht um Menschen mit einer beliebigen Augenfarbe geht, sondern um Jüdinnen und Juden in Nazi-Deutschland und Österreich. Das NS-Regime hatte seit Jahren mit Phantasievorwürfen Stimmung gegen sie gemacht, die in den Novemberpogromen des Jahres 1938 gipfelte. Auch das obige Zitat ist nicht ausgedacht, sondern stand mit Bezug auf Jüdinnen und Juden im nationalsozialistischen Propagandablatt „Völkischer Beobachter“.

In Folge der Pogrome organisierte das NS-Regime die Vertreibung der noch in Deutschland verbliebenen jüdischen Bevölkerung. Drei Jahre später begannen die Nazis mit der systematischen Deportation und Ermordung der europäischen Juden. Mindestens sechs Millionen verloren bis 1945 ihr Leben.
 
Die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 war der vorläufige gewalttätige Höhepunkt gegen das jüdische Leben in Deutschland. Anlässlich des Jahrestages am 9. November erinnern viele jüdische Gemeinden in Deutschland Gedenkveranstaltungen an die Pogrome vor 83 Jahren. Staatliche Einrichtungen und zivilgesellschaftliche Organisationen beteiligen sich an dem Gedenken. Auch die IG BAU gedenkt den Opfern.

Gegen das Vergessen.