ulrike laux
Ulrike Laux (© IG BAU, Alexander Paul Englert)
02.09.2020
Pressemitteilungen 2020

Sie halten Schulen, Krankenhäuser und Büros sauber – müssen aber trotz Mehrbelastungen durch die Corona-Pandemie bislang auf eine Lohnerhöhung warten. Für die rund 700 000 Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk fordert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) deutlich mehr Geld.

"Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig die oft unsichtbare Arbeit von Reinigungskräften ist. Die Beschäftigten, die sich teils täglich einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen, erwarten mehr Anerkennung für ihren Job",

sagt Ulrike Laux, Mitglied im IG BAU-Bundesvorstand und Verhandlungsführerin für die Branche. Am Donnerstag (3. September) gehen die Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft und dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) in Köln in die zweite Runde.

Nach einer Untersuchung des Pestel-Instituts (Hannover) im Auftrag der IG BAU kam die Gebäudereinigung bislang deutlich unbeschadeter durch die Pandemie als andere Branchen. So stieg die Zahl der Arbeitssuchenden in den Reinigungsberufen im Juli 2020 um lediglich 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. In der Gesamtwirtschaft lag der Zuwachs an Arbeitssuchenden bei 13,7 Prozent. Den Forschern zufolge zeichnet sich die Gebäudereinigung zudem durch ein besonders niedriges Lohnniveau aus. Der überwiegende Teil der Beschäftigten erhalte den Branchenmindestlohn von aktuell 10,80 Euro pro Stunde.

Die IG BAU fordert, den Einstiegsverdienst um 1,20 Euro auf nun zwölf Euro anzuheben. Die Lohnuntergrenze für Glas- und Fassadenreiniger*innen soll um denselben Betrag auf 15,30 Euro pro Stunde steigen. Für Auszubildende verlangt die Gewerkschaft ein monatliches Plus von 100 Euro. Zudem soll es erstmals ein Weihnachtsgeld in Höhe von 80 Stundenlöhnen geben.

"Reinigungskräfte waren schon vor der Pandemie Hygiene-Experten. Trotz gestiegener Vorschriften müssen sie sich aber mit Mini-Löhnen begnügen. Das soll sich jetzt ändern",

betont Laux. Insbesondere die vielen Teilzeitbeschäftigten, der Großteil unter ihnen Frauen, seien auf jeden zusätzlichen Euro am Monatsende angewiesen. Laut Pestel-Institut arbeiten lediglich 22 Prozent der Beschäftigten in Reinigungsberufen in Vollzeit.

Das Gebäudereiniger-Handwerk gilt als größte Handwerkssparte in Deutschland. 2019 erwirtschaftete die Branche nach eigenen Angaben einen Umsatz von 19,7 Milliarden Euro – es war das zehnte Rekordjahr in Folge.

„Corona hat zwar in Bereichen wie der Industrie- oder Flughafenreinigung zu einigen Rückgängen geführt. Insgesamt steht die Branche aber wirtschaftlich gut da“,

so Laux weiter.

Tarifrunde für 700.000 Beschäftigte geht weiter.