Stau Autobahn Pendler
(Foto: SD-Pictures / Pixabay)
06.03.2021
Pressemitteilungen 2021

Gewerkschaft warnt vor Folgen der Wohnungsnot für Beschäftigte in Ballungszentren und Großstädten: Nach Einschätzung des Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Robert Feiger, zwingt der Mangel an bezahlbaren Wohnungen Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Pendeln.

Die Zahlen des aktuellen Pendlerberichts der  Bundesagentur für  Arbeit (BA), nach denen 2020 rund 13 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Deutschland täglich ihre Stadt oder ihren Landkreis auf dem Weg zu Arbeit verließen, sprächen eine deutliche Sprache. "Weil das Wohnen in Deutschlands Großstädten nach jahrelangen teils exorbitanten Mietsteigerungen für viele Beschäftigte nicht mehr bezahlbar ist, bleibt für sie als Alternative oft nur stundenlange Fahrerei", so Feiger. Es sei bezeichnend, dass der Anteil der Fernpendler*innen unter den Beschäftigten trotz Pandemie mit 39 Prozent nahezu unverändert hoch geblieben sei.

Pendler*innen-Hauptstadt ist laut BA weiterhin München. 414 000 Beschäftigte pendelten von außerhalb in die bayerische Landeshauptstadt – 78 000 von ihnen sogar aus anderen Bundesländern. Auf dem zweiten Platz liegt Frankfurt mit 387 000 sogenannten Einpendler*innen, gefolgt von Hamburg (359 000). In den drei Städten nahmen die Pendler*innen-Zahlen im Vergleich zum Vorjahr zu (München: plus sechs Prozent; Frankfurt und Hamburg: plus drei Prozent).

"Weite Pendelwege spielen dabei längst nicht mehr nur in den Metropolen eine Rolle. Sogar Städte wie Braunschweig, Erfurt oder Heidelberg kommen auf hohe fünfstellige Werte", so Feiger. In der Bauwirtschaft seien lange Anfahrtswege dabei besonders verbreitet. Es dürfe aber nicht sein, dass Menschen, die in den Großstädten Wohnungen bauten, sich diese selbst nicht mehr leisten könnten. Zur Linderung der Wohnungsnot fordert die IG BAU eine massive Aufstockung der Fördermittel und dauerhafte Preisbindungen für den sozialen Wohnungsbau.

Auch im bezahlbaren Segment – bei Quadratmeterpreisen zwischen sechs und neun Euro – müsse deutlich mehr und gezielter gefördert werden. "Deutlich mehr Wohnungen, die sich in den Großstädten auch Gering- und Normalverdiener leisten können, sind ein entscheidender Beitrag, um die Pendlerströme in Deutschland zu verringern. Wenn ein Bauarbeiter oder eine Reinigungskraft heute teils 100 Kilometer für den Weg zur Arbeit zurücklegen muss, dann läuft auf dem Wohnungsmarkt grundsätzlich etwas falsch", unterstreicht Feiger.

13 Millionen Fern-Pendler*innen im letzten Jahr – Rekordhoch trotz Pandemie.