carsten burckhardt
Carsten Burckhardt (Foto: JGFoto / IG BAU)
28.09.2022
Pressemitteilungen 2022

Berufe der Bauwirtschaft müssen attraktiver werden, um Fachkräfte zu gewinnen.

"Wir werden über das Thema Arbeitszeit reden! Das kommt ab sofort ganz oben auf die Agenda." Das hat Carsten Burckhardt, Bundesvorstandsmitglied der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und für die Bauwirtschaft und Baustoffindustrie zuständig, auf dem Gewerkschaftstag in Kassel den Delegierten des 23. Ordentlichen Gewerkschaftstages zugerufen. "Schon jetzt haben wir einen enormen Fachkräftebedarf – in allen Branchen –, der sich in den nächsten Monaten und Jahren noch verschärfen wird, wenn die Generation der Babyboomer [1955 bis 1970 geborene] in Rente geht, und zudem weniger Entsendebeschäftigte aus Osteuropa nach Deutschland kommen. Deshalb müssen die Arbeitsbedingungen in der Bauwirtschaft tarifvertraglich noch attraktiver gestaltet werden, um auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt eine Chance zu haben, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten."

Burckhardt denkt dabei an flexiblere Arbeitszeitgestaltung und auch – verkürzungen, damit beispielsweise Väter und Mütter sich mehr um die Familien kümmern – , ihre Kinder aufwachsen sehen und auch planbarer ihre Freizeit gestalten können. In diesem Zusammenhang macht er auf das jüngst gefällte Bundesarbeitsgerichtsurteil zur Arbeitszeiterfassung aufmerksam [Aktenzeichen: 1 ABR 22/21]. "Die vielen, zum Teil unbezahlten, Überstunden, ob im Handwerk oder der Industrie, müssen ein Ende haben." Digital exakt aufgezeichnete Arbeitszeiten – beispielsweise durch eine Bau-Card oder einer Smartphone-App – erhöhten den Arbeitsschutz, stellten sicher, dass jede geleistete Arbeitsstunde auch ordentlich tariflich bezahlt werde und nehme den Druck von den Arbeitnehmer*innen.

Zudem müssten die Beschäftigten der Bauwirtschaft, die bei immer anspruchsvolleren klimatischen Bedingungen ihre Arbeit verrichten, besser geschützt und die Arbeitsbedingungen an den Klimawandel angepasst werden.  "Dieser heiße Dürre-Sommer hat uns gezeigt, wo die Reise in den nächsten Jahren hingeht", sagte Burckhardt. "Da müssen Politik und Tarifvertragspartner nachlegen. Wir brauchen einen Booster für ganzjährige Beschäftigung und Saison-Kurzarbeit für die Sommermonate." Er verweist dabei auf eine bereits existierende Regelung in der Dachdeckerbranche, in der es für ausgefallene Stunden wegen zu großer Hitze einen Ausgleich gibt. Diese müsse aber ausgebaut und natürlich auf andere Outdoor-Branchen ausgeweitet werden.

All diese Vorhaben, so ist sich Burckhardt sicher, steigern die Attraktivität der körperlich und geistig anspruchsvollen Tätigkeiten der Bauwirtschaft und helfen, den Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft und Baustoffindustrie nachhaltig anzugehen. 

IG BAU: Die Arbeitszeit muss ganz oben auf die Agenda