Sauberkeit rettet Leben
(© IG BAU)
15.06.2021
Pressemitteilungen 2021

In der Pandemie garantieren sie die Hygiene in Schulen, Büros und Krankenhäusern – sind aber selbst häufig unzureichend vor Infektionen geschützt: Fast jede zweite Reinigungskraft zwischen Eifel und Niederrhein beklagt einen mangelnden Corona-Schutz am Arbeitsplatz.

Das geht aus einer Branchenumfrage der Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU im Rheinland hervor. Zum "Tag der Gebäudereinigung" an diesem Dienstag (15. Juni) fordert die Gewerkschaft, Beschäftigte besser zu schützen – und mehr Anerkennung für ihre meist unsichtbare Arbeit.

46 Prozent der befragten Reinigungskräfte in der Region gaben an, in diesem Frühjahr von ihren Arbeitgeber*innen nicht genügend Atemschutzmasken erhalten zu haben. Vier von zehn Beschäftigten klagten über fehlende Schutzausrüstung wie Handschuhe oder Kittel. "Es kann nicht sein, dass sich Gebäudereinigerinnen im Beruf einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen, aber der Arbeitsschutz häufig nicht ernst genommen wird", kritisiert Antonia Kühn, Regionalleiterin der IG BAU Rheinland. Die Unternehmen müssten hier dringend nachbessern.

Die Gewerkschafterin kritisiert zudem die gestiegene Arbeitsbelastung in der Branche. "Fast jeder zweite Befragte gab an, dass die zu reinigende Fläche seit Beginn der Pandemie größer geworden ist, während die dafür vorgesehene Zeit gleich blieb. Oder die Zeitvorgabe wurde verringert. Mehr als ein Drittel der Befragten berichtet, dass sie zwar weiterhin die gleiche Fläche zu reinigen haben, ihnen dafür aber weniger Zeit zur Verfügung steht", so Kühn. In der Folge heiße das für den Großteil der Gebäudereiniger: "Turbo-Putzen" – ein seit Jahren bestehender Trend, den Corona nochmals verschärft habe. Hinzu kämen neue Hygienevorschriften, die die Beschäftigten belasteten. So solle etwa in Schulen jede Klinke mehrfach am Tag desinfiziert werden. Trotz zusätzlicher Aufgaben sei jedoch nur selten weiteres Personal eingestellt worden.

"Die Corona-Krise hat gezeigt, wie sehr es auf die Arbeit von Reinigungskräften ankommt. Dennoch arbeiten sie meist zu Niedriglöhnen. Die Branche muss bei der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen attraktiver werden, um künftig überhaupt noch genügend Personal zu bekommen", unterstreicht Kühn. In der Unterhaltsreinigung liege der Einstiegsverdienst aktuell bei lediglich 11,11 Euro pro Stunde. Von solchen Einkommen kämen die Beschäftigten – gerade auch wegen der hohen Mieten in den Städten an der Rheinschiene – nicht über die Runden.

Hintergrund: An der Branchenumfrage der IG BAU Rheinland haben 683 Beschäftigte aus dem Gebäudereiniger-Handwerk in der Zeit vom 8. April bis zum 31. Mai teilgenommen. Die Umfrage deckt verschiedene Einsatzgebiete wie Krankenhäuser, Bürogebäude, Messen, Flughäfen, Industrieparks, Schulen und Universitäten ab. Die Befragten arbeiten bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ebenso wie bei den großen "Playern" der Branche. Dazu zählen unter anderem Dussmann, ISS, Klüh, Piepenbrock, Gegenbauer und Wisag. Die Umfrageergebnisse stehen zum Download zur Verfügung unter: www.rheinland.igbau.de

Der "Tag der Gebäudereinigung" erinnert an einen Streik der Putzkräfte in Century City, einem Geschäftsviertel von Los Angeles, bei dem am 15. Juni 1990 die Streikenden brutal von der Polizei zusammengeschlagen wurden. Die Polizei musste nach einem Gerichtsverfahren schließlich 3,5 Millionen Dollar an die amerikanische Reiniger*innen-Gewerkschaft zahlen. Der Streik führte zu einer Lohnerhöhung von 25 Prozent und zur Einführung einer betrieblichen Krankenversicherung. Dieser Vorfall markiert einen Wendepunkt in der Kampagne "Justice for Janitors". Der 15. Juni wird seitdem international als "Justice-for-Janitors-Day", in Deutschland als "Tag der Gebäudereinigung", begangen.

Gebäudereiniger-Gewerkschaft legt Branchenumfrage für das Rheinland vor