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Klöckners "Pflanzoffensive" droht an fehlendem Forstpersonal zu scheitern

harald schaum
Harald Schaum (© IG BAU, Alexander Paul Englert)
21.09.2020
Pressemitteilungen 2020

Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner geforderte "Pflanzoffensive" in Deutschlands Wäldern könnte am Personalmangel in der Forstwirtschaft scheitern. Davor warnt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

"Trockenheit, Schädlinge und Stürme haben in den vergangenen Jahren zu Waldschäden historischen Ausmaßes geführt. Es ist richtig und nötig, nun im großen Stil aufzuforsten. Aber dafür braucht es mehr Forstbeschäftigte", sagt IG BAU-Vize und Forst-Fachmann Harald Schaum. Ein erheblicher Teil der bis zu 1,5 Milliarden Euro, die Bund und Länder für die Aufforstung mobilisieren wollten, müsse in den Personalaufbau fließen.

Die Beschäftigten in den Forsten arbeiteten bereits jetzt am Limit, um die bisher entstandenen Schäden zu beseitigen. Laut Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums haben sich in den Wäldern aktuell knapp 180 Millionen Kubikmeter Schadholz angesammelt, 285 000 Hektar müssen wiederbewaldet werden. Die IG BAU hält bundesweit 11 000 zusätzliche Forstbeschäftigte für nötig, um die Wälder besser für den Klimawandel aufzustellen. Das entspricht einem zusätzlichen Forstbeschäftigten pro 1000 Hektar Wald.

Schaum verweist auf eine repräsentative Branchenumfrage der Gewerkschaft. Darin gaben 64 Prozent der Forstbeschäftigten an, die Arbeitsbelastung sei aktuell kaum zu ertragen. 78 Prozent klagen über fehlendes Personal. 87 Prozent sehen im Klimawandel die Hauptursache für die aktuellen Waldschäden. "Der klimagerechte Waldumbau ist eine Mammutaufgabe. Hier ist eine ganze Generation gefordert", betont Schaum. Es sei zu begrüßen, dass zunehmend auch private Initiativen zur Wiederaufforstung entstünden. Am Ende komme es aber entscheidend auf das Know-how und die Erfahrungen der Fachleute an.

"Julia Klöckner setzt mit der geforderten Pflanzoffensive das richtige Zeichen. Länder und Kommunen müssen nun dafür sorgen, dass auch die Mittel fließen, um die Pläne in die Tat umzusetzen. Millionen neuer Bäume, die unsere Wälder brauchen, pflanzen sich nicht von alleine", so Schaum.




IG BAU: 11 000 zusätzliche Forstbeschäftigte für Waldumbau nötig.