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Netzwerktreffen von mittel- und osteuropäischen Bau- und Landwirtschaftsgewerkschaften in Warschau

Netzwerktreffen Gewerkschaften MOE Plenum
26.09.2019
Internationales

Das mittlerweile schon fast zur Tradition gewordene Treffen von mittel- und osteuropäischen Gewerkschaften fand dieses Jahr am 19. und 20. September in Warschau statt. Gewerkschaften aus Polen, der Ukraine, Litauen, Bulgarien, Moldawien und Weissrussland sowie die IG BAU diskutierten zwei Tage über den Stand und die Perspektiven einer Zusammenarbeit in unseren Branchen.

Als konkretes Beispiel einer gemeinsamen Zusammenarbeit dänischer, deutscher, polnischer und österreichischer Gewerkschaften wurde die Agriworker App (www.agriworker.eu) präsentiert. Diese neue Form der Kommunikation und Information von landwirtschaftlichen Saisonarbeiter*innen über das Internet in den Hauptsprachen der Wanderarbeiter*innen wurde begeistert von allen Teilnehmenden aufgenommen. Bei den Übungen machten alle mit und wollen diese App auch in ihren Ländern weiter verbreiten.

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Diskussion über den Stand der Wanderarbeit in unseren Branchen und um eine weitere engere Zusammenarbeit. Natürlich nahm die Arbeitsmigration zwischen der Ukraine und Polen einen breiten Raum in der Diskussion ein. Mehr als zwei Millionen Arbeitsgenehmigungen hat Polen an Ukrainer*innen ausgestellt, ein Teil der Beschäftigten wird sicher auch auf deutschen Baustellen entsandt. Allerding liegen hierfür keine konkreten Zahlen vor. Ebenfalls diskutiert wurde die Situation von ukrainischen Studierenden, die in den vergangenen Jahren auf deutschen Feldern als Werkstudent*innen oder Praktikant*innen tätig waren. Konsens war, dass die Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften hier noch intensiver betrieben werden muss, insbesondere was den Informationsaustausch betrifft.    

Aber auch neue Themen wurden angeschnitten, um die sich die Gewerkschaften kümmern sollen. Von den ukrainischen Kolleginnen wurde engagiert über immer wieder auftretende sexuelle Belästigungen von Migrantinnen berichtet. Gemeinsam mit schwedischen Kolleginnen ist man hier schon aufklärerisch aktiv geworden. Auch in Deutschland wollen wir uns künftig diesem Thema in der Landwirtschaft stärker widmen.

Auf großes Interesse stieß Dana Schäfer von der SOKA-BAU mit ihrem Bericht über das Abkommen der SOKA-BAU mit der polnischen Sozialkasse ZUS über die Auszahlung von Urlaubsansprüchen an polnische Bauarbeiter. Anhand dieses konkreten Beispiels wurde deutlich, wie Sozialpartner handeln können und wie wir helfen können, dass erworbene Ansprüche auch grenzüberschreitend ausgezahlt werden und den Kolleginnen und Kollegen zugute kommen.

Krisztof Gedka von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) äußerte sich in seiner Zusammenfassung zufrieden über dieses Treffen und über die Zusammenarbeit der Gewerkschaften insgesamt. Die Kooperation zwischen der FES und den Gewerkschaften habe zu vielen und praktischen Ergebnissen geführt, die angesprochene Inhalte zeigten die vielfältigen Probleme in der Wanderarbeit auf, es gebe immer wieder neue zukunftsweisende Themen. Für die konkrete Arbeit vor Ort würden immer wieder wichtige Impulse gesetzt.