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Pandemie trifft Ausbildungsmarkt: IG BAU warnt vor "Corona-Verlierer-Generation"

Robert Feiger
Robert Feiger (© IG BAU, Alexander Paul Englert)
29.10.2020
Pressemitteilungen 2020

Schulabgänger*innen und Auszubildende könnten zu den größten Verlierer*innen der Corona-Krise gehören. Davor warnt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

"Immer mehr Firmen fahren die Ausbildung wegen unsicherer wirtschaftlicher Perspektiven drastisch zurück. Die Pandemie dürfte deshalb den ohnehin eklatanten Fachkräftemangel insbesondere auch im Handwerk weiter verschärfen", sagt IG BAU-Chef Robert Feiger. Mittlerweile sei sogar die Baubranche, die bisher gut durch die Pandemie gekommen sei, betroffen. Nach vorläufigen Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-BAU) sank die Zahl der Jugendlichen, die bis zum 30. September eine Ausbildung begonnen haben, um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Hochbau lag der Rückgang sogar bei knapp elf Prozent.

An diesem Donnerstag legt die Bundesagentur für Arbeit die Septemberstatistik zum Ausbildungsmarkt vor. Bereits im August hatte die Behörde über deutliche Corona-Folgen berichtet. Die Zahl gemeldeter Plätze im zurückliegenden Ausbildungsjahr ging demnach um 7,7 Prozent zurück. Das Bundesinstitut für Berufsbildung rechnet bei einem pandemiebedingten Einbruch der Wirtschaftsleistung um sieben Prozent mit dem Verlust von 40 000 Ausbildungsplätzen.

"Schon vor Corona haben viele Betriebe die Berufsausbildung schleifen lassen. Seit Jahren sinkt die Ausbildungsquote. In der jetzigen Krisensituation rächt sich das", so Feiger. Die Bauwirtschaft stehe im Branchenvergleich noch "relativ solide" da. Allerdings herrsche schon seit langem ein großer Mangel an Fachkräften. Getrieben durch den Bau-Boom würden zum Beispiel Maurer*innen und Zimmerleute vielerorts händeringend gesucht. Ebenso Gleisbauer*innen.

Der Bundesvorsitzende der IG BAU warnt davor, die Ausbildung noch weiter zurückzufahren: "Eine Nachwuchs-Krise kann sich unsere Volkswirtschaft nicht leisten. Auch wenn viele Firmen jetzt große Einbußen zu verkraften haben, wäre ein Sparen an den Azubis ein Sparen am falschen Ende. Wir können uns keinen 'Corona-Verlierer-Jahrgang' erlauben". An Bund, Länder und Kommunen appelliert Feiger, die Ausbildungstätigkeit durch Investitionen zu flankieren. Trotz klammer Kassen wäre die Rückkehr zur "schwarzen Null" ein großer Fehler. "Wichtige Zukunftsinvestitionen etwa ins Schienennetz, in Kitas, Krankenhäuser und Radwege dürfen Corona nicht zum Opfer fallen. Der Verschleiß der öffentlichen Infrastruktur kommt die nächste Generation teuer zu stehen", so Feiger weiter.

Der IG BAU-Vorsitzende verweist auf weitere Folgen der Krise für Berufsstarter: "Firmen bieten nicht nur weniger Ausbildungsplätze an. Auch Praktika für Schüler sind aktuell kaum zu bekommen. Und an den Schulen liegt die Berufsorientierung de facto brach." Darunter leide die gesamte duale Ausbildung, die zusätzlich vom "Trend zum Studium" betroffen sei. Und angesichts wieder steigender Infektionszahlen könnte es erneut zu Schließungen der Berufsschulen kommen, warnt Feiger. Bereits im Frühjahr und Sommer waren im Zuge der Pandemie zahlreiche Kurse und Prüfungen ausgefallen.