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Saisonarbeiter*innen in Rheinland-Pfalz: Gesundheitsschutz in Zeiten der Corona-Pandemie

Erntehelferinnen
(© IG BAU)
13.05.2020
Forst- und Agrarwirtschaft

Bis Ende Mai 2020 sollen 40000 Erntehelfer*innen eingeflogen werden, um im Rahmen der sogenannten "faktischen Quarantäne bei gleichzeitiger Arbeitsmöglichkeit" die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland bei der Gemüseernte zu unterstützen – ein schwerwiegendes Zugeständnis der Politik zugunsten der landwirtschaftlichen Betriebe.

Zugleich trägt die Bundesregierung – insbesondere Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner – damit eine hohe Verantwortung gegenüber den einreisenden Saisonarbeiter*innen. Und ebenso die landwirtschaftlichen Betriebe. Vor diesem Hintergrund hat die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) Informationen zu den allgemeinen Verhaltensregeln für die landwirtschaftlichen Betriebe sowie mehrsprachige Infos für die Erntehelfer auf ihrer Webseite zur Verfügung gestellt. Seitens der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) wurden in der Vorderpfalz Beobachtungen gemacht, die darauf schließen lassen, dass die gesundheitlichen Bestimmungen nicht optimal eingehalten werden. Aus unserer Sicht besteht also Handlungsbedarf!

Im Rahmen eines „corona-angepassten“ Außendiensttages wurden seitens der IG BAU Felder im „Gemüsegarten der Pfalz“ aufgesucht. Der besonderen Situation geschuldet, mit entsprechendem Abstand und ohne persönlicher Kontaktaufnahme zu den angetroffenen Saisonbeschäftigten. Dadurch, dass auch für mobile Beschäftigte momentan besondere Corona-Schutz- und Hygieneregel gelten, sollte erfasst werden, ob die seitens der Regierung festgelegten Schutzmaßnahmen gegen die Infektionskrankheit SARS-CoV-2 auch gegenüber den Saisonarbeiter*innen angemessen umgesetzt werden.

So wurde am 28. April 2020 durch unseren Kollegen Jörg Senftleben tendenziell festgestellt:

Die Mindestabstände werden auf den Feldern nicht unbedingt beachtet und eingehalten. Spargelfelder scheinen eine positive Ausnahme zu sein. Mobile Trennwände, wie aus der Industrie bekannt, werden nicht verwendet. Die An- beziehungsweise Abreise zum Feld erfolgt zu Fuß, mit Fahrrädern (vermutlich bei ortsansässigen Saisonarbeitskräften), in Kleinbussen und PKWs sowie mit den bekannten Transportanhängern. Ein offensichtlich voll besetzter Anhänger wurde bei der Abfahrt beobachtet (siehe Foto unten). Mund-/Nasenschutz ist bei den Saisonarbeitnehmern*innen nicht erkennbar sowie auch keine sonstige adäquate Maßnahme (wie etwa Trennwände).

Bei einer weiteren Gruppe (circa 50 Personen) war dagegen auch eine Waschmöglichkeit vorhanden (siehe Fotos).

Hier ist jedoch zu bemerken, dass bei einem herkömmlichen Wasserhahn (je nach Breite und Druck) bis zu 20 Liter Wasser pro Minute fließen. Bei dem Abgebildeten ist nicht davon auszugehen, da der notwendige Druck wahrscheinlich gar nicht generiert werden kann. Wenn jedoch von einem Mindestverbrauch von 6 Litern pro Minute (Wassermengenregler) ausgegangen wird, dann wären bei einer Gruppe von 50 Mitarbeiter *innen, die sich die Hände nur einmal täglich für eine Minute reinigen, 300 Liter Wasser nötig.

Mobile Toilettenanlagen und Waschgelegenheiten: das sollte auch ohne Corona-Pandemie der Standard auf den Feldern sein. Nicht nur im Sinne des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Hygiene- und Schutzmaßnahmen, welche seitens der beobachteten landschaftlichen Betriebe in der Pfalz während der Corona-Pandemie gegenüber den Erntehelfer*innen ergriffen wurden, offensichtlich verbessert werden könnten – beziehungsweise:  verbessert werden müssten.

Gegenüber den politisch Verantwortlichen hat die IG BAU ihre grundsätzlichen Forderungen hierzu längst vorgetragen und auch schriftlich festgehalten (unter anderen hier, hier und dort). Unsere Zielsetzungen wurden zwischenzeitlich, in ihrer praxisnahen Ausrichtung, bekräftigt. Denn seit dem vergangenen Wochenende hat sich bestätigt, was passieren kann. Die hohe Infektionsrate in fleischverarbeitenden Betrieben kann – infolge der durchaus vergleichbaren Arbeits- und Wohnsituation – direkt als mögliche Gefährdungslage auf die landwirtschaftlichen Betriebe übertragen werden.

Erntehelfer
(© IG BAU) Anhänger mit Erntehelfer*innen vor dem Abtransport – bei Maxdorf.
Erntehelfer
(© IG BAU) Dixi-Doppel, Feld in der Pfalz, Vorder- und Rückseite – Nähe AB-Abfahrt Neustadt/Süd.
Erntehelfer
(© IG BAU) Dixi-Doppel, Feld in der Pfalz, Vorder- und Rückseite – Nähe AB-Abfahrt Neustadt/Süd.