Dudu Alkan Theresa Alefs
(Fotos: Privat)
26.01.2022
Bildung / Mitbestimmung

Dies ist die dritte Folge einer Serie von Artikeln, in denen wir über die Gründung und die Wahlen von Betriebsräten in verschiedenen Firmen berichten. Ihr erhaltet wertvolle Tipps und Informationen aus erster Hand von den Kolleginnen und Kollegen, die sich dieser wichtigen Aufgabe in ihrem Betrieb gestellt haben.

Seit Mai 2021 gibt es einen Betriebsrat bei der Sasse Aviation Service GmbH, die für die Terminal-Reinigung am Düsseldorfer Flughafen zuständig ist. Der Weg dorthin war lang und nicht einfach. Doch weder Kurzarbeit noch Pandemiebedingungen oder andere Herausforderungen konnten die mutigen und kämpferischen Kolleg*innen von ihrem Vorhaben abbringen.

Der Auslöser für die Gründung des Betriebsrats (BR) war die durch Corona verursachte Kurzarbeit. "Erst bekamen die befristet Beschäftigten wegen Corona keine Verlängerung. Für die anderen wurde Kurzarbeit eingeführt, die aber extrem ungerecht verteilt wurde", schildert Dudu Alkan, heute Betriebsrats-Vorsitzende, die Situation. Schon vorher hatten die Kolleg*innen Anlass genug, sich zur Wehr zu setzen: Lohnreklamationen, mangelnder Respekt von Führungskräften gegenüber den Beschäftigten oder Ungleichbehandlung von Kolleg*innen zum Beispiel bei der Erstellung der Schichtpläne und Zuweisung von Arbeitsrevieren.

"Als erstes haben wir Kontakt zur Gewerkschaft aufgenommen. Die IG BAU hat uns unterstützt und viel geleistet, ohne sie hätten
wir das nie geschafft", meint Theresa Alefs, die stellvertretende BR-Vorsitzende. Wie sie und Dudu sind viele Kolleg*innen schon lange in der Gewerkschaft, haben sich bereits an Aktionen und Streiks der IG BAU beteiligt und waren betrieblich aktiv. Der Gewerkschaftssekretär nahm im Dezember 2020 auch gleich Kontakt zur Geschäftsführung auf. Außerdem wurde eine Gruppe von etwa zehn Kolleg*innen (aus sieben Nationen!) aktiv. Sie bildeten ein Komitee und kamen in regelmäßigen Treffen mit dem Gewerkschaftssekretär zusammen, um Fragen zu Aufgaben und Rechten des BR zu klären und ihr Vorgehen zu planen: Wer ist anzusprechen, wie kann man Unterstützer*innen gewinnen, was sind die nächsten Schritte? Die Aktivitäten wurden geheim gehalten, die Sitzungen fanden im Düsseldorfer Gewerkschaftshaus statt.

Erst bei der Wahlversammlung im Januar 2021 kamen Dudu und Theresa "aus der Deckung", um für den Wahlvorstand zu kandidieren; die anderen Aktiven blieben "undercover". Die Wahlbeteiligung war mit 90 Prozent ungewöhnlich hoch. Die Vermutung der Aktiven: Der Arbeitgeber hatte seit der Einladung zur Wahlversammlung nicht nur versucht, herauszubekommen, wer hinter der BR-Wahl steckt, sondern auch Führungskräfte mobilisiert, sich an der BR-Wahl "aktiv und passiv" zu beteiligen.


IG BAU-Liste holt Mehrheit

Dudu und Theresa wurden gemeinsam mit einem weiteren Kollegen zum Wahlvorstand gewählt. Danach häuften sich die "Zufälle": Dudu und Theresa kamen wieder in Kurzarbeit, für drei Monate. Dudu, die eigentlich Vorarbeiterin ist, wurde nach der Kurzarbeit als einfache Reinigungskraft eingesetzt, außerdem wurde ihr Flughafenausweis zwischenzeitlich gesperrt. Theresa bekam ein neues, schwierigeres Arbeitsrevier zugeteilt.

Neben der IG BAU-Liste, in der Dudu, Theresa und elf weitere Kolleg*innen antraten, hatte sich eine weitere Liste mit zehn Kolleg*innen gebildet, in der vorwiegend Vorarbeiter*innen und Objektleiter*innen vertreten waren. Dann ging die Gerüchteküche los: Die Firma würde ihren Auftrag am Flughafen verlieren, wenn die IG BAU-Liste bei der BR-Wahl gewinnt. Wer für den BR kandidiert müsse unbedingt Deutsch "in Wort und Schrift" beherrschen. Auf der anderen Seite gelang es den Kolleg*innen von der IG BAU-Liste in dieser Zeit, viele neue Mitglieder für die Gewerkschaft zu gewinnen und sogar gekündigte zurückzuholen; der Organisationsgrad liegt inzwischen bei rund 70 Prozent.

Schließlich fand die BR-Wahl am 10. Mai 2021 statt. Die IG BAU- Liste konnte drei der fünf Sitze im Betriebsrat erringen. Alle fünf Gremiumsmitglieder sind in der IG BAU. "Inzwischen sind wir ein Team, die Zusammenarbeit läuft gut", betont Dudu. Der Betriebsrat hat auch schon viel für die Beschäftigten erreicht. Besonders wichtig: Er kann die Schichtpläne mitgestalten, für eine gerechtere Verteilung der freien Tage und Sonntagsarbeit sorgen. Die Arbeitsreviere können nicht mehr willkürlich durch die Objektleitung zugeteilt werden. Der Schichtplan wird pünktlich ausgehängt und bringt Klarheit für die Beschäftigten. Eine Betriebsvereinbarung dazu ist in Arbeit. Der Betriebsrat hat sich auch dafür eingesetzt, dass bei den jetzt wieder erfolgenden Neueinstellungen diejenigen berücksichtigt werden, deren Arbeitsverhältnis wegen Corona nicht verlängert wurde. Diese zuvor befristet Beschäftigten können sich nun sogar über einen unbefristeten Vertrag freuen. Der BR konnte mit dem Arbeitgeber aushandeln, dass zur Hälfte diese ehemaligen Beschäftigten eingestellt werden.

Außerdem hat der Betriebsrat regelmäßige Sprechstunden und kann den Kolleg*innen bei ihren individuellen Anliegen, Fragen und Problemen weiter helfen. Theresas Fazit: "Es hat sich gelohnt. Jetzt sind wir da, wo wir hinwollten, und können uns für unsere Rechte einsetzen."

Text: Cordula Binder

 

Fragen rund um die Betriebsratswahl?

  • Wenn Ihr in Eurem Unternehmen einen Betriebsrat gründen wollt, wendet Euch am besten direkt an Euren zuständigen Gewerkschaftssekretär oder an Euer IG BAU-Mitgliederbüro vor Ort.
  • Ansprechpartner für das Thema beim Bundesvorstand der IG BAU ist der Fachreferent für Mitbestimmung Klaus Ulrich: [Bitte aktivieren Sie Javascript]
  • Aktuelle Informationen zur Betriebsratswahl 2022 findet Ihr auf unserer Website.