carsten burckhardt
Carsten Burckhardt (© IG BAU, Alexander Paul Englert)
09.03.2021
Pressemitteilungen 2021

Deutschlands Baubranche trotzt der Wirtschaftskrise: Nach Einschätzung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat das Bauhauptgewerbe im vergangenen Jahr die Rekordumsätze der letzten Jahre nochmals deutlich steigern können.

"Während viele Branchen stark unter den Lockdowns leiden, laufen die Arbeiten auf den Baustellen seit Beginn der Pandemie auf Hochtouren weiter", sagt Carsten Burckhardt vom IG BAU-Bundesvorstand. Im Wohnungsbau habe es, getrieben durch die hohe Nachfrage und den Überhang Hunderttausender Baugenehmigungen, sogar zweistellige Zuwächse gegeben. An diesem Mittwoch legt das Statistische Bundesamt die Umsatzzahlen der Branche für das zurückliegende Jahr vor. Die deutsche Industrie hatte laut der Wiesbadener Behörde 2020 einen Produktionseinbruch von rund zehn Prozent verzeichnet.

"Der Bau zeigt sich weitgehend immun gegen die Krise und erweist sich als zentrale Stütze der Binnenkonjunktur. Nun muss es für die 850 000 Beschäftigten eine Anerkennung ihres Einsatzes unter erschwerten Bedingungen geben", fordert Burckhardt. In der im Mai beginnenden Tarifrunde werde sich die Gewerkschaft für ein "kräftiges Einkommensplus" einsetzen. Außerdem müssten Bauarbeiter für die langen, meist unbezahlten Fahrten zu den Baustellen eine angemessene Entschädigung erhalten. Über eine tarifliche Regelung der sogenannten Wegezeiten verhandelt die IG BAU derzeit zusammen mit den Arbeitgebern in moderierten Spitzengesprächen unter Beteiligung des Präsidenten des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel.

Eine Untersuchung des Pestel-Instituts im Auftrag der Gewerkschaft hatte ergeben, dass Bauarbeiter in Deutschland im Schnitt 64 Kilometer für die einfache Strecke zur Arbeit zurücklegen. In der repräsentativen Umfrage unter 4800 Bau-Beschäftigten gab jeder Vierte an, mehr als eine Stunde zum Einsatzort unterwegs zu sein – plus Rückfahrt. Zum Vergleich: Unter allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern betrifft das nur fünf Prozent.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sanken die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im vergangenen Jahr preisbereinigt zwar um 2,6 Prozent. "Dieses leichte Minus geht vor allem auf den Wirtschaftsbau zurück, weil Firmen in der Krise mit Investitionen etwa in neue Werkshallen vorsichtiger sind. Unterm Strich dürfte aber im fünften Jahr in Folge ein kräftiges Umsatzplus im Bauhauptgewerbe zu erwarten sein", so Burckhardt. Dafür sei vor allem der boomende Wohnungsbau verantwortlich. Das Bundesbauministerium geht aktuell von 700 000 genehmigten, aber noch nicht gebauten Wohnungen in Deutschland aus. Auch im Straßen- und Gleisbau sorgten Projekte der öffentlichen Hand für eine weiterhin stabile Auftragslage, sagt Burckhardt.

"Die Beschäftigten haben die guten Geschäftszahlen der Unternehmen im Krisenjahr überhaupt erst möglich gemacht. Jetzt erwarten sie einen fairen Anteil. Höhere Löhne und eine Entschädigung der Wegezeiten machen die Arbeit am Bau attraktiver – und sind ein wichtiger Beitrag gegen den wachsenden Fachkräftemangel in der Branche", so Burckhardt weiter.