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Verantwortungsvolle Branchenpolitik geht anders

Tarifverhandlungen Mindestlohn-Bau vertagt

baustelle kran
25.09.2019
Bauhauptgewerbe

Runde zwei in den Tarifverhandlungen über einen höheren Branchenmindestlohn für Beschäftigte am Bau. Nach mehrstündiger Verhandlung gab es kein Ergebnis.

Den Mindestlohn für Facharbeit im Westen abschaffen, den Mindestlohn für Facharbeit im Osten nicht zulassen und nur minimale Erhöhungen des Mindestlohns für Hilfsarbeiten. So stellen sich die Verbandsspitzen Bauindustrie und Bauhandwerk die zukünftige Entwicklung des Baumindestlohns vor.

Ihre mehrfach vertretene Philosophie ist, dass die Beschäftigten auf Grundlage von niedrigen Mindest-Tarifniveaus wesentliche Regelungen zu ihren Arbeitsbedingungen absichern und weitere individuell verhandeln müssen.

„Selten wurde so deutlich, dass die Arbeitgeber unser System der Sozialpartnerschaft in Frage stellen. Verantwortungsvolle Branchenpolitik geht anders“, macht IG BAU-Bundesvorstandsmitglied Carsten Burckhardt deutlich. Dietmar Schäfers ergänzt: „Die Arbeitgeberstrategie wird zu einer Verschärfung des Wettbewerbs am Bau führen. Die Strategie der Arbeitgeber führt dazu, dass die hier in der BRD eingesetzten Arbeitnehmer aus Osteuropa als Billigalternative eingesetzt werden. Wir lassen es aber nicht zu, dass Arbeitnehmer in Europa gegeneinander ausgespielt werden. Der Branchenmindestlohn sichert den Wettbewerb und schützt vor Dumping gegen Billigkonkurrenz.  Alles, was wir bisher gemeinsam für die Branche erreicht haben, wird nun in Frage gestellt.“

Und das obwohl der Bau-Boom ungebremst weiter geht und die Branche neue Umsatzrekorde feiert. Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Umsätze im ersten Halbjahr 2019 um 8,3 Prozent gestiegen. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) hob seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr sogar auf ein Plus von 8,7 Prozent an. Die Rendite soll demnach um drei Prozent steigen.

„Es ist überfällig, dass Bauarbeiter ein größeres Stück vom Kuchen abbekommen. Nicht nur beim Tariflohn, sondern auch bei den speziellen Mindestlöhnen für die Branche muss es jetzt ein kräftiges Plus geben“, betont Burckhardt. Ein Mindestlohn 2 in Ostdeutschland, sowie generell höhere Mindestlöhne auf dem Bau sind Grundlage für einen fairen Wettbewerb. Absolut unverständlich, was den ZDB und HDB veranlasst das Fundament für faire Bedingungen am Bau zu zerstören. Mit dem Weg machen sie den Bau unattraktiv.“

Aktuell liegt der Bau-Mindestlohn bei 12,20 Euro pro Stunde für Hilfstätigkeiten in Ost- und Westdeutschland und bei 15,20 Euro für Facharbeiten in Westdeutschland.

Die Verhandlungen werden am 25. Oktober fortgesetzt.

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