DGB Bundesfrauenkonferenz 2021
(Foto: DGB) Gruppenfoto der IG BAU Delegation
08.12.2021
Frauen

Unter diesem Motto trafen sich 142 Frauen aus den DGB Gewerkschaften vom 18. bis 20. November in Berlin zur 21. DGB-Bundesfrauenkonferenz. Die Veranstaltung fand unter strengen Corona-Hygienemaßnahmen und 2G-Plus statt.

Mit acht Delegierten, der Bundesfrauensekretärin und dem Bundesfrauenvorstandsmitglied Ulrike Laux waren die IG BAU Frauen vor Ort dabei und diskutierten zu dem Motto "Wandel ist weiblich" über Lösungen der Transformation zu mehr Gleichstellung. In der Politrunde mit Abgeordneten Frauen des Bundestages sprachen sich die Frauen dazu aus, wie der Wandel zu mehr Gleichberechtigung genutzt werden kann.

Über den Wert, die Würde und den Wandel der Arbeit sprach der geschäftsführende Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, zu den Delegierten: Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit nannte er als Ziel der neuen Arbeitswelt im Wandel. Um sie als Chance für mehr Gleichberechtigung zu nutzen, müssen die notwendigen Rahmenbedingungen politisch gesetzt werden, damit Arbeitgeber ordentliche Löhne zahlen, Tarifverträge abschließen, mobile Arbeit und gute Qualifizierung ermöglichen.

"Das Ziel ist klar: Arbeit muss zum Leben passen, nicht umgekehrt. Die Corona-Pandemie hat dringenden Handlungsbedarf aufgedeckt. So zum Beispiel bei den Minijobs und im Niedriglohnsektor. Hier arbeiten überwiegend Frauen, sie profitieren seltener von bestehenden Tarifverträgen. Außerdem werden Frauen nach wie vor schlechter bezahlt als Männer. Entgeltlücken sind ungerecht, unwürdig und auch ökonomisch nicht vernünftig. Und Frauen bekommen seltener die Möglichkeit, an einer betrieblichen Weiterbildung teilzunehmen. Dabei ist gerade eine gelungene Weiterbildung eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende und beschäftigungssichernde Transformation. Frauen dürfen in der Arbeitswelt nicht mehr benachteiligt werden! Es geht nicht nur um Fairness und Anstand, sondern auch um die Glaubwürdigkeit unserer Sozialen Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert." so Heil.

Elke Hannack, Stellvertretende Bundesvorsitzende des DGB sagte, dass technologische, ökonomische und ökologische Veränderungen die Transformation zur Digitalisierung der Arbeitswelt vorantreiben und dies durch die Corona-Pandemie beschleunigt wird. "Sie verstärkt aber auch weltweit die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten und eine stereotype Rollenverteilung nach alten Mustern bei der unbezahlten Sorgearbeit zu Hause. Homeschooling, Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen, weil Schulen, Kindergärten oder Pflegeeinrichtungen coronabedingt geschlossen waren – diese Aufgaben haben hauptsächlich Frauen übernommen. Sie tragen noch immer die Hauptlast der unbezahlten Sorgearbeit – mit langfristigen Folgen für ihre eigenständige Existenzsicherung. Deshalb brauchen wir bessere Möglichkeiten, Arbeit und Privatleben unter einen Hut zu kriegen – und zwar für alle Geschlechter, damit es endlich zu einer gleichmäßen Verteilung der Arbeit im Beruf und zu Hause kommt. Und wir brauchen auch eine höhere Tarifbindung, gerade für die Berufe und Branchen, in denen hauptsächlich Frauen arbeiten. Denn nur mit guter Bezahlung gibt es am Lebensabend auch eine Rente die zum Leben reicht. Deshalb ist es wichtig, dass es der Gesetzgeber erleichtert, Tarifverträge allgemeinverbindlich für ganze Branchen zu erklären. Die neue Bundesregierung muss endlich eine konsequente Gleichstellungspolitik verfolgen, damit sich alle Ressorts dem Thema verpflichtet fühlen."

Ulrike Laux, Mitglied im Bundesvorstand der IG BAU, sprach in der Podiumsdiskussion der Frauen aus den Vorständen der Gewerkschaften IG BCE, IG Metall, IG BAU, NGG und ver.di: "Es darf im Wandel nicht zuerst um die Interessen der Wirtschaft gehen sondern darum, wie wir alle in Zukunft Leben und Arbeiten wollen. Die Arbeitszeit stärker an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen - dazu gehört die Forderung nach mehr Zeitsouveränität und Arbeitszeitverkürzung. Die IG BAU Frauen fordern schon lange eine 30-Stundenwoche als Regelarbeitszeit. Sie würde zu besserer Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit führen, mehr Raum schaffen für Engagement in der Sorgearbeit und Ehrenamt, für Freiräume und Kreativität. Wichtig ist auch eine Sozialversicherungspflicht für alle Arbeitsverhältnisse, auch Minijobs und die Abschaffung des Ehegattensplittings. Beides führt zu erheblichen Nachteilen für Frauen. Die Tarifbindung muss gestärkt werden – mit Tarifverträgen sind die Einkommen höher und die Rahmenbedingungen besser". Ulrike Laux hob auch Wichtigkeit der Bildungsarbeit hervor. Sie berichtete, dass sie in der Frauenarbeit ein maßgeblicher Faktor des immer stärker werdenden Frauenanteils in der IG BAU darstellt. Das im Sommer gestartete neue Qualifizierungsprogramm der Frauen „Leitung von Gruppenprozessen - Prozessmanagement" bereitet die Frauen gut auf ihre künftige Gremienarbeit vor und bildet sie zeitgleich als Teamerinnen aus. Während der Tarifrunde im Gebäudereinigerhandwerk erhielten die Kolleg*innen bundesweit Trainings, die sie fit für Pressestatements auch vor der Kamera machten.

"Das hat viele Kolleg*innen bestärkt und ihnen Mut gemacht. Es hat ihnen gezeigt, dass sie auch nach vorne treten können und ihre Meinung äußern. Immer mehr Frauen in der IG BAU sind bereit, für den Betriebsrat zu kandidieren oder ehrenamtliche Führungsaufgaben in den Gremien der IG BAU zu übernehmen". Sie fügte hinzu: "Eine Maßnahme für mehr Sicherheit und Unabhängigkeit könnte eine finanzielle Grundsicherung in Form eines bedingungslosen Solidareinkommens sein, als Teil einer Lösung zu mehr Gleichberechtigung und um der finanziellen Ungleichheit in der Gesellschaft entgegenzuwirken".

Der Bundesfrauenauschuss des DGB brachte einen umfassenden Leitantrag auf den Weg, der einstimmig beschlossen wurde. Das übergeordnete Ziel dieses Antrages ist die faire Verteilung von Zeit, Geld und Macht. Die Frauen der DGB Gewerkschaften werden gemeinsam in allen gewerkschaftlichen Handlungsfeldern die Geschlechterperspektive aufzeigen und den Prozess der Veränderung unbeirrt für die Verwirklichung der tatsächlichen Gleichstellung nutzen.

Renate Wapenhensch

DGB Bundesfrauenkonferenz
(Foto: DGB) Podiumsdiskussion der Frauen aus den Vorständen von NGG, IG BAU, IG Metall und IG BCE. Die Kollegin von ver.di war digital zugeschaltet.