Senioren


11. Deutscher Seniorentag

Gesetzliche Rentenversicherung stärken statt schwächen


© IG BAU (Klaus Gabor)
07.08.2015
Knapp ein Drittel der Bezieher einer Altersrente arbeitet, weil ihnen sonst die Altersarmut droht. Das ist die Kernaussage einer Umfrage der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), die arbeitende Rentner nach den Gründen für ihre Erwerbstätigkeit gefragt hat.

Sie wurde bei einer Podiumsdiskussion auf dem 11. Deutschen Seniorentag in Frankfurt am Main vorgestellt.

Unter dem Motto „Arbeiten im Alter – eine Chance oder eine Last?“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Gewerkschaft, Wissenschaft und Politik die Frage, warum Ältere statt den Ruhestand zu genießen noch Geld zur Rente hinzu verdienen.

Martin Mathes, Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik beim IG BAU-Bundesvorstand, der die Moderation übernahm, sagte zu Beginn: „Politik und Medien sehen arbeitende Menschen im Rentenalter als Senioren, die heute länger aktiv sein wollen und deren Kenntnisse gefragt sind. Dieses Bild wird aber durch eine Umfrage unter Mitgliedern unserer Gewerkschaft im Rentenalter relativiert.“

Rente reicht oft nicht aus

Die IG BAU warnt in diesem Zusammenhang vor Schönfärberei der Situation von erwerbstätigen Rentnern. „Die Feststellung, dass immer mehr Menschen trotz Rente arbeiten, beweist nicht, dass es den Betroffenen damit gut geht“, sagte IG BAU-Bundes-vorstandsmitglied Ulrike Laux. Sie kennt die Arbeitsverhältnisse vor Ort genau. Von Rentnern, die aus lauter Spaß arbeiten, wie manche Medien es uns weiß machen wollen, ist da nicht viel zu spüren. „In unseren Branchen muss jeder Dritte arbeiten, weil er sonst von Altersarmut bedroht ist. Wegen des großen Niedriglohnbereichs in Deutschland und zunehmend unsteten Erwerbsbiografien wird der Anteil der Senioren, die wegen materieller Not arbeiten müssen, weiter steigen“, so Laux.

© IG BAu (Klaus Gabor)

Die Podiumsdiskussion beginnt

Die Armut wächst

Das Schlimme daran ist, dass diese Entwicklung durch private Vorsorge nicht zu stoppen ist. Untermauert wird dies durch eine Untersuchung der Universität Duisburg-Essen, die Jutta Schmitz, Mitarbeiterin Sozialpolitik im Institut Arbeit und Qualifikation, vorstellte. Gefördert wurde das Forschungsprojekt von der Hans-Böckler-Stiftung.

„Im Jahr 2011 gab es in Deutschland etwa 763.000 Erwerbstätige ab 65 Jahren (2013 bereits deutlich über 800.000). Ihr Anteil ist seit 1991, nahezu stetig gewachsen. Seit dem Jahr 2001 stieg ihre Anzahl um knapp einhundert Prozent. Kennzeichnend für die Rentnerarbeit ist, dass das Qualifikationsniveau der Erwerbstätigen überdurchschnittlich hoch ist. Im Gegensatz dazu stehen zumeist Aufgabengebiete mit einfachen Tätigkeiten. „Die Arbeit neben der Rente kann kein Standbein für die Alterssicherung sein“, so die eindeutige Aussage von Schmitz.

Wert der Arbeit stärken

„Wenn man seinen wohlverdienten Ruhestand erreicht hat, dann erwartet jeder zu Recht, dass die Rente ausreicht um ordentlich leben zu können. Das ist heute in vielen Bereichen nicht mehr so“, schätzt Andreas Steppuhn ein. Er ist Mitglied des Landtages in Sachsen-Anhalt und Sprecher der SPD für Arbeitsmarktpolitik. Man muß aufpassen, dass die Rentner nicht die Billiglohnreserve der Nation sind.

Elke Garbe, Vorsitzende des IG-BAU-Bundesseniorenvorstandes, warnte davor, die Arbeit neben der Rente als Beweis einer allgemein gestiegenen Fitness der heutigen Senioren zu sehen. „Denn von den Erwerbstätigen mit einer Altersrente arbeitet nur jeder zweite (52 Prozent) in seinem bisherigen Bereich. Zudem ist die Arbeit überwiegend (88 Prozent) in Teilzeit, die wiederum in der Regel in Form von Minijobs ausgeübt wird“, so Garbe.

Die Umfrage zeigt auch, dass insgesamt 40 Prozent der Rentner noch berufstätig sind, weil sie sonst ihren Lebensstandard nicht halten können. Hier war eine Mehrfach-nennung möglich. „Steuert die Politik hier nicht dagegen, wird ihre Zahl weiter drastisch steigen. Sowohl der Wert der Arbeit als auch die Lebensleistung müssen sich in der Rente stärker widerspiegeln“, erklärte Garbe.

In der Rentenpolitik umsteuern

Um im Alter den Lebensunterhalt zu bestreiten, sind immer mehr Senioren auf die Grundsicherung angewiesen. Zum Jahresende 2014 bezogen laut Statistischem Bundesamt knapp 500.000 Personen eine staatliche Unterstützung. Die Bundesregierung wurde aufgefordert in der Rentenpolitik umzusteuern und die gesetzliche Rentenversicherung deutlich zu stärken. Ansonsten müssen Ältere mit Niedrigrenten bald arbeiten bis sie nicht mehr können und die Lebensphase Ruhestand verkommt zu einem Luxus für wenige. Die IG BAU wird an diesem wichtigen Thema dranbleiben und den Finger solange in die Wunde legen, bis die Politik positive Veränderungen herbeigeführt hat. Arme Rentner, die bis zum Umfallen schuften müssen, sind für das reiche Deutschland eine Schande.

Erfolgreiche Arbeit gewürdigt

Bei einer Feierstunde anlässlich des 15. Jahrestages des Bundesseniorenvorstandes bedankte sich Ulrike Laux bei aktiven Senioren für die erfolgreich geleistete gewerkschaftspolitische Arbeit im Bund und in den Regionen, sowie bei den Kolleginnen und Kollegen, die die Seniorenarbeit über viele Jahre unterstützt haben.

Erich Schmitt, der die Region Hessen im Bundesseniorenvorstand vertreten hat, wurde herzlich verabschiedet. Der stellvertretende Regionalleiter, Klaus-Dieter Körner, würdigte seine Arbeit als Motor im Bezirksverband bei der Einhaltung von Tarifverträgen, bei Rückholaktionen u. a. m. „Erich machte nicht nur Vorschläge, sondern war stets bei deren Umsetzung an vorderster Stelle dabei“, so Körner. Gedankt wurde auch seiner Frau Edith.

Die wichtigsten Stationen der Arbeit des Bundesseniorenvorstandes der IG BAU seit der Gründung im Januar 2000 zeigte die ehrenamtliche Beauftragte des Bundesvorstandes für die Seniorenarbeit, Eva-Maria Pfeil, auf. Darüber konnte man sich übrigens auch am Gemeinschaftsstand des DGB auf der Messe SenNova informieren. Horst Pfab zählt zu den Gründungsvätern der organisierten bundesweiten Seniorenarbeit der IG BAU. Seine Arbeit, wie die vieler anderer aus den ersten Tagen bis zur Gegenwart, wurde gewürdigt.

Die IG BAU-Senioren haben in den letzten 15 Jahren viel erreicht. „Wir stehen vor neuen Herausforderungen. Deshalb werden wir uns weiter für eine starke IG BAU einsetzen und daran arbeiten, dass die Interessen der Senioren in der Politik die entsprechende Beachtung finden“, das versprach Elke Garbe, Vorsitzende des Bundesseniorenvorstandes.

© IG BAU (Klaus Gabor)

Verabschiedung von Erich Schmitt
(von links: Ulrike Laux, Erich Schmitt, Elke Garbe)

Ein Beitrag unseres Kollegen Klaus Gabor