Senioren


14. Seniorenwochenende in St. Andreasberg


© Manfred Biederbick
14.11.2016
Es ist inzwischen zur Tradition geworden, dass sich die Senioren Niedersachsens am letzten Wochenende im Oktober im Berghotel St. Andreasberg treffen. In diesem Jahr waren es 96 Senioren, die der Einladung von Leopold Pilz folgten. Wie schon in den Jahren zuvor ließ der Gedankenaustausch zwischen alten Bekannten und Mitstreitern nicht lange auf sich warten und hielt bis zur Abreise an.

Eine geführte Herbstwanderung und ein musikalisch gut begleiteter Tanzabend standen neben dem politischen Frühschoppen auf dem Programm.

Guter Lohn - gute Rente
Eckhard Stoermer, IG BAU-Regionalleiter Niedersachsen, informierte über anstehende Wahlen, Tarifverhandlungen und Vorhaben der IG BAU für das Jahr 2017. Der Kampf um unbefristete und sichere Arbeitsplätze mit verlässlichem Einkommen, das für ein gutes Leben reicht und auch gute Leistungen gerecht anerkennt, wird fortgesetzt. Der DGB startet die Kampagne „Rente muss zum guten Leben reichen“.

Das ist dringend erforderlich, weil die Bundesregierung mit der von ihr geplanten Flexi-Rente das Alter für den Bezug weiter nach oben schieben will. Da wird schon einmal die Arbeit bis 70 Jahre ins Spiel gebracht. Das ist abenteuerlich und fernab von jeglicher Realität. Körperlich schwer Arbeitende scheiden bekanntlich zwischen dem 58. und 61. Lebensjahr aus dem Berufsleben aus, weil ihr Körper verschlissen ist. Der Mindestlohn von 8,50 € verhindert keine Altersarmut. Arbeitet man 45 Jahre ununterbrochen zu diesem Niedriglohn, liegt die Höhe der Rente 50 € unter dem Bezug der Sozialhilfe.

Betrieben, die Arbeitnehmer der alten und neuen Bundesländer gegeneinander ausspielen wollen, gilt es, das Handwerk zu legen. Es gilt der Lohn der Baustelle. Das muss durchgesetzt werden. Stoermer informierte auch darüber, wie erfinderisch die Arbeitgeber sind, wenn es darum geht, den Lohn zu drücken. Da wird nicht richtig eingruppiert, die Leistung verdichtet oder am liebsten nur zwei statt drei Jahre ausgebildet, um den Aufstieg und damit den Lohn zu deckeln. Gleichzeitig wird über Fachkräftemangel geklagt. Das ist mehr als zynisch. Diesem Treiben wird die IG BAU nicht tatenlos zusehen. Man kann den Frust und die Wut der Betroffenen über die verfehlte Politik der Regierenden verstehen, aber deshalb AfD zu wählen ist auch keine Lösung.

Erfolge gemeinsam erringen 
Karl-Heinz Ehrenberg, Vorsitzender des IG BAU-Bezirksverbands Braunschweig-Goslar, bezeichnete es als nicht hinnehmbar, wie in einigen Betrieben mit den Arbeitnehmern umgegangen wird. Für junge Menschen wird es zunehmend schwieriger, eine Familie zu gründen. Es mangelt an bezahlbarem Wohnraum, befristete Arbeitsverträge sowie Niedriglöhne sind weit verbreitet. Für den Unterhalt einer Familie fehlt schlicht und ergreifend das nötige Geld.
Dabei sollten es unsere Kinder einmal besser haben als wir. Ehrenberg verwahrte sich gegen die Kritik der Bundesregierung an der DGB Kampagne. Nicht die Gewerkschaften mit ihren nachvollziehbaren Forderungen sind die Wegbereiter für die AfD, sondern die Regierenden selbst. Würden sie den Berg längst überfälliger Probleme endlich anpacken und lösen, hätte sich nicht so viel Unmut aufgestaut. Die alte Wahrheit hat an Aktualität nichts eingebüßt: Uns wird nichts geschenkt. Nur wenn wir stark sind, können wir etwas bewegen.

Rat und Hilfe
Leopold Pilz, Bezirksseniorenvorsitzender und Vertreter der Region im Bundesseniorenvorstand der IG BAU, machte deutlich, dass es sich lohnt, nicht alles hinzunehmen und sich zu wehren. Der aktive Senior ist im Büro des IG BAU-Bezirksverbandes Braunschweig-Goslar Ansprechpartner für ratsuchende IG BAU-Mitglieder. Er kennt sich aus und konnte schon bei vielen Problemen weiterhelfen. Sein Fazit: Es lohnt sich heute mehr denn je, einer starken Gemeinschaft anzugehören.

Flexi-Rente
Helmut Piper, Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund, informierte über die sogenannte Flexi-Rente. Sie soll 2017 in Kraft treten. Der Gesetzentwurf enthält Änderungen zum Hinzuverdienst und soll Anreize schaffen, zumindest in Teilzeit länger zu arbeiten. Vor Erreichung der Regelaltersgrenze dürfen mit der Flexi-Rente 6300 Euro im Jahr anrechnungsfrei hinzuverdient werden. Ist der Verdienst höher, wird der Betrag, der über 6300 Euro hinausgeht, zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet.

Der Gesetzentwurf wird kritisch gesehen, weil er unzureichend Anreize für Teilrente und Teilzeit schafft. Außerdem werden Kranke und Geringqualifizierte zu wenig unterstützt. Mit Bekämpfung der Altersarmut hat das wenig zu tun. Man hat eher den Eindruck, dass vor der Wahl noch schnell ein paar Geschenke verteilt werden, die einzig und allein dem Machterhalt dienen sollen.

Das 15. Seniorenwochenende im Jahr 2017 ist bereits im Berghotel St. Andreasberg gebucht und wird mit Sicherheit genauso viel Zuspruch finden wie die vorausgegangenen Treffen.

Ein Beitrag unseres Kollegen Klaus Gabor.

Präsidium ( v. re. Stoermer, Ehrenberg, Pilz) © Manfred Biederbick

Politischer Frühschoppen

Teilnehmer am politischen Frühschoppen © Manfred Biederbick