Baustoffindustrie


240 Monatsstunden, Hungerlöhne:Der „19-Zloty-Beton made in OWL“

IG BAU beklagt „Wild-West-Methoden“ in Mindener Betonwerk


© IG BAU (Gianpolo Mosca)
02.08.2013
Mitten in Minden: ein Stundenlohn von 19 Zloty, umgerechnet 4,48 Euro. Dafür schuften rund zwanzig polnische Arbeitnehmer in Ostwestfalen-Lippe. Genauer gesagt: im Mindener Betonwerk der BKM Bau-Beteiligungsgesellschaft. Es sind Beschäftigte der Warschauer Firma Budimex, die Betonfertigteile für Industriebauten herstellen. „Beton made in OWL – und das zum Hungerlohn für polnische Arbeiter. Das ist eine Schande“, findet die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Doch als die IG BAU sich das Betonwerk genauer ansah und um die Beschäftigten dort kümmerte, entpuppte sich das Ganze mehr und mehr als Skandal: „Wir sind auf monatliche Arbeitszeiten von durchschnittlich 240 Stunden gestoßen. Das sind über 70 Stunden mehr als üblich. Eine Abrechnung, auf der die Überstunden festgehalten sind, gibt es für die Beschäftigten nicht. Es wird sonntags genauso gearbeitet wie an Feiertagen.

Das einzige, was die Arbeitnehmer dort regelmäßig bekommen, ist Termindruck“, sagt Gianpaolo Mosca von der IG BAU Ostwestfalen-Lippe. Die Unterbringung sei hanebüchen: Vier Männer müssten sich ein Zimmer teilen. „Und ein Gesetz ist wie in Beton gemeißelt: Wer muckt, fliegt raus“, so der Gewerkschaftssekretär. Als ein polnischer Beschäftigter nach der Bezahlung seiner Überstunden gefragt habe, habe er die Kündigung in die Hand gedrückt bekommen. „Ohne Angabe von Gründen, versteht sich“, so Gianpaolo Mosca. Die IG BAU spricht von einem „System der Ausbeutung und Verunsicherung“ – von „Wild-West-Methoden in OWL".