Senioren


Arbeiten im Rentenalter nimmt zu


© Robert Schneider
30.06.2015
„Gibt es ein Armutsrisiko für Menschen, die aus dem Berufsleben ausscheiden?“ Dieser Frage gingen Seniorinnen und Senioren der IG Bauen-Agrar-Umwelt nach. Ein Seminar zum Thema „Altersarmut und Ausgrenzung in Deutschland“ im Arbeitnehmerzentrum Königswinter nahmen Senioren aus Bezirksseniorenvorständen und dem Bundesseniorenvorstand gemeinsam mit weiteren Teilnehmern in unterschiedlichen ehrenamtlichen Funktionen zum Anlass, um sich zu informieren, wiees zur Altersarmut in Deutschland kommt, wie es mit der Altersarmut in Europa aussieht und was zu tun ist.

Die Statistik zeigt, dass in keiner anderen Altersgruppe die Zuwachsrate der Erwerbstätigen in der Zeit von 2001 bis 2011 so gestiegen ist wie bei den über 65-Jährigen. Eine weitere Steigerung ist erkennbar.

Da gibt es natürlich die gut Ausgebildeten, die in ihren hoch qualifizierten Tätigkeiten gefragt sind und die deshalb weit über das 65. Lebensjahr hinaus noch berufstätig sind, weil sie es wollen. Aber es gibt vor allem zunehmend Menschen, die in einfachen Jobs, in Teilzeit oder auf 450 Euro-Basis gearbeitet haben und deren Rente sie in die Altersarmut führt.

Sie sind es vor allem, die dazuverdienen müssen, ungeachtet gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Zahlreiche Beispiele konnten die Teilnehmer aus ihren Ehrenamtskontakten und aus ihrem Wohnumfeld berichten. Klaus-Dieter Löhnert und Heinz-Peter Mohn, zwei Kollegen aus dem Bundesseniorenvorstand, erleben in ihren Funktionen als Versichertenälteste zu oft, dass Menschen um Rat fragen, weil sie nicht verstehen, warum der Rentenbescheid so gering ausfällt. In den meisten Fällen stimmen jedoch die Berechnungen, denn lange Arbeitslosigkeit und Minijobs wirken sich negativ auf das Rentenkonto aus.

Immer größer wird die Zahl der Menschen, bei denen die Altersarmut soziale und psychologische Folgen hat. Die sich einfach dafür schämen, dass sie nicht wie Nachbarn und Freunde am gesellschaftlichen und kulturellen Leben in ihrem Umfeld teilnehmen können, weil sie es sich nicht leisten können.

Alle diese Informationen machten die Seminarteilnehmer betroffen, auch wenn die anwesenden Rentner persönlich nicht zu denen gehören, deren Rente nicht zum Leben reicht. Was aber zu tun ist, wer die Verantwortung trägt, und wie die Rente in der Zukunft aussehen muss, diese Fragen blieben am Ende unbeantwortet. Eine einfache Lösung gibt es dafür auch nicht.

Doch in einem Punkt waren sich alle Seminarteilnehmer einig: Für die Rente muss im Berufsleben gesorgt werden. Nur mit guter Entlohnung für gute Leistung können ein ausreichendes Einkommen und eine ausreichende Rente gewährleistet werden. Der neue Mindestlohn für alle Beschäftigten in Deutschland ist dafür nicht die Lösung.

Ein Beitrag von Elke Garbe, bundesseniorenvorsitzende, in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Ausgabe 07-08/2015.