E-Klasse / Wir sind die IG BAU


Die roten High Heels mit im Gepäck nach Berlin


© privat
11.05.2014
Was macht ein „Münchner Madl“ im „preußischen Berlin“? Ganz einfach: Conny Stempfhuber ist Delegierte für den DGB-Bundeskongress vom 11. bis 16. Mai und gemeinsam mit anderen IG BAU- Kolleginnen und -Kollegen Sprachrohr ihrer Gewerkschaft.

Schaun mer mal, was mich in der Bundeshauptstadt erwartet. Ich bin zum ersten Mal bei einer solch großen Gewerkschaftskonferenz mit dabei“, sagt Conny, der die Vorfreude schon ins Gesicht geschrieben steht. Sie ist stolz auf das Vertrauen ihrer bayerischen Kolleginnen und Kollegen.

Die Gewerkschafterin wirkt anfangs etwas zurückhaltend. Doch der Eindruck täuscht. Sie weiß, was sie will und schlüpft bei passender Gelegenheit selbstbewusst in ihr rotes IG BAU-T-Shirt. Conny macht mit in der gewerkschaftlichen Begleitgruppe, deren Startschuss Mitte Februar mit einer Auftaktveranstaltung fiel.

Unter dem Motto „Zukunft gestalten: aktiv – stolz – selbstbewusst“ kamen 100 IG BAU-Mitglieder nach Frankfurt am Main ins Haus der Baugewerkschaft. „Das war eine super Veranstaltung, die uns Ehrenamtlichen die Möglichkeit eröffnete, sich noch mehr an der Gewerkschaftsarbeit zu beteiligen.“

Conny ist begeistert und hat ein klares Ziel vor Augen: eine Bundesfachgruppe für Facility Management. Denn die Projektkauffrau arbeitet in dieser Branche und möchte ihre Erfahrungen gerne mit anderen IG BAU-Mitgliedern teilen.

Mit dem Betriebsrat machte Conny erstmals 1993 eine positive Erfahrung. Siemens wurde umstrukturiert, und die Hälfte des Personals stand auf der „Abschussliste“ – auch Conny. In ihrer Not schaltete sie den Betriebsrat ein. Mit Erfolg – sie behielt ihren Arbeitsplatz. Das imponierte ihr so sehr, dass sie 2010 selbst kandidierte und gewählt wurde. „Ein Betriebsrat kann mitbestimmen und was bewirken. Wie bei uns, als die Facility-Sparte von Siemens an HOCHTIEF und später an SPIE verkauft wurde. Ohne Betriebsrat hätten wir manchmal ganz schön alt ausgesehen.“

Etwas melancholisch blickt Conny drein, wenn sie von früher erzählt. Geprägt habe sie ihre alleinerziehende Mutter, die immer berufstätig war. „Sie schickte mich – schon wegen des Horts – auf die katholische Maria-Ward-Klosterschule nach Nymphenburg. Dort war ich gut aufgehoben, machte erfolgreich mein Abitur und habe trotz aller Strenge sehr viel fürs Leben gelernt. Vor allem Disziplin.

“
Disziplin und Hartnäckigkeit waren Connys Wegbegleiter. Während ihrer Studentenzeit der Kommunikationswissenschaften, Politik und Französisch kamen ihre beiden Kinder Markus und Bettina zur Welt. Kein Grund für die junge Mutter, hinzuschmeißen. Im Gegenteil: Sie schließt sogar ihr Französisch-„Diplome Supérieur“ mit Auszeichnung ab und hat nebenher noch einen Halbtagsjob.

Conny liebt ihre kleine Familie über alles und ist mit ihrem Leben zufrieden. Nur einmal gerät sie ins Wanken, als ihr wegen des hervorragenden Studienabschlusses in Französisch ein Job bei der Europäischen Union in Straßburg angeboten wird. „Nein. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, meine Familie allein in München zurückzulassen“, erinnert sie sich und meint: „Ein Mann hätte sicher Ja gesagt.“

Auch ein Grund, weshalb die Gewerkschafterin bei den IG BAU-Frauen aktiv mitmacht und sich für Chancengleichheit in Beruf und Privatleben einsetzt. Getreu dem Motto: „Den Fuß in der Tür“. Ist doch klar – ihre roten High Heels hat die bayerische IG BAU-Frau mit im Koffer nach Berlin.

Ein Beitrag unserer Kollegin Gerlinde Dickert (erschienen in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift „Der Grundstein/Der Säemann“, Mai 2014)

Mitglied werden