Landwirtschaft


Erntehelfer: Kollegen wie Du und ich

So nicht: auch beim Arbeits- und Gesundheitsschutz muss es für Erntehelfer besser werden
So nicht: auch beim Arbeits- und Gesundheitsschutz muss es für Erntehelfer besser werden © Rainer Sturm / www.pixelio.de
07.05.2013
Vom Spargelstechen über Obsternte bis zur Weinlese – ohne die Hilfe meist osteuropäischer Arbeiter wäre die Landwirtschaft und der Gartenbau in Deutschland vor allem während der Erntezeit aufgeschmissen. Deswegen wurde es Zeit, dass sie endlich geregelte Arbeitsbedingungen bekommen.

Durchschnittlich vier Millionen Beschäftigte gibt es in Europa, die als Erntehelfer ihren Unterhalt verdienen. Kommt der Frühling beziehungsweise der Sommer werden ihre Dienste auch in Deutschland benötigt – rund 300 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind es in den vergangenen Jahren gewesen. Überwiegend Polen, aber mit Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren in der Landwirtschaft seit Anfang dieses Jahres vermehrt auch Frauen und Männer aus diesen Ländern.

„Für einen großen landwirtschaftlichen Betrieb werden für Arbeiten auf einem Gurkenflieger Erntehelfer gesucht. 40 Stunden pro Woche flexibel witterungsabhängig im Zeitraum von 6 bis 20 Uhr, Arbeitszeit täglich von Montag bis Sonntag, befristet für drei Monate, Stundenlohn nach Absprache“, so oder ähnlich lauten die einschlägigen Anzeigen im Internet. Und das sind noch die seriösen – zu finden auf der Jobbörse der Agentur für Arbeit.
Der Arbeitseinsatz auf Gemüsefeldern, in Obstplantagen oder Weinbergen ist kein Zuckerschlecken. Akkordarbeit und lange Arbeitstage, Arbeiten bei Wind und Wetter im Freien, starke körperliche Belastung, Termindruck, Arbeit an wechselnden Orten – und das bei geringer Bezahlung und gesellschaftlicher Anerkennung, die es erschwert, einheimische Arbeitskräfte anzuwerben.

Doch die Zeiten dieser Dumpinglöhne sind nun vorbei. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat bei den jüngsten Tarifverhandlungen gegenüber dem Gesamtverband der Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände – wie auch gegenüber den Arbeitgebern im Gartenbau - vernünftige Regelungen für diese Arbeitskräfte eingefordert. Offiziell galt bis zu diesem Zeitpunkt in den alten Bundesländern eine Lohnhöhe von 6,40 Euro beziehungsweise 6,70 Euro die Stunde und in den neuen Ländern einheitlich 6,10 Euro.

„Als IG Bauen-Agrar-Umwelt vertraten und vertreten wir den Standpunkt, dass nach Aufhebung der Begrenzung der Arbeitnehmerfreizügigkeit das Teilzeit- und Befristungsgesetz für alle Arbeitnehmer gilt“, so das zuständige IG BAU-Bundesvorstandsmitglied Harald Schaum. „Saisonarbeiter sind Arbeitskräfte wie alle anderen. Es gibt keinen Grund mehr, für sie einen gesonderten Tarifvertrag abzuschließen“, betont Schaum.

Die entsprechenden Verhandlungen mit den jeweiligen Arbeitgeberverbänden zogen sich hin, waren aber schließlich von Erfolg gekrönt: Saisonarbeitskräfte wurden bundesweit in die regulären Tarifverträge eingeordnet und ein Stufenplan erstellt. So gilt für Arbeitnehmer für Tätigkeiten, die weder eine Anlernzeit noch eine Berufsausbildung erfordern und die bis zu sechs Monaten tätig sind ab 1. Dezember 2017 in West und Ost eine einheitliche Lohnuntergrenze in Höhe von 8,50 Euro die Stunde. Sind sie länger als drei Monate in Deutschland tätig, haben sie Anspruch auf alle Regelungen der jeweiligen Rahmentarifverträge, die in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich sind.

Für den Zeitraum bis zum Inkrafttreten der tariflichen Regelungen gilt, dass ausländische Arbeitnehmer nicht schlechter als ihre deutschen Kollegen behandelt werden dürfen – das gilt sowohl für Bezahlung wie für Arbeitsbedingungen.

Sollten diese nicht in Ordnung sein, gibt in zahlreichen deutschen Städten Beratungsstellen, die Erntehelfern bei Problemen mit Arbeitgebern beratend und helfend zur Seite stehen. Infos dazu unter www.faire-mobilitaet.de.

Arbeitnehmer für Tätigkeiten, die weder eine Anlernzeit noch eine Berufsausbildung erfordern und bis zu sechs Monaten tätig sind, erhalten in der Landwirtschaft folgende Stundenlöhne:

Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Ab 1.Juli 20147,10 Euro/Stunde
ab 1. Juli 20157,50 Euro/Stunde
ab 1. Juli 20167,85 Euro/Stunde
ab 1. Juli 20178,20 Euro/Stunde
ab 1. Dezember 20178,50 Euro/Stunde.

Alle übrigen Bundesländer, einschließlich tarifvertraglich bisher geregelt für den den Gartenbau in Nordrhein-Westfalen und Bayern

Ab 1. Juli 20137,00 Euro/Stunde
ab 1.Juli 20147,30 Euro/Stunde
ab 1. Juli 20157,60 Euro/Stunde
ab 1. Juli 20167,90 Euro/Stunde
ab 1. Juli 20178,20 Euro/Stunde
ab 1. Dezember 20178,50 Euro/Stunde.

Ein Beitrag unserer Kollegin Christiane Nölle in der IG BAu.Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Ausgabe 05/2013.