IG BAU - die tun was! (2007)


Erst prüfen – dann unterschreiben

Vorsicht bei Einzelvereinbarungen zur Jahresarbeitszeit im GaLaBau


14.03.2008
Der 1. April 2007 ist für die Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Erstmals ist es möglich, eine Jahresarbeitszeit (JAZ) zu vereinbaren und Arbeitszeit-Stundenkonten zu führen. Wie das geht, ist im Betrieb zu regeln. Dafür gelten genau festgelegte Voraussetzungen. Eine davon ist eine schriftliche Einzelvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und da heißt es aufpassen.

Christoph Maßholder, (50) Betriebsrat in einem hessischen GaLaBau-Betrieb und im IG BAU-Bezirksverband Gelnhausen-Friedberg Vorsitzender der Fachgruppe, weiß aus Gesprächen mit Kollegen quer in der ganzen Bundesrepublik: „Die meisten Einzelvereinbarungen zur Einführung der Jahresarbeitszeit basieren auf einer Mustervereinbarung, die der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) seinen Mitgliedsbetrieben zur Verfügung stellt.“

Und diese Mustervereinbarung hat es in sich. Ralf Helwerth, Gewerkschaftssekretär in der IG BAU-Region Hessen, kennt das Problem: „Hier werden sehr viele Punkte, die sich aus dem Text des § 4 a BRTV ergeben, bis zum Anschlag zuungunsten der Beschäftigten interpretiert und gedehnt. Das geht bis hin zu Formulierungen und Regelungen, die pikanterweise mit dem Thema JAZ/Saison-KUG gar nichts zu tun haben. Diese „Mustervereinbarung“ ist außerdem auch noch so gestaltet, dass selbst „arbeitnehmerfreundliche“ Arbeitgeber den Eindruck gewinnen, sie sei nur in der vorgezeichneten Form rechtsgültig und wasserdicht.“

Doch sie ist weder das eine, noch das andere. Darum raten Christoph Maßholder, der in seiner Freizeit auch als stellvertretender Vorsitzender der Bundesfachgruppe GaLaBau aktiv ist, und Gewerkschaftssekretär Ralf Helwerth allen Kolleginnen und Kollegen im GaLaBau: „Bevor Ihr eine derartige Einzelvereinbarung unterschreibt, überprüft sie vorher zusammen mit Eurer Gewerkschaft!“ Die IG BAU als Interessenvertretung der im Garten- und Landschaftsbau Beschäftigten hat eine eigene Mustervereinbarung entwickelt, die sich wie der Arbeitgeber-Entwurf an den Vorgaben des BRTV orientiert.

Im Gegensatz dazu ist sie allerdings für Arbeitnehmer und Arbeitgeber viel verständlicher und nachvollziehbar. Sie will niemanden über den Tisch ziehen, beinhaltet ausschließlich Vereinbarungen zum Thema JAZ/Saison-KUG. Und sie ist endlich eine übersichtliche Möglichkeit, die Jahresarbeitszeit gemäß BRTV für Arbeitnehmer und Arbeitgeber akzeptabel auszuarbeiten.

Besser dran sind die Mitarbeiter, die in ihrem Betrieb schon einen Betriebsrat gewählt haben. Der handelt mit Unterstützung der IG BAU eine Betriebsvereinbarung über die Jahresarbeitszeit aus. Und wo es noch keinen Betriebsrat gibt, hilft die IG BAU gerne bei der Wahl.

„GaLa-Bauern, denen eine Einzelvereinbarung zur JAZ zur Unterschrift vorgelegt wird, sollten als Gewerkschaftsmitglied auf einer Vereinbarung bestehen, die von ihrer Interessenvertretung IG BAU aus gutem Grund zu ihrem Schutz vorgeschlagen wird“, rät Gewerkschaftssekretär Helwerth. Denn: „Solange Ihr nichts unterschreibt, gilt der alte Arbeitsvertrag mit der 39-Stunden-Woche und Anspruch auf alle Überstundenzuschläge.“

„Das und die Unterstützung durch den Branchensekretär sollte doch den einen und anderen Arbeitgeber dazu bewegen können – auch mit Blick auf hoch motivierte Beschäftigte – der IG BAU-Mustervereinbarung als Leitlinie den Vorzug zu geben“, appelliert Christoph Maßholder an seine GaLaBau-Kollegen. „Gewerkschaft und Tarifvertrag ist wichtig. Aber es muß sich auch jeder Einzelne selbst informieren.“


IG BAU – die tun was!


Die Mustervereinbarung gibt es über die Bezirksverbände, die Bezirksfachgruppen oder den Branchensekretär. Und für die Mitglieder der IG BAU direkt bei diesem Artikel.

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