E-Klasse / Wir sind die IG BAU


„Im Wald liegt die Kraft“

Warum Klaus Ullrich dem Wald nicht widerstehen kann


© IG BAU (Kalle Meyer)
17.05.2013
Manche Menschen wirken, als könnte sie nichts erschüttern. So einer ist Klaus Ullrich. Ruhiger Blick, feste Stimme, sparsame Gesten. Der erste Eindruck trifft es jedoch nicht ganz. Wenn etwas richtig schiefläuft, kann Ullrich sich aufregen – sehr sogar. So etwa 1998, als in seinem Betrieb Umstrukturierungen anstanden mit massiven Veränderungen für seine Arbeit.

Drei Tage hat es in ihm rumort, drei Tage lang hat er nicht gesprochen. Als er sich endlich etwas beruhigt hatte und klarer sah, stand für ihn fest: Schluss mit dem Selbstmitleid und machen. „Im Nachhinein betrachtet“, sagt Ullrich, „war diese Zeit der Auslöser, in der IG BAU aktiv zu werden.“ Bei dieser Entscheidung hat ihm ein Verbündeter geholfen, der ihn schon seit frühester Kindheit begleitet. Der Wald. Bei Stress und Ärger geht er spazieren. „Es kommt vor, dass ich einfach an einer Autobahnraststätte aussteige, wenn sie in der Nähe eines Waldgebiets liegt. Ein kurzer Anruf zu Hause und ich wandere drauflos, Jack, der Beagle, darf auch mit“, sagt Ullrich. „Der Wald ist meine Ruhequelle, er nimmt die Hektik und gibt Kraft.“
 
Wer Ullrichs Geschichte kennt, den wundert das nicht. Der Wald ist gewissermaßen sein Zuhause. „Ich bin im Pfälzer Wald in einem Forsthaus aufgewachsen“, berichtet er. Der Vater war Förster, der Onkel Forstmeister, und auch die übrige Familie hatte beruflich viel mit Forst und Holz zu tun. „Der Wald war mein Spielplatz.“ Er sollte auch sein Arbeitsplatz werden.

Nach seiner Ausbildung zum Forstwirt absolvierte Ullrich das Studium zum Forsttechniker. Sein ersehnter Wunsch war es, bald ein eigenes Revier zu leiten. Mit Wünschen muss man vorsichtig sein, denn sie könnten in Erfüllung gehen. So war es bei Ullrich. Drei Jahre nach seinem Studienabschluss bekam er 1990 das Angebot, Revierleiter zu werden. Der Haken: Es sollte nach Luckenwalde, nach Brandenburg gehen. Gleich nach der Wende war das für Ullrich – den Pfälzer, den Wessi – nicht die Stelle, die er sich erträumt hatte.

Zwei Tage Bedenkzeit hat er sich erbeten, erzählt er. 48 Stunden kaute er auf der Entscheidung herum und entschied sich dann für die neue Stelle. Im Rückblick war es eine gute Entscheidung. Auch privat. Er lernte seine Frau kennen, eine Brandenburgerin. Die Familie wohnt jetzt auf einem Bauernhof bei Schönewalde, und Ullrich engagiert sich inzwischen auch politisch, vor allem für die ländliche Entwicklung und den sozialen Ausgleich.

Als Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen steht er im September als Kandidat zur Bundestagswahl auf der Liste im Wahlkreis 65 Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz II. „Weder Jung noch Alt dürfen in unserer Gesellschaft zurückgelassen werden“, sagt er. „Wir brauchen eine menschenwürdige Sozialpolitik.“ Gleichzeitig treiben ihn Fehlentwicklungen in der Land- und Forstwirtschaft an. Vor allem fehlgeleitete Subventionen setzen seiner Meinung nach fatale Anreize. „Riesige Monokulturen sind nicht nur umweltschädlich, sie schaden auch dem Menschen und vernichten Arbeitsplätze. Es ist höchste Zeit, den ländlichen Raum wieder attraktiver zu machen.“



Zur Person
Name: Klaus Ullrich
Jahrgang: 1960
Beruf: Revierleiter
Gewerkschaftsmitglied: seit 1998

Ein Beitrag unseres Kollegen Ruprecht Hammerschmidt in der Mai-Ausgabe der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann".

Klaus Ullrich: „Weder Jung noch Alt dürfen in unserer Gesellschaft zurückgelassen werden.” © privat