Gebäudereinigung


Mehr als 500 Gebäudereiniger demonstrieren für faire Arbeit

Demo mit "Jammerlappen": GebäudereinigerInnen heute in Essen
Demo mit "Jammerlappen": GebäudereinigerInnen heute in Essen © IG BAU (Malleus Fabri)
Essen, 13.10.2015
"Sauberkeit braucht ihre Zeit!“ unter diesem Motto demonstrieren heute mehr als 500 Beschäftigte in der Gebäudereinigung für bessere Arbeitsbedingungen in der Branche. Am Rande der aktuellen, bundesweiten Tarifverhandlungen der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks in Essen machten die Beschäftigten Druck gegen Leistungsverdichtung.

Für die rund 600 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Branche ist die Grenze von immer mehr Leistung in immer weniger Zeit längst überschritten

„Gerade im zeitlichen Umfeld von Tariferhöhungen bekommen die Beschäftigten mehr Flächen aufgebürdet oder haben weniger Zeit für die gleichen Quadratmeter. Sogar Arbeitszeitkürzungen ohne Lohnausgleich kommen vor“, sagte IG BAU-Regionalleiter Rheinland Holger Vermeer. „Damit zahlen am Ende die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Lohnerhöhung selbst. Pausen werden durchgearbeitet und unbezahlte Mehrarbeit an die Arbeitszeit drangehängt. Den Reibach machen die Unternehmen. Damit muss endlich Schluss sein.“

Bereits in der Vergabe von Aufträgen werden Zeitvorgaben gemacht. Sie sind zum Teil auf die hundertstel Sekunde genau kalkuliert. „Die Vorgaben sind so knapp, dass sie den Beschäftigten eine permanente Höchstleistung abfordern. Das ist weder zumutbar noch zulässig“, sagte Vermeer. „Wer acht Stunden an fünf Tagen die Woche reinigt, kann nicht einen Dauersprint hinlegen. Ein zügiger Dauerlauf ist schon anstrengend genug.“

Lautstark und bunt zogen die Protestierenden vor das Verhandlungslokal am Essener Hauptbahnhof, um die IG BAU-Tarifkommission in ihrer Forderung nach dem ersten bundesweiten Tarifvertrag gegen Leistungsverdichtung zu unterstützen. Die IG BAU verhandelt darüber hinaus den Lohntarifvertrag. Sie fordert in der untersten Lohngruppe 80 Cent die Stunde mehr und in den übrigen Lohngruppen 6,4 Prozent. Zudem muss es 25 Jahre nach der Wiedervereinigung endlich einen deutlichen Schritt in Richtung Ost-West-Angleichung geben. Die Arbeitgeber hatten in der vorherigen Verhandlung im September dagegen lediglich ein Plus von aufs Jahr gerechnet 1,38 Prozent angeboten.

© IG BAU (Malleus Fabri)
© IG BAU (Jan Meyer)
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© IG BAU (Erika Holzhausen)
© IG BAU (Erika Holzhausen)
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