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Auf dem Drahtesel nach Südafrika


© IG BAU (privat)
16.06.2010
„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, schrieb einst der deutsche Dichter Matthias Claudius. Man könnte meinen, er hat dabei an IG BAU-Mitglied Raimund Kraus gedacht, der sich auf seiner Internetseite so vorstellt: Hallo, ich bin Raimund und 47 Jahre alt. Seit 17 Jahren bin ich passionierter Reiseradler …“ Eigentlich nichts Außergewöhnliches.

Radreisen liegen voll im Trend. Aber in einem halben Jahr vom süddeutschen Ziemetshausen nach Südafrika zu radeln, das ist was ganz Spektakuläres. Dabei geht es dem Rohrleitungsbauer nicht nur um die sportliche Herausforderung, sondern ganz besonders auch um den guten Zweck. Auf seiner Afrika-Tour will er für Spenden zur Unterstützung des Projekts „Mother’s Voice“ in Namibia werben. Eine ehrenamtliche Hilfsorganisation, die Aidskranke und ihre Angehörigen betreut.

In Afrika neue Kraft tanken
Nach einer zünftigen Brotzeit und mit Reisesegen an der Ziemetshauser Pfarrkirche St. Peter und Paul fällt am 19. September 2009 der Startschuss. Auf den ersten 57 Kilometern bis Memmingen wird Raimund von über 20 radlerbegeisterten Freunden und Nachbarn begleitet. Nach einer Woche sind die ersten 1000 Kilometer geschafft, und Südfrankreich lädt bei herrlichem Wetter zum Verweilen ein. Mitte Oktober „befährt“ Raimund über Gibraltar afrikanischen Boden.

In der marokkanischen Hafenstadt Agadir die erste längere Pause von zehn Tagen, bevor der Mann vom Bau die 1000 Kilometer durch die Sahara in neuer persönlicher Bestzeit angehen will. Unterwegs trifft er immer wieder interessante Leute, wie den 66-jährigen Peter: Der Schweizer schipperte als junger Hippie mit einem Bananenfrachter nach Ecuador.

Weihnachten und den Jahreswechsel verbringt Raimund in Accra, der Hauptstadt Ghanas. Anschließend geht’s weiter über Togo, Benin, Nigeria nach Kamerun. Einen außerplanmäßigen „Boxenstopp“ muss er im nigerianischen Lagos einlegen. „Mit der Visumsbeschaffung für Kamerun ging es leider nicht so schnell, wie ich gedacht habe. Die Millionenstadt ist aber gar nicht so schlecht für einen Zwischenaufenthalt, da gibt es gutes Essen“, schmunzelt er. Auch die Besichtigung des Nationalmuseums klappt wegen Stromausfalls erst beim dritten Anlauf. „Niemand regt sich hier auf. Das ist in Deutschland anders.

Ich denke da nur an meine Arbeit. Wenn wir wegen Baumaßnahmen das Wasser sperren müssen oder aus Versehen mal ein Stromkabel beschädigen, gehen gleich viele Beschwerden bei den Stadtwerken ein. Wir Bauarbeiter stehen oft den ganzen Tag bei Regen und Kälte im Dreck und versuchen, das marode Rohrnetz irgendwie am Laufen zu halten. Anerkennung für unsere schwere Arbeit gibt es nur selten“, kritisiert Raimund und bemerkt: „Da ist die Zeit in Afrika genau das, was ich brauche, um wieder Abstand zu bekommen und neue Kraft zu tanken.“ Und seine Meinung zur IG BAU? „Gewerkschaftsmitglied zu sein, das gehört sich einfach. Man hat ja dadurch auch viele Vorteile.“

132,6 Kilometer pro Tag
Mittlerweile zeigt der Tacho 10 000 Kilometer an, und Raimund ist in Kamerun. Im Goethe-Institut in Jaoundè warten schon gespannt Studenten auf seinen Vortrag über Deutschland und die Reise.

Für Angola wegen der bürgerkriegsähnlichen Zustände ein Visum zu bekommen, ist schwierig. Umfahren geht auch nicht – es ist Regenzeit. Raimund steigt ausnahmsweise mal vom Rad aufs Flugzeug um und fliegt bis Daressalam (Tansania). Ab da radelt er weiter über Sambia und Botswana nach Namibia. Am 6. März ist Raimund in Keetmanshoop, wo er sich bei „Mother's Voice“ nützlich macht. Nach einer Woche heißt es leider wieder Abschied nehmen.

Am 28. März in Kapstadt liegen 192 Reise­tage hinter ihm. Vor seinem Heimflug am 12. April stimmt sich der Weltenbummler bei einem Radler und einem Schnitzel auf Ziemetshausen ein und zieht stolz Bilanz: „In 128 Tagen habe ich 16 972 Kilometer zurückgelegt und bin durchschnittlich 132,6 Kilometer pro Tag geradelt.“

Mehr über Raimund und seine Radtouren unter www.raimundsradreisen.jimdo.com. Dort sind auch die Termine seiner Reisevorträge veröffentlicht.

Ein Beitrag unserer Kollegin Gerlinde Dickert in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift „Der Grundstein/Der Säemann“ 6/2010.

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