Frauen


Was macht Frauen glücklich?

Seminar in Steinbach vom 20.-22. April 2012

Dem Glück auf der Spur - die Seminarteilnehmerinnen.<br />
Dem Glück auf der Spur - die Seminarteilnehmerinnen.
 © IG BAU (Sylvia Honsberg)
25.04.2012
"Was macht Frauen glücklich?" Schon der Titel weckt Neugierde. So wurden die IG BAU-Frauen von Teilnehmern parallel laufender Seminare in Steinbach auch immer wieder angesprochen: „Was macht ihr denn da?“

Die Antworten führten zu interessanten Gesprächen. Denn in dem Seminar ging es sowohl um das persönliche Glück, wie auch um die Rahmenbedingungen für eine glückliche Gesellschaft.

Am Anfang stand ein Lebenshaus mit den vier Räumen „Arbeit, Lebenssinn, Kontakte und Körper“ und der Bewertung: „Wie glücklich lebst Du im Moment in den einzelnen Räumen?“. Die meisten Punkte beim Gruppenergebnis hatte der Bereich Familie, Freundschaften und Beziehungen insgesamt. Auf Platz zwei kam der Bereich Sinn, dann die Arbeit und am wenigsten glücklich waren die Teilnehmerinnen mit ihrem körperlichen Befinden. Ein Grund mehr für die Teamerinnen, die nächsten beiden Tage mit Yoga-Übungen zur Beweglichkeit und Entspannung zu beginnen.

Sehr viele Antworten gab es auf die Frage: „Wie werde ich garantiert unglücklich?“. Gemeinsam formulierten die Frauen dann daraus das Gegenteil. Im Ergebnis zeichnete sich eine positive, offene und sebstbewusste Haltung ab, die mehr Glück im Leben ermöglicht.

Nach einer Wahrnehmungsübung zum Thema „Mit allen Sinnen leben“ gab es als „Bonbon“ eine Übung aus dem Unterrichtsfach „Glück“ einer Heidelberger Schule.

Der gesellschaftliche Teil begann mit vielen Informationen aus der Glücksforschung: Arbeit macht glücklich, ebenso Beziehungen und Geben, Geld bis zu einem bestimmten Maß, Mitbestimmung und Sicherheit. Soziale Gleichstellung ist ein ganz wesentlicher Faktor; der Vergleich mit anderen macht unglücklich. Von daher stellen materielle Dinge höchstens kurzfristig zufrieden, danach kommt der Gewohnheitseffekt und der Wunsch nach noch mehr.

Alle skandinavischen Länder, die ja ein hohes Maß an Gleichstellung und sozialer Sicherung aufweisen liegen im „Glücksatlas“ unter den ersten zehn Staaten. Dagegen bilden fast ausschließlich arme afrikanische Länder das Schlusslicht der Rangliste. Der Spruch „Arm, aber glücklich!“ ist offensichtlich manipulierend. Zum Glück brauchen Menschen bestimmte Grundbedingungen wie Frieden, Freiheit, Nahrung, ein Zuhause, Arbeit und Gesundheit.

Die Frauen wollten den Unterschied zwischen Zufriedenheit und Glück fassen. Einig waren sich alle, dass die Glücksforschung in erster Linie Zufriedenheit abfragt. Glück ist aber mehr und kann nicht allein bewirkt werden, sondern nur in Verbindung zu anderen und zum Ganzen entstehen.

Ganz spannend fanden die Teilnehmerinnen den Bericht über Bhutan, ein kleines
Land im Himalaya. Dort ist das Glück und die Zufriedenheit der Bevolkerung oberstes Staatsziel. Das „Brutto-Inlands-Glück“ des konstutionellen Königreichs beruht auf vier Säulen:

  • die Förderung einer sozial gerechten Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung
  • Bewahrung und Förderung kultureller Werte,
  • Schutz der Umwelt und
  • gute Regierungs- und Verwaltungsstrukturen.

Im Unterschied dazu formulierten die Frauen ihre Kritik an unserem Maßstab des Bruttoinlandsprodukts, das nichts aussagt über die Verteilung des Reichtums, den Sinn oder die Nachhaltigkeit der Produktion. Ausgeschlossen ist dabei auch der gesamte Bereich unbezahlter Arbeit, die größtenteils von Frauen geleistet wird. Im Gegenteil: Wirtschaftliches Wachstum als höchstes Ziel ist verantwortungslos und führt zu einer kranken Gesellschaft.

Besonders wichtig waren den Kolleginnen konkrete Perspektiven: „Was können wir tun, um zu mehr Glück in unserem Umfeld beizutragen?“ Symbolisch gab es dazu einen großen Baum. Die Wurzeln stellten die normativen Regelungen dar: Die Menschenrechte, das Grundgesetz, aber auch das Betriebsverfassungsgesetz oder die Satzung unserer Gewerkschaft. Im Stamm finden sich die Strukturen: Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Menschenrechtsorgansiationen, Nachbarschaftshilfen, Vereine und alle Gruppierungen, die das menschliche Zusammenleben für das Allgemeinwohl fördern. Die Früchte zeigten breitgefächert das eigene Engagement und die Ziele der Frauen.

In Hinblick auf die Frage „Was hat Gewerkschaft mit Glück zu tun?“ wollen sich die Kolleginnen verstärkt für deutlichere Zeichen zu den Themen Arbeitszeit, Lohngleichheit und Geschlechterquote einsetzen.

Das Seminar „Was macht Frauen glücklich?“ wird in den nächsten Monaten in mehreren IG BAU Regionen angeboten.

Ein Beitrag unserer Kollegin Sylvia Honsberg.

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Kontakt

Sylvia Honsberg
Bundesfrauensekretärin
IG BAU-Bundesvorstand VB IV, Gebäudereiniger-
handwerk und Bildung
Frauenreferat
Olof-Palme-Str. 19
60439 Frankfurt/ Main
mailto: frauenE-Mail-Adresseigbau.de
Sekretariat

Marion Fahrenbruch
IG BAU-Bundesvorstand VB IV, Gebäudereiniger-
handwerk und Bildung
Olof-Palme-Str. 19
60439 Frankfurt/ Main
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