Rosaria Scigliuzzo
(Foto: zplusz)
10.11.2021
E wie Ehrenamt

"Vertrauen ist die Grundlage" Als Betriebsratsvorsitzende der Klüh Facility Services GmbH in Nürnberg und Gesamtbetriebsratsvorsitzende von zehn Standorten der Firma weiß Rosaria Scigliuzzo, wie wichtig ein vertrauensvoller und wertschätzender Umgang ist – zwischen dem Betriebsrat und den Kolleg*innen ebenso wie mit der Geschäftsführung.

"Wir arbeiten hier alle Hand in Hand", sagt die erfahrene Betriebsrätin. Seit 2005 ist sie Mitglied der Beschäftigtenvertretung, seit 2008 Schriftführerin und seit 2012 Vorsitzende des Gremiums. Rosaria sieht sich vor allem als Ansprechpartnerin für ihre Kolleg*innen – insbesondere für die, die nicht alleine für sich sprechen können. "Ich helfe gerne, Probleme zu lösen – am besten, wenn sie noch klein sind, bevor eine große Angelegenheit daraus wird. Ich gehe direkt zu dem oder der nächsten Vorgesetzten, und dann wird das gelöst." Wenn durch Objektverluste Entlassungen unvermeidbar sind, setzt der Betriebsrat alles daran, um die Interessen der Kolleg*innen bestmöglich zu wahren. Rosaria berät ihre Kolleg*innen, klärt sie über ihre Rechten und Pflichten auf, informiert sie über neue Gesetze oder Tarifverhandlungen – und ist vor allem immer für sie da, wenn die sie brauchen. "Ich bin froh darüber, dass meine Kolleginnen und Kollegen so großes Vertrauen zu mir haben", meint sie. "Bei mir finden sie für jedes Problem ein offenes Ohr."

Rosaria hat 1992 bei der ISS Facility Services GmbH in der Gebäudereinigung angefangen, erst als Objektleitung, später als Bereichsleitung. 2019 wurde ISS an die Klüh Service Management GmbH veräußert; die ISS-Beschäftigten übernahm der Düsseldorfer Multidienstleister. Den Betriebsratsvorsitz hat Rosaria über den Wechsel hinweg beibehalten. Für rund 240 Beschäftigte ist das Nürnberger Betriebsrats-Gremium zuständig und für rund 2000 der Gesamtbetriebsrat von zehn Standorten, dem Rosaria ebenfalls vorsitzt.

Kolleg*innen aus aller Welt

99 Prozent der Beschäftigten in der Gebäudereinigung haben – wie Rosaria, die ursprünglich aus Süditalien stammt – einen Migrationshintergrund. "Wir kommen aus der Türkei, Italien, Spanien, Afghanistan, China oder Thailand", sagt sie, "aber die Herkunft spielt bei uns keine Rolle. Der Mensch steht an erster Stelle." Bei sich persönlich und in ihrem Umfeld hat Rosaria bislang nicht wahrgenommen, dass Menschen mit Migrationshintergrund weniger Chancen haben oder benachteiligt werden. "Bei uns werden alle gleich behandelt", meint sie. Allerdings sei es wichtig, der deutschen Sprache mächtig zu sein, wenn man Perspektiven haben, etwa eine Führungsposition übernehmen will.

Mitglied der IG BAU ist Rosaria seit 2012. Ersten Kontakt bekam sie über die Betriebsratssitzungen, an denen auch der Gewerkschaftssekretär teilnahm: "Nach und nach habe ich gesehen, was die Gewerkschaft alles tut, um den Beschäftigten zu helfen: Tarifverträge, jährliche Lohnerhöhungen, Rechtsschutz. Die Gewerkschaften sind sehr wichtig für uns!" Darum informiert Rosaria ihre Kolleg*innen auch regelmäßig über die Errungenschaften und Aktivitäten der IG BAU. Und bei ihrer Arbeit als Betriebsrätin schätzt sie die Unterstützung durch die IG BAU-Sekretärin Carmen Langer: "Wenn ich sie brauche, ist sie für mich da!"

Größten Handlungsbedarf sieht Rosaria mit Blick auf ihre Branche bei der Erhöhung der Mindestlöhne: "Viele von uns haben ein Einkommen unter dem Existenzminimum, von dem sie nicht mal die Miete bezahlen können. Auch die Rente reicht oft nicht zum Leben. Das kann doch nicht sein, dass man sein Leben lang arbeitet und immer auf Unterstützung angewiesen ist!"

Text: Cordula Binder