30 Jahre IG BAU: "Nur wer sich bewegt, kann was bewegen"
Auf den Weg gebracht wurde die Fusion von Bruno Köbele, der 1991 das Amt des Vorsitzenden der Baugewerkschaft übernommen hatte. Von nun an sollte die Bautätigkeit auch im Zeichen der Umwelt stehen, in die sie eingreift und die sie dennoch und gerade deswegen schützen muss. Der Zusammenschluss von IG BSE und GGLF brachte der Gewerkschaft zum 1. Januar 1996 einen neuen Namen: IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).
Integration ökologischer Fragen
Die IG BAU vereinigte die große Durchsetzungskraft der Baugewerkschaft mit der ökologischen Tradition der GGLF und bündelte so die vielfältigen Kompetenzen. Der Brückenschlag führte schnell zu ersten tarifpolitischen Erfolgen wie dem "Öko-Tarifvertrag" (1995), der mit dem Unternehmerverband Industrieservice abgeschlossen wurde und einen wichtigen Impuls für die Integration ökologischer Fragen in die betriebliche Arbeit der Gewerkschaft gab.
Substanz durch Vielfalt
In der Schaffung der IG BAU wurde einmal mehr deutlich, was schon immer für das Baugewerbe galt: Eine Vielzahl verschiedener Branchen ist beteiligt, wenn es darum geht, Bausubstanz zu schaffen und zu erhalten. Dem wird traditionell in der Unterscheidung zwischen Bauhaupt- und Baunebengewerbe Rechnung getragen, welche durch die Baustoffindustrie mit den nötigen Materialien beliefert wird. Wenngleich dies die ursprünglichen Branchen der Baugewerkschaft sind, erlangte gerade in den letzten 30 Jahren die außerordentliche Bandbreite der am Bau beteiligten Branchen eine immer größere Bedeutung in der alltäglichen Gewerkschaftsarbeit.
Neue Schwerpunkte
Im Zuge der einbrechenden Beschäftigtenzahlen im Bauhauptgewerbe seit Mitte der 1990er-Jahre wurde es wichtiger, die bis dahin weniger gewerkschaftlich organisierten Branchen besser einzubinden und damit eine nachhaltige Interessenvertretung für alle am Bau Beschäftigten zu schaffen. Durch die GGLF fanden Branchen wie Forst- und Agrarwirtschaft, Gartenbau und Floristik in die Mitte der IG BAU. Gleichzeitig entstanden auch innerhalb des Baugewerbes neue Schwerpunkte. Beispielhaft dafür ist die wichtige Rolle, die das Gebäudereiniger-Handwerk heute in der IG BAU einnimmt.
Herausforderung Zukunft
Die Überwindung der Grenzen gewerkschaftlicher Arbeit ist ein zentrales Anliegen und unentbehrlich für die Zukunftsfähigkeit der Bau- und Umweltgewerkschaft. Gleichzeitig betrifft sie nicht nur Arbeitnehmerrechte: Wie heute (fast) allen klar ist, lässt sich der Klimawandel nur mit vereinten Kräften bekämpfen und nicht im nationalstaatlichen Rahmen allein. Für diese Herausforderungen hat die IG BAU in den vergangenen 30 Jahren die Weichen gestellt.
Quelle: Festschrift zum 150-jährigen Bestehen der Baugewerkschaft


