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Brücke gebaut, doch Arbeitgeber drehen um – Gespräche zur Jahressonderzahlung abgebrochen

ulrike laux
Ulrike Laux (© IG BAU, Tobias Seifert)
21.01.2026
Pressemitteilungen 2026

"Wer das Fundament ignoriert, riskiert den Einsturz der ganzen Branche."

Mit großem Unverständnis reagiert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) auf den Abbruch der Gespräche zur Jahressonderzahlung in der Gebäudereinigung durch die Arbeitgeber des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV). Noch in der letzten Tarifrunde hatten die Arbeitgeber zugesichert, über eine Jahressonderzahlung zu verhandeln. Jetzt ziehen sie sich zurück – mit dem Hinweis, es gebe keinen finanziellen Spielraum und man könne eine solche Zahlung den Kunden nicht erklären.

"Damit lassen die Arbeitgeber das Vertrauen der Beschäftigten im sprichwörtlichen Keller stehen", sagt Ulrike Laux, Vorstandsmitglied der IG BAU und Verhandlungsführerin. "Tarifverhandlungen leben von Verlässlichkeit. Wer Zusagen macht und sie anschließend kassiert, beschädigt das Fundament, auf dem diese Branche steht."

Die Beschäftigten in der Gebäudereinigung sind das Fundament des Handwerks. Sie arbeiten frühmorgens, nachts, an Wochenenden – oft unsichtbar, aber unverzichtbar. Sie sorgen dafür, dass Schulen, Krankenhäuser, Büros und öffentliche Einrichtungen hygienisch und sicher bleiben. "Sauberkeit gibt es nicht zum Nulltarif", betont Laux. "Dass Kolleginnen und Kollegen eine Jahressonderzahlung fordern, ist nichts Neues – diese Forderung steht seit über zehn Jahren im Raum und ist in vielen Branchen längst selbstverständlich."

Besonders empörend ist aus Sicht der IG BAU die Haltung der Arbeitgeber. Es mache den Reinigungskräften nichts aus, wenn es keine Jahressonderzahlung gebe. "Das ist ein Schlag ins Gesicht der hart arbeitenden Kolleginnen und Kollegen", so Laux. "Wer so spricht, zeigt, wie wenig Respekt er vor der täglichen Leistung der eigenen Beschäftigten hat."

Gleichzeitig erklären die Arbeitgeber, sie hätten trotz Arbeitskräftemangels keine Probleme, Personal zu finden. Die Realität in den Betrieben zeichnet jedoch ein anderes Bild: Viele verlassen die Branche, weil Anerkennung und finanzielle Perspektiven fehlen. "Man kann nicht weiter am Fundament sparen und erwarten, dass das Haus stabil bleibt", warnt Laux. "Wer Fach- und Arbeitskräfte halten will, muss zeigen, dass ihre Arbeit etwas wert ist – nicht nur in Worten, sondern auch im Geldbeutel."

Die IG BAU hat deutlich gemacht, dass sie gesprächsbereit ist und auch einen stufenweisen Einstieg in eine Jahressonderzahlung mittragen würde. "Wir haben Brücken gebaut", sagt Laux. "Die Arbeitgeber haben sich entschieden, sie nicht zu betreten."

Die IG BAU fordert den BIV auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und Verantwortung zu übernehmen. "Respekt gegenüber den eigenen Beschäftigten zeigt sich nicht in Ausreden, sondern im Handeln", so Laux. "Alles andere lässt das Vertrauen weiter absacken – und das kann sich diese Branche nicht leisten."

Pressemitteilung: "Brücke gebaut, doch Arbeitgeber drehen um – Gespräche zur Jahressonderzahlung abgebrochen"