Die Zukunft baut sich nicht von allein
Für Infrastruktur, Energiewende und Digitalisierung fehlten zwischen Juli 2025 und Juni 2026 rechnerisch durchschnittlich rund 148.000 Fachkräfte. Das zeigt ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft. Besonders fehlen technische Fachkräfte, die diese Projekte umsetzen. Gleichzeitig gingen im Verarbeitenden Gewerbe zwischen Ende 2018 und Ende 2025 insgesamt 496.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren, wie das ifo-Institut ermittelt hat.
Auf der einen Seite fehlen Fachkräfte, auf der anderen geht berufliche Erfahrung verloren. Das können wir uns nicht leisten. Hinter jedem gestrichenen Arbeitsplatz steht ein Mensch mit Fähigkeiten und Erfahrung, der Sicherheit braucht.
Wenn ein Industriestandort schrumpft, reichen die Folgen weit über das Werkstor hinaus. Auch Beschäftigte im Bau, in der Instandhaltung und in der Gebäudereinigung geraten unter Druck. Aufträge fallen weg, Kommunen verlieren Einnahmen, jungen Menschen fehlen Perspektiven.
Wer seinen Arbeitsplatz verliert, wird nicht über Nacht Maurer, Zimmerin oder Straßenbauer. Aber wir können Erfahrung nutzen und Wechsel durch bezahlte Qualifizierung und gesicherte Einkommen möglich machen. Politik und Arbeitgeber müssen dafür frühzeitig die Voraussetzungen schaffen. Betriebsräte und Gewerkschaften gehören dabei an den Tisch.
Ebenso dringend müssen wir mehr jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen. 2025 blieben bundesweit 54.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, während knapp 40.000 Bewerberinnen und Bewerber keinen Platz fanden.
Zugleich bilden laut DGB-Ausbildungsreport 2026 nur noch 18,7 Prozent der Betriebe aus. Kleinere Betriebe ziehen sich häufig ganz aus der Ausbildung zurück. Größere Unternehmen streichen unter wirtschaftlichem Druck Ausbildungsplätze. Wer heute Ausbildung abbaut, verschärft den Fachkräftemangel von morgen.
Noch immer haben 2,7 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. Zu viele junge Menschen bleiben ohne berufliche Perspektive, während Betriebe über fehlende Fachkräfte klagen.
Deshalb brauchen wir eine bundesweite, umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie. Wer ausbildet, wird entlastet. Wer nicht ausbildet, beteiligt sich an den Kosten. Das verteilt die Verantwortung solidarisch und stärkt gerade kleinere Ausbildungsbetriebe. Das Bauhauptgewerbe zeigt seit Langem, wie das funktioniert. Auch Bremen und Berlin gehen diesen Weg auf Landesebene. Jetzt braucht es ihn bundesweit.
Fachkräfte gewinnt man durch Tariflöhne, sichere Arbeitsplätze und Respekt. Wer auf Baustellen oder in der Gebäudereinigung körperlich hart arbeitet, braucht Schutz und Erholung. Wer jetzt längere Arbeitszeiten als Lösung verkauft, hat das Problem nicht verstanden.
Der Staat muss verlässlich investieren, damit Betriebe Personal einstellen und ausbilden können. Aber öffentliche Milliarden darf es dabei nicht als Blankoscheck geben. Wer Förderung erhält, muss in Standorte und Ausbildung investieren, Tarifverträge einhalten, Mitbestimmung achten und Beschäftigung sichern. Wer Zusagen bricht, muss Geld zurückzahlen.
Erst Arbeitsplätze abbauen und dann staatliche Hilfe ohne Gegenleistung verlangen – dabei machen wir nicht mit! Öffentliches Geld muss den Beschäftigten eine Zukunft sichern. Denn sie bauen dieses Land und halten es am Laufen. Wer Zukunft schaffen soll, braucht selbst eine.


