Christian Stelljes
(zplusz)
21.05.2020
E wie Ehrenamt

"Mich motiviert, dass ich selber mitreden kann." – Christian Stelljes meint: Wer am Bau arbeitet, sollte auch Mitglied in der IG BAU sein. Der Kabelmonteur aus der Nähe von Bremerhaven engagiert sich in seinem IG BAU-Bezirksvorstand und ist außerdem Mitglied im Betriebsrat der Stehnke Bauunternehmung.

In der inhabergeführten Baufirma mit 424 Mitarbeitenden ist die Digitalisierung derzeit das zentrale Thema für die Beschäftigten. "Wir werden ein digitaler Betrieb. Alles, was wir machen – Aufmaßbeschreibungen, Arbeitszeiterfassung und so weiter – läuft über das Tablet. Da gibt es die ganz normalen Unsicherheiten: Was will die Firma wirklich damit, werden wir kontrolliert? Wir sorgen dafür, dass alles fair läuft", erklärt Christian. So setzt sich der Betriebsrat mit den Datenschützer*innen zusammen und tauscht sich mit der Geschäftsleitung aus. "Zum Glück ist unsere Firma wirklich sozial und fair eingestellt, konkret müssen wir nichts befürchten. Aber wir finden es wichtig, selbst gut informiert zu sein. Man darf sich nicht einlullen lassen und muss zusehen, dass man nichts Wichtiges verpasst."

Mitgliederwerbung im Fokus
Im Bezirksvorstand Land Bremen und Umzu ist Christian seit 2017: "Das ist die oberste Stelle, an der ich was bewirken und meine Meinung einbringen kann." Ein Thema, das ihn dort besonders beschäftigt – neben der aktuellen Tarifrunde und den Organisationswahlen nächstes Jahr – ist die Mitgliedergewinnung: "Mit dem Mitgliederschwund haben alle Vereine und Institutionen zu kämpfen. Das Problem ist, dass keiner sich mehr interessiert." Besonders die jungen Menschen müsse man ansprechen: "Die Jugend sollte es wieder als selbstverständlich
ansehen, in der Gewerkschaft zu sein. Man müsste das Thema Gewerkschaft schon in der Schule aufarbeiten, damit jede*r weiß, was Gewerkschaften sind und was die für uns erreicht haben", meint Christian. Interessierten Kolleginnen und Kollegen erzählt er gerne, was die IG BAU für ihre Mitglieder tut, und was beispielsweise die Schwerpunkte der nächsten Tarifrunde sind. Er will lieber überzeugen als zu einer Mitgliedschaft überreden. Bereiche, in denen er besonderen Handlungsbedarf für die IG BAU sieht, sind beispielsweise "schwarze Schafe, die viel mit Osteuropäern arbeiten und damit Preise kaputtmachen. Da müsste der Zoll aktiver werden." Und die Nachwuchsgewinnung: "Da muss die Ausbildungsvergütung besser werden, und flexiblere Arbeitszeiten wären schön, was am Bau aber nicht immer so machbar ist." An der aktuellen Tarifrunde im Bauhauptgewerbe würde sich Christian gerne beteiligen, "Aber das ist familiär für mich nicht machbar." Neben der Betriebsratsarbeit und der "normalen" Gewerkschaftsarbeit, die mit Seminaren, Workshops, Klausuren und so weiter bereits einige Wochenenden im Jahr in Anspruch nimmt, ist er auch noch ehrenamtlicher Richter und im Ausschuss der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). "Ich will nicht, dass die Familie zu kurz kommt. Aber für die Zukunft möchte ich in der Tarifpolitik gerne was machen. Die Hauptforderung der
Tarifrunde nach einer Wegezeit-Entschädigung ist für viele Kolleg*innen ein extrem wichtiges Thema, und ich hoffe, dass da eine Einigung gefunden wird. Und natürlich wollen wir auch, dass unsere Entgeltforderungen durchkommen: 6,8 Prozent, mindestens jedoch 230 Euro mehr und für die Auszubildenden 100 Euro pro Ausbildungsjahr und Monat. Der Bau-Boom setzt sich fort, und davon sollen auch wir Beschäftigten was haben!"

geschrieben von Cordula Binder