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Equal Pay Day 2026: Gleiche Arbeit verdient endlich gleiches Geld

Eine Frau mit Baby auf dem Arm arbeitet am Laptop
(Foto: Sarah Chai / pexels)
26.02.2026
Frauen

Kaum vorstellbar, aber leider wahr – noch immer klafft zwischen den Einkommen von Männern und Frauen eine Lücke. Und diese hat nichts mit (Aus-)Bildung, Intelligenz oder Talent zu tun, sondern einzig und allein mit dem Geschlecht. Schlimm genug. Noch schlimmer: Nach wie vor muss auf diese Ungerechtigkeit an sogenannten "Gedenktagen" hingewiesen werden.

In diesem Jahr ist am 27. Februar Equal Pay Day, der Tag für gleiche Bezahlung. Das Datum markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen rechnerisch "umsonst" arbeiten, weil sie im Durchschnitt weniger verdienen als Männer. Die Ungleichheit in Zahlen: Im Jahr 2025 verdienten Frauen in Deutschland durchschnittlich 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Laut Statistischem Bundesamt lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen bei 22,81 Euro, während Männer 27,05 Euro erhielten – ein Unterschied von 4,24 Euro, ohne zu berücksichtigen, dass sie oft in unterschiedlichen Berufen, Branchen, Positionen oder Arbeitszeiten arbeiten.

Damit blieb der Gender Pay Gap im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Auffällig sind zudem regionale Unterschiede: In Ostdeutschland betrug die Lohnlücke fünf Prozent, in Westdeutschland hingegen 17 Prozent. Der europäische Durchschnitt liegt bei etwa 12 Prozent. Ein wesentlicher Grund für diese Unterschiede ist die weiterhin ungleiche Verteilung von Berufen und Branchen. Während Frauen in sozialen, kulturellen Dienstleistungs- und Reinigungsberufen mit rund 74 Prozent stark vertreten sind, liegt ihr Anteil in IT- und naturwissenschaftlichen Berufen bei lediglich 24 Prozent. Zudem wächst der Gender Pay Gap mit dem Alter: Bis zum 30. Lebensjahr beträgt er etwa neun Prozent, steigt jedoch bis zum Alter von 49 Jahren auf 28 Prozent an.

Beruf spielt k(l)eine Rolle

"Augen auf bei der Berufswahl" oder "da müssen die halt einen anständigen Beruf lernen" lauten oft die zynischen Kommentare zu diesen Zahlen. Doch daran liegt es nicht allein. Auch beim sogenannten bereinigten Gender Pay haben Frauen beim Lohnzettel oft das Nachsehen. Selbst bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie verdienten sie im vergangenen Jahr durchschnittlich sechs Prozent weniger pro Stunde als Männer.

Bemerkenswert: In tarifgebundenen Unternehmen fällt die Lohnlücke nachweislich kleiner aus.

Ein zentraler Faktor für die Einkommensunterschiede ist die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit. Frauen übernehmen – oft unfreiwillig, wegen fehlender Alternativen – deutlich häufiger Teilzeitarbeit oder unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit, etwa für Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen. Diese Erwerbsunterbrechungen führen zu einer erheblichen Lebens-Einkommenslücke von fast 50 Prozent und verstärken langfristig auch die Rentenlücke. Gleichzeitig verschärft der sogenannte Gender Care Gap den Fachkräftemangel, da viele Frauen ihre Erwerbsarbeit reduzieren müssen.

Care-Arbeit überwiegend weiblich

Auch für diese Ungerechtigkeit gibt es einen Gedenktag: den Equal Care Day. Dieser findet eigentlich am 29. Februar statt (da Care-Arbeit oft unsichtbar ist), "gefeiert" wird er am 1. März. Er lenkt den Blick auf die Care-Arbeit, die zu 80 Prozent von Frauen geleistet wird – im privaten Umfeld, im Ehrenamt sowie im professionellen Bereich. Männer übernehmen lediglich etwa 20 Prozent dieser Arbeit. Der Care Gap gilt als Hauptursache des Gender Pay Gaps. Care-Arbeit, die von Kinderbetreuung bis zur Pflege älterer Menschen reicht, ist unverzichtbar für das Funktionieren der Gesellschaft, wird jedoch selten ausreichend anerkannt, geschweige denn bezahlt.

Dabei besteht – besonders bei den männlichen Geschlechtsgenossen – oft die Illusion einer gerechten Aufteilung. Studien der Bertelsmann-Stiftung zeigen: Während 68 Prozent der Männer von einer fairen Verteilung der Sorgearbeit ausgehen, teilen nur 44 Prozent der Frauen diese Einschätzung. Zahlen der hkk Krankenkasse verdeutlichen zudem, dass Mütter weiterhin den Großteil der organisatorischen Verantwortung tragen: 90 Prozent vereinbaren Arzttermine, 89 Prozent kümmern sich um Kindergeburtstage und 81 Prozent sind hauptverantwortlich für die Wäsche – um nur einige Beispiele zu nennen.

Als Reaktion auf diese anhaltenden Ungleichheiten ist für den 9. März ein bundesweiter Frauen*streik in Deutschland geplant. Organisiert von verschiedenen feministischen Initiativen soll der Streik – am Montag nach dem Internationalen Frauentag – sichtbar machen, was passiert, wenn Frauen ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit niederlegen. Ziel ist es, gegen ungleiche Bezahlung, Diskriminierung, Gewalt und antifeministische Tendenzen zu protestieren und zugleich Solidarität zu stärken.

#ohneunsstehtallesstill

Im Aufruf unter dem Motto #ohneunsstehtallesstill heißt es unter anderem: "Am 9. März stehen wir still, weil zu viele von uns seit Generationen funktionieren mussten. Weil Sorge, Stärke und Belastung zu oft als selbstverständlich gelten. Weil es immer noch Körper gibt, die weniger wert sind. Stimmen, die weniger gehört werden."

Um wirkliche Fortschritte zu erzielen, muss aber auch die Politik ran. Neben der dringend notwendigen Ausweitung der Tarifbindung steht sie vor einer weiteren wichtigen Aufgabe: Bis spätestens 7. Juni muss die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt werden. Sie sieht nicht zuletzt vor, dass Betroffene Entschädigung verlangen können, wenn Betriebe ihre Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Grundsatz des gleichen Entgelts nicht einhalten.

Die IG BAU kämpft schon lange für Entgeltgerechtigkeit – in Tarifverhandlungen, im Betrieb und in der politischen Debatte. Denn gleiche Arbeit verdient gleiches Geld. Punkt.

Text: Christiane Nölle
Dieser Artikel ist erstmals in der Grundstein-Ausgabe Februar/März 2026 erschienen.