harald schaum
© IG BAU (Alexander Paul Englert)
18.03.2020
Pressemitteilungen 2020

Die Agrargewerkschaft fordert die Arbeitgeber in der Landwirtschaft auf, ihrer Verantwortung für ihre Beschäftigten in der Coronakrise vollständig gerecht zu werden. Auch für Erntehelferinnen und Erntehelfer muss der Schutz vor Infektionen mit Covid-19 an erster Stelle stehen.

„In der Landwirtschaft starten jetzt die wirtschaftlich wichtigen Pflanz- und Erntezeiten. Das sind Naturvorgaben, die sich nicht verschieben lassen. Diese Arbeiten sichern unsere Versorgung mit Nahrungsmitteln. Es ist selbstverständlich, diese Arbeiten weiter aufrechtzuerhalten, wenn die Versorgung sichergestellt werden soll",

sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum.

„Mit dem Ausbleiben vieler Erntehelfer aus Osteuropa gerät dieses Ziel in Gefahr. Das Wegbleiben der Saisonkräfte hat zwei Ursachen. Zum einen kommen viele Arbeitskräfte wegen der Grenzschließungen der Transitländer nicht mehr nach Deutschland. Hier ist die Politik aufgefordert, auf oberster Ebene eine schnelle Lösung herbeizuführen. Zum anderen sorgen sich die Menschen aber auch vor Ansteckung. Das ist nicht verwunderlich. Schon vor der Coronakrise blieben in vielen Betrieben Helferinnen und Helfer fern, weil die Zustände dort unhaltbar waren. Massenunterbringung auf viel zu engem Raum und heruntergekommene sanitäre Einrichtungen machten Saisonkräften auch schon ohne Infektionsrisiko zu schaffen. Unter solchen Bedingungen ist die Gefahr einer Ansteckung mit Covid-19 sehr hoch. Da bleiben viele lieber zu Hause. Die Vorstellung, dass Menschen aus Deutschland, deren Betrieb derzeit geschlossen hat, diese Lücke füllen könnten und sich dem hohen Infektionsrisiko aussetzen ist nicht nur unverantwortlich, sondern geradezu weltfremd."

Die Unterkünfte für Saisonarbeitskräfte sind häufig Mehrbettzimmer oder mit mehreren Personen geteilte Wohncontainer, die Verpflegung geschieht in der Regel in Gemeinschaftsküchen oder Kantinen. Auf den Feldern stehen Toiletten – wenn es überhaupt welche gibt - für eine hohe Zahl von Beschäftigte zur gemeinsamen Verfügung. Ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen ist Erntearbeit nicht mehr zumutbar, weder für übergangsweise freigestellte Beschäftigte aus dem Inland noch für osteuropäische Saisonarbeiterinnen und Saisonarbeiter.

Die IG BAU fordert, dass die hygienischen Bedingungen in der Unterbringung und auf den Feldern energisch verbessert werden und dies von Behörden umfassend kontrolliert wird. Niemand darf wegen reinen Gewinnstrebens einer Infektionsgefahr ausgesetzt werden. Beschäftigte, die die Erntearbeit in dieser Zeit auf sich nehmen, müssen zudem eine spürbare Erschwerniszulage erhalten.

 

Erntehelfer vor Infektion mit Covid-19 schützen.