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Expert*innen sehen sich bestätigt: Absturz auf unter 200 000 Neubau-Wohnungen droht
Bereits beim letzten Wohnungsbau-Tag Ende März hat das Bündnis aus sechs führenden Verbänden und Organisationen der Bau- und Wohnungswirtschaft ein konkretes Vier-Punkte-Programm vorgelegt, um die Trendwende beim Wohnungsbau zu schaffen. "Fast zwei Monate später sind wir keinen Schritt weiter"“, so das Bündnis. Und dessen Prognose fällt noch düsterer aus: Die Branchen-Experten erwarten in diesem Jahr sogar einen Absturz auf unter 200 000 neu gebaute Wohnungen. "Das ist nicht einmal die Hälfte der Neubauwohnungen, die es geben müsste", so das Verbändebündnis Wohnungsbau.
"Dass sich der Wohnungsneubau trotz eines immer größeren Wohnungsmangels negativ entwickelt, ist eine Hiobsbotschaft – vor allem für Hunderttausende von Menschen, die dringend eine bezahlbare Wohnung brauchen. Aber auch für die Branche, der mehr und mehr die Produktionskapazitäten wegbrechen, die eigentlich für einen funktionierenden Wohnungsneubau dringend gebraucht würden. Und natürlich auch für die Bundesregierung, die ein 'Bauen, bauen, bauen.' versprochen hatte", erklärt das Verbändebündnis Wohnungsbau.
Angesichts der dramatischen Perspektive für den Wohnungsmarkt fordert das Bündnis:
- Eine schnelle, rechtssichere Umsetzung des gesetzlichen Standards "Gebäudetyp E" als das neue Normal. Dies darf nicht erst zum Jahresanfang 2027 geschehen, sondern muss zeitnah passieren. Pragmatische Vorschläge hierzu wurden auf dem Wohnungsbautag dargestellt.
- Nach dem Einbruch der Förderungen auf ein Drittel des Niveaus von 2022 ist es dringend erforderlich, ein einfaches Förderkonzept aufzusetzen, das nicht erst 2027 greift, sondern umgehend. Die im Koalitionsvertrag zugesagten Maßnahmen müssen zeitnah umgesetzt werden. Die von der Bauministerin angekündigte Verlängerung der EH-55-Förderung ist überfällig. Sie muss vor allem aber verlässlich und bezüglich der Zinsen attraktiv ausgestaltet werden. Durch eine solche Förderung kann massiv privates Kapital mobilisiert werden. Außerdem muss auch die steuerliche Sonderabschreibung nach §7b EstG auf das EH 55 EE ausgerichtet werden und nicht weiter auf das völlig überteuerte EH 40 QNG. Dies sorgt für einen Schub im Mietwohnungsbau.
- Wohnungsbauprojekte müssen nach dem "Fast Lane"-Prinzip einen Abwägungsvorrang auf der Ebene einzelner Vorhaben bekommen. Schnelleres Planen, Genehmigen und Bauen muss im Fokus der Prozessoptimierung bei Ländern und Kommunen stehen. Im Rahmen der Bau-BG-Novelle sollen dazu die Grundlagen geschaffen werden. Auch hier gilt es zu beschleunigen.
- Als Pulsmesser für die Effektivität von Maßnahmen gilt es, eine Baubeginn-Statistik nach einheitlichen Kriterien zu etablieren. Dies stellt keine zusätzliche Bürokratie dar. Es vereinheitlicht allerdings die Datenerhebung.
Branchen-Appell an die Bundesregierung: "Die Lösungen liegen auf dem Tisch"
Das Verbändebündnis Wohnungsbau appelliert eindringlich an die Politik: "Die Fertigstellungszahlen sind kein Schicksal, sondern das Ergebnis jahrelanger, unzureichender Rahmenbedingungen. Auf verschlechterte Finanzierungsbedingungen wurde mit komplexen, kleinteiligen Förderprogrammen, weiter verschärften Anforderungen und damit Kostensteigerungen reagiert. Das hat den Wohnungsneubau und die Modernisierung abgewürgt. Es gibt kein Erkenntnisproblem, wie der aktuelle Koalitionsvertrag deutlich macht, sondern ein Umsetzungsproblem."
Bezahlbares Wohnen sei Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und sozialen Zusammenhalt. "Gleichzeitig ist ein starker Wohnungsbau ein zentraler Konjunkturmotor: Er schafft und erhält Arbeitsplätze im Handwerk, in der Industrie, in der Planung, im Fachhandel und stärkt die Wirtschaft weit über die Bauwirtschaft hinaus", erklärt das Wohnungsbau-Bündnis.
Die aktuellen Zahlen seien deshalb mehr als ein Warnsignal – sie seien ein klarer Auftrag: "Jetzt ist die Zeit für entschlossenes Handeln – gemeinsam auf allen Ebenen", fordert Bündnis.
In dem Bündnis haben sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), dem Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), dem Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) und der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) als Dachverband der Mauerstein-Industrie zusammengeschlossen. Koordiniert wird das Verbändebündnis vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB). Einmal im Jahr veranstalten die sechs Akteure der Bau- und Wohnungswirtschaft den Wohnungsbau-Tag. Er gilt als der Branchen-Gipfel zum Wohnungsbau in Deutschland.

Gute Arbeit setzt bezahlbares Wohnen voraus

"Alle gegenwärtigen Versuche, die Wirtschaft anzukurbeln und mehr Menschen in Arbeit zu bringen, müssen ins Leere laufen, solange eine Grundvoraussetzung für funktionierende Arbeitsmärkte nicht erfüllt ist: Ausreichend bezahlbarer und bedarfsgerechter Wohnraum für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Will die Bundesregierung die Bremse beim Wirtschaftswachstum lösen, muss sie den bezahlbaren Wohnungsbau in Schwung bringen."
Robert Feiger | IG BAU-Bundesvorsitzender
Gemeinsame Pressemitteilung: Experten sehen sich bestätigt – Absturz auf unter 200 000 Neubau-Wohnungen droht


