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Gemeinsame Pressemitteilung: Charta für attraktive und zukunftsfähige Arbeit in der Gebäudereinigungsbranche unterzeichnet

Präsentation der Charta
(Foto: Leon Fülber) Staatssekretärin Lilian Tschan (hält die Charta) mit der Abteilungsleiterin im Bundesvorstand der IG BAU, Zeynep Bicici (rechts neben ihr), und BIV-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Molitor bei der Unterzeichnung der "Charta für eine attraktive und zukunftsfähige Arbeitsgestaltung in der Gebäudereinigungsbranche".
17.09.2026
Pressemitteilungen 2026
Arbeitsbedingungen in der Gebäudereinigung verbessern und damit den Arbeitskräftemangel verringern: das ist das Vorhaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der IG BAU und dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks. Gemeinsam haben wir eine Charta erarbeitet. Sie hält unsere Ziele fest und bietet Auftraggeber*innen von Reinigungsdienstleistungen Orientierung.
Folgende sechs Bereiche berücksichtigt die Charta (vollständiges Dokument als PDF):
  1. Gute Vertragsgestaltung und -ausführung der Auftraggeber.
  2. Wahrnehmung und Anerkennung der Personen und ihrer Arbeit.
  3. Professionalität und eine arbeitnehmerfreundliche Arbeitsgestaltung.
  4. Gegenseitiges Verständnis für die Leistungserbringung.
  5. Attraktive Arbeitszeiten am Beispiel Tagesreinigung.
  6. Gebäudereinigung als Einstieg und Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.

Gemeinsame Pressemitteilung: "Charta für attraktive und zukunftsfähige Arbeit in der Gebäudereinigungsbranche unterzeichnet"

Die Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Lilian Tschan, hat am 17. September 2026 gemeinsam mit den Sozialpartnern im Gebäudereiniger-Handwerk, der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV), die Charta für attraktive und zukunftsfähige Arbeit in der Gebäudereinigungsbranche unterzeichnet.

Wie kann es gelingen, die Arbeitsbedingungen derer, die in Deutschland Büros, Bahnhöfe und Schulen reinigen, zu verbessern und genügend Menschen für diese Arbeit zu gewinnen? Das waren Kernfragen im Dialogprozess des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) mit den Sozialpartnern im Gebäudereiniger-Handwerk. Die Antworten wurden in einer gemeinsamen Charta für eine attraktive und zukunftsfähige Arbeitsgestaltung in der Gebäudereinigungsbranche zusammengefasst und werden bis zum Jahresende durch die Sozialpartner in einer gemeinsamen Vereinbarung konkretisiert.

Die Charta richtet sich an öffentliche und private Auftraggeber. Sie ruft dazu auf, neben dem Preis auch Qualitätskriterien im Rahmen von Vergabeprozessen stärker zu berücksichtigen. Dazu gehören z. B. familienfreundliche Arbeitszeiten durch mehr Tagesreinigung und ein respektvoller Umgang mit den Reinigungskräften vor Ort.

Staatssekretärin Lilian Tschan unterstreicht den Wert des Sozialpartnerdialogs:

"Der Arbeitskräftemangel betrifft immer mehr Berufe, die keine formale Qualifikation voraussetzen, aber die 'saubere' Grundlage für jede andere Arbeit sind. Ich bin deshalb stolz, dass wir gemeinsam mit den Sozialpartnern im Gebäudereiniger-Handwerk Lösungen gesucht und gefunden haben, damit die Branche und die Arbeit, die hier geleistet wird, die Anerkennung bekommen können, die sie verdienen. Die Charta ist ein gelungenes Beispiel für gelebte Sozialpartnerschaft und hat das Potenzial, die Rahmenbedingungen in dieser unverzichtbaren Branche nachhaltig zu verbessern. Mein Dank gilt dabei dem besonderen Engagement von Arbeitgebern und Gewerkschaften, mit uns gemeinsam daran zu arbeiten."

BIV-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Molitor unterstreicht die Bedeutung einer attraktiven Arbeitsgestaltung für das Gebäudereiniger-Handwerk:

"Tagesreinigung und damit verbundene, familienfreundlichere Arbeitszeiten sind ein wichtiger Schlüssel für die Personalgewinnung in unseren Betrieben. Ebenso entscheidend sind bessere Vergabeprozesse – gerade im öffentlichen Sektor darf nicht allein der Preis ausschlaggebend sein. Beides trägt wesentlich dazu bei, die Zukunftsfähigkeit unseres unverzichtbaren Handwerks zu sichern."

Ulrike Laux, Bundesvorstand der Gewerkschaft IG BAU, legt besonderen Wert auf die Umsetzung fairer Arbeitsbedingungen:

"Aufträge in der Gebäudereinigung werden oft an den günstigsten Anbieter vergeben. Daraus entsteht unverhältnismäßiger Preisdruck und ruinöser Wettbewerb zu Lasten der Beschäftigten. Deshalb treten wir gemeinsam für verbesserte Standards wie die Tagesreinigung ein. Die Charta kann dabei entscheidende Akzente für faire Arbeit und soziale Verantwortung setzen."

Dass die attraktive, beschäftigtenfreundliche Arbeitsgestaltung durch die Beachtung der Kriterien der Charta gelingen kann, zeigen bereits verschiedene Beispiele. In vielen städtischen Immobilien wie Schulen, Feuerwehrobjekten und Verwaltungsgebäuden in Jena und in von der Landesverwaltung überwiegend genutzten Liegenschaften in Mecklenburg-Vorpommern wurde erfolgreich auf Tagesreinigung umgestellt. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und die kreisfreie Großstadt Jena haben die Charta als Erstunterzeichner mitunterzeichnet.

Weitere Unternehmen, Auftraggeber, Vergabestellen und öffentliche Einrichtungen sind eingeladen, sich den Zielen der Charta anzuschließen. Jede zusätzliche Unterzeichnung stärkt das gemeinsame Signal für gute Arbeitsbedingungen, die Wertschätzung der Beschäftigten und eine zukunftsfähige Entwicklung der Gebäudereinigung.

Hintergrund

Die Regierungsparteien haben im Koalitionsvertrag vereinbart, die Arbeitsbedingungen für körperlich stark belastete Berufsgruppen zu verbessern. Eine Branche mit körperlich hohen Anforderungen ist die Gebäudereinigung. Die Branche beschäftigt ca. 700.000 Menschen in Deutschland. Trotz Branchenmindestlöhnen über dem gesetzlichen Mindestlohn haben viele Betriebe Schwierigkeiten, ausreichend Arbeitskräfte zu finden. Die Beschäftigten beklagen ungünstige Arbeitszeiten, hohen Leistungsdruck und wenig Wertschätzung für die geleistete Arbeit. Die Ursachen dafür liegen unter anderem im harten Wettbewerb und dem öffentlichen Vergabesystem von Reinigungsaufträgen nach dem Niedrigpreisprinzip.

Weitere Informationen:

Zeynep Bicici und Ulrike Laux
(Foto: Leon Fülber)
Lilian Tschan
(Foto: Leon Fülber)