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Gewalt an Frauen: Eine rückwärtsgewandte Zukunftsprognose

Demonstration für Frauenrechte
(Foto: Andie K / Unsplash)
11.09.2026
Frauen

Am 20. April dieses Jahres wurde im "heute journal" die Bundeskriminalstatistik für das Jahr 2025 vorgestellt. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Fälle der Morddelikte um 6,5 Prozent und die der Sexualdelikte gar um 8,5 Prozent angestiegen. Das alles vor dem Hintergrund, dass vor allem im Bereich häuslicher Gewalt die Dunkelziffer extrem hoch liegt und laut Dunkelfeldstudie nur circa fünf Prozent der Delikte überhaupt angezeigt werden.

Im Interview mit Nachrichtenmoderatorin Dunja Hayali kam der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter Dirk Peglow zu Wort und gab seine Einschätzung zu den Entwicklungen zum Besten.

Es würden jeden Tag in Deutschland mindestens zwei Frauen und Mädchen Opfer eines versuchten oder vollendeten Tötungsdeliktes, und bei den Sexualdelikten sähe es nicht anders aus. Diese Taten würden im Übrigen vorwiegend durch Männer begangen, die mit den Geschädigten verheiratet seien oder in einem anderen Beziehungsverhältnis stünden, so Peglow. "Also nicht der fremde Mann, der hinter dem Busch wartet. […] Das ist der ganz entscheidende Punkt." Weiter betonte Peglow die Bedeutung der Präventionsarbeit und, dass aus den Erkenntnissen nicht bloß Sonntagsreden, sondern Konsequenzen folgen müssten.

Aktuell werden finanzielle Mittel zur Gewaltprävention immer häufiger gekürzt oder gar gestrichen. Polizei und Justiz beklagen ebenfalls Personalmangel. Auch hier trifft der Raubbau am Sozialstaat besonders uns Frauen.

Hayali: "Was raten sie Frauen?" – Peglow: "Wenn man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, Opfer von psychischer oder physischer Gewalt zu werden."

Dieser trockene Kommentar bleibt zwar der Frage nach einem Rat für Frauen keine nüchterne Antwort schuldig, er lässt jedoch ein tiefergehendes Problem erahnen. Denn sich zum Selbstschutz sicherheitshalber überhaupt nicht auf einen Mann einzulassen, ergibt vor dem Hintergrund der Entwicklungen in unserer Gesellschaft Sinn.

Die Manosphere

Seit Längerem schon wirken sowohl international als auch auf deutscher Bühne reaktionäre, also rückschrittliche, Kräfte darauf, die Rechte von Frauen einzuschränken und propagieren teils offen den Einsatz von Gewalt als probates Mittel, uns gefügig zu machen. Dabei überbieten sich die Aussagen illustrer Figuren der sogenannten Manosphere (selbsternannte Männerrechtler) teils derart in ihrer Absurdität, dass sie sich leicht als Unfug abtun lassen. Wir sagen uns: Dieser Schwachsinn wird wohl nur zustande gekommen sein, weil die heutige Aufmerksamkeitsökonomie alles was sich klickt, unabhängig von der Qualität des Inhaltes, belohnt.

Da sich die Auswirkungen dieser andauernden frauenfeindlichen Propaganda allerdings inzwischen auch in den Zahlen geschlechtsbezogener Gewalt statistisch belegen lassen, müssen wir uns mit der Tatsache konfrontieren, dass die diesen Unsinn ernst meinen. 

Daraus folgt unweigerlich die Frage: Wenn diese rückschrittlich Denkenden solche Aussagen schon zum Besten geben, während sie live im Netz streamen oder gar bei einer Pressekonferenz Fragen beantworten, was sagen die dann erst im stillen Kämmerlein?

Das Frauenbild der AfD

Wenig überraschend stellt die Schnittmenge zwischen den Frauenbildern genannter Manosphere-Influencer und dem der AfD einen einzelnen Kreis dar. In ihren Inhalten unterscheiden sich deren Wertevorstellungen nämlich nicht wirklich, allenfalls in ihrer Darstellung kommuniziert die AfD nach außen ein "romantisiertes Bild" der devoten Hausfrau, der es so gut geht, dass sie ihren Rechten gar nicht hinterher weinen möchte. Hierbei geht sie nicht auf die Folgen ein, welche eine solche Einschränkung für das Leben und die Sicherheit der betroffenen Frauen hätte.

Durch die Benachteiligung von Frauen nach der AfD-Schablone entstünden in der Partnerschaft finanzielle Abhängigkeiten, die es Frauen weiter erschwerten, sich im Fall von Gewalt zu trennen und sich und möglicherweise auch Kinder in Sicherheit zu bringen. Hierdurch würden perfekte Voraussetzungen für Spiralen häuslicher Gewalt geschaffen. Die Frau säße in der Falle!

Zahlreiche Studien belegen, dass es während Fußballspielen vermehrt zu häuslicher Gewalt kommt, unabhängig davon, ob die eigene Mannschaft siegreich aus dem Spiel hervorgegangen ist oder nicht. Zeit also, mit dem Vorurteil aufzuräumen, das eigene Zuhause sei für Frauen ein sicherer Ort, wenn dem eigenen Partner auch vor lauter guter Laune die Hand ausrutschen kann.

Was tun?

Vor dem Hintergrund des Sozialstaatsabbaus und der Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt muss uns Folgendes bewusst werden: Wir können uns heute weniger denn je darauf verlassen, dass in unserem Sinne Politik betrieben wird. Frauen, geht wählen, sonst habt ihr bald keine Wahl mehr!

Schutz können wir nur in der Gemeinschaft mit anderen aufgeklärten Frauen finden, und durch den gewerkschaftlichen Zusammenhalt der drohenden Gefahr für unsere Rechte sogar mit Stärke entgegentreten.

"Es gilt, immer die Augen offen zu halten und Gewalt und Unterdrückung anzuprangern, denn Gewalt ist nichts Privates! Gewalt geht uns alle an!" (Renate Wapenhensch, Bundesfrauensekretärin der IG BAU)

In diesem Sinne: Greift zu den Mistgabeln und Fackeln und findet euch mit Geschlechtsgenoss*innen zahlreich auf den Sozialstaatsdemos am 26. September 2026 zusammen!

Solidarische Grüße

Johanna Häußling
Stellvertretende Vorsitzende Kreisverband IG BAU Mittelbaden
Mitglied im Arbeitskreis Frauen Nordbaden

Johanna Häußling
(Foto: privat)