Am Stand der SOKA-DACH
(Foto: Tobias Seifert)
30.09.2026
24. Ordentlicher Gewerkschaftstag

Am letzten Tag unseres Gewerkschaftstages ging es zügig durch die Antragsabstimmung. Unterbrochen wurden die Diskussionen durch die Verleihung der Hans-Böckler-Medaille. In den Pausen gab es für Delegierte und Bundesvorstandsmitglieder die letzte Gelegenheit für einen Gang durch die Ausstellungsräume: verwandte Organisationen und Unternehmen mit Bezug zu unseren Branchen stellten sich dort vor.  

IG BAU setzt politische Leitlinien

Ein starker Sozialstaat, mehr bezahlbarer Wohnraum, Investitionen in die öffentliche Infrastruktur und eine
Politik der Abrüstung: Der 24. Ordentliche Gewerkschaftstag
der IG BAU hat mit großer Mehrheit zentrale politische Forderungen für die kommenden Jahre beschlossen.

Sozialstaat als Schutzversprechen

Der Sozialstaat müsse Menschen schützen, wenn Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Arbeitslosigkeit, Armut oder Alter die eigene Existenz bedrohen. "Der Sozialstaat ist kein Kostenblock. Er ist ein Schutzversprechen der Demokratie", heißt es in einem der beschlossenen Anträge.

Die IG BAU fordert unter anderem eine solidarisch finanzierte Bürgerversicherung für Gesundheit und Pflege, eine armutsfeste Grundsicherung und einen besseren Schutz pflegender Angehöriger. Minijobs sollen ab dem ersten Euro
sozialversicherungspflichtig werden. Zugleich müsse Kinderarmut konsequent bekämpft und der Zugang zu sozialen
Leistungen einfacher werden.

Delegierte bei der Abstimmung
(Foto: Tobias Seifert)

400.000 Wohnungen im Jahr

Einen grundlegenden Kurswechsel fordert der Gewerkschaftstag auch in der Wohnungspolitik. Angesichts von nur rund 206.000 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2025 hält die IG BAU am Ziel von jährlich 400.000 neuen Wohnungen fest. Darunter sollen mindestens 100.000 Sozialwohnungen und 60.000 weitere bezahlbare
Wohnungen entstehen.

Bis 2030 soll der Bestand auf mindestens zwei Millionen Sozialwohnungen steigen. Die IG BAU will zudem den öffentlichen und genossenschaftlichen Wohnungsbau stärken, Bodenspekulation eindämmen und Mieterinnen und Mieter besser vor überhöhten Mieten, Verdrängung und spekulativem Leerstand
schützen.

Investieren – und gute Arbeit sichern

Auch bei der öffentlichen Infrastruktur fordert die IG BAU einen langfristigen Kurswechsel. Schulen, Kitas, Schienen, Straßen, Krankenhäuser, Nahverkehr sowie Städte und Gemeinden müssten dauerhaft finanziert und modernisiert werden. Der kommunale Investitionsrückstand liege inzwischen bei mehr als 215 Milliarden Euro. "Infrastruktur ist gebaute soziale Gerechtigkeit", heißt es im Beschluss.

Abrüstung wieder auf die Agenda

Die IG BAU lehnt eine Wehrpflicht und eine immer weitergehende Aufrüstung ab. Rüstungsausgaben müssten sich am tatsächlichen Verteidigungsauftrag orientieren und demokratisch kontrolliert werden. Übergewinne der Rüstungsindustrie sollen besteuert werden.

Text: Tobias Wark

Höchste Auszeichnung: Hans-Böckler-Medaille

Einen Moment, den nur wenige Menschen in ihrem Leben genießen dürfen, erlebten während des Gewerkschaftstages Doris Hammes und Manfred Schmitt. Ihnen wurde die Hans-Böckler-Medaille verliehen.

Sie ist die höchste gewerkschaftliche Auszeichnung und würdigt herausragendes und langjähriges gewerkschaftliches Engagement.

Doris Hammes, die an diesem Tag nicht persönlich erscheinen konnte, ist seit Juli 1988 IG BAU-Mitglied im Bezirksverband Hessen-Mitte." Doris hat sich über viele Jahre hinweg in besonderer Weise für das Gemeinwohl und die Gewerkschaft eingesetzt", betonte IG BAU-Bundesvorsitzender Carsten Burckhardt in seiner Laudatio. Egal ob im Vorstand des Bezirksverbands, in der Fachgruppe Gebäudereinigung, am Sozialgericht in Gießen oder in der Berufsgenossenschaft (BG).

Carsten Burckhardt bei der Verleihung der Hans-Böckler-Medaille
(Foto: Tobias Seifert)

"Ihre Stationen in der BG sowie am Sozialgericht und auch in den Krankenkassen machten sie zu einer Verfechterin für Arbeitssicherheit und gleichem Recht für alle." Zuletzt war Doris im Gewerkschaftsrat unserer IG BAU. "Ihr außerordentliches Engagement verdient höchste Anerkennung."

Das gilt auch für den zweiten Preisträger: Manfred Schmitt, seit Juni 1969 Gewerkschaftsmitglied, und zwar im Bezirksverband Mainfranken. Bei der IG Bau-Steine-Erden (IG BSE) und dann bei der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat er seit 1972 viele ehrenamtliche Funktionen inne, "von denen lieber Manfred nur einige erwähnt seien": Delegierter zum Bezirksverbandstag und den darauffolgenden Gewerkschaftstagen, Mitglied und Vorsitzender in seinem Kreis- und dem Fachgruppenvorstand Baugewerbe, außerdem lange Jahre Mitglied im Bezirksbeirat Mainfranken, langjähriges Bezirksvorstandsmitglied im Bezirksverband Mainfranken, Mitglied des Gewerkschaftsrates und bis heute Revisor im Bezirksverband Mainfranken. "Manfred Schmitt hat über Jahrzehnte hinweg durch sein ehrenamtliches Engagement auf betrieblicher und gewerkschaftlicher Ebene und seinen Einsatz für die Belange der Beschäftigten herausragende Verdienste für die Gesellschaft und die Gewerkschaft geleistet", hob Burckhardt hervor. "Das ehrenamtliche Engagement für seine Kolleginnen und Kollegen ist der Lebensinhalt von Manfred. Sein außerordentliches Engagement für die IG BAU seit 57 Jahren verdient höchste Anerkennung."

Die IG BAU ist sehr stolz, Menschen wie Doris und Manfred in ihren Reihen zu haben.

Text: Christiane Nölle

Ausstellung: Tipps für den Alltag und Unterstützung

Auch außerhalb des Plenarsaals war an den vergangenen Tagen einiges los: Es gab über 30 Stände zu entdecken – Sozialkassen, gewerkschaftsnahe Organisationen, wie das PECO-Institut, der Europäische Verein für Wanderarbeiterfragen e.V. oder Bildungseinrichtungen informierten über ihre wichtige Arbeit und Angebote.

Bunt, kreativ und freundlich wurden die Besucherinnen und Besucher in den Ausstellungsräumen, im Kolonnaden- und im Gesellschaftssaal, empfangen. Neben dem DGB Rechtsschutz, der den Mitgliedern in allen rechtlichen Belangen rund um den Arbeitsplatz sowie in sozialrechtlichen Angelegenheiten zur Seite steht, gab es einen Stand der IG BAU und des Peco-Instituts zum Thema "Demokratie stärken – Haltung zeigen gegen rechts!". Außerdem boten die IG BAU-Gruppen Queer, Frauen, Senioren und Junge BAU an, mitzumachen.

Neben zahlreichen Beratungsangeboten und Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch, konnte gehämmert, gelost und Popcorn gegessen werden. Ein besonderes Angebot offerierte die Malerkasse: Besucherinnen und Besucher konnten sich vor einem KI-Spiegel als Superman, Bachelor oder Prinz fotografieren lassen. Anschließend wurde das Foto per QR-Code direkt auf das Smartphone heruntergeladen.

Wie sich Stress im Arbeitsalltag vorbeugen lässt, zeigte "Ulli", der Knautschi der SOKA-DACH. Außerdem bot die Sozialkasse ein Schieferherz an – ein selbst gefertigtes Herz aus Schiefer, das als Halter für eine Blume oder einen Stift genutzt werden kann.

Text: Melanie Kieffer