Junge Frau arbeitet auf einem Feld
(Foto: Zoe Richardson / Unsplash)
21.10.2026
Pressemitteilungen 2026

Neuausrichtung wird der Vielfalt vom familiengeführten Hof bis zum spezialisierten Großbetrieb gerecht

Vor über 30 Jahren wurde die bislang letzte Ausbildungsverordnung in der Landwirtschaft aufgestellt. Jetzt haben die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), der Deutsche Bauernverband, das Bundeslandwirtschaftsministerium und weitere Organisationen die Verordnung grundlegend modernisiert. "Die Zeiten, in denen es fast ausschließlich familiengeführte Hofbetriebe gab, sind vorbei. Es gibt immer mehr größere Betriebe, die sich immer stärker spezialisieren. Das muss sich in den Ausbildungsinhalten niederschlagen", sagt Christian Neuberg, ehrenamtlicher Sachverständiger für die IG BAU.

Für Neuberg, der an der Neuausrichtung intensiv mitgearbeitet hat, ist wichtig, dass der Ansatz "ganzheitlich" ist, sprich, dass "konventionelle und ökologische Bewirtschaftungsformen allen Auszubildenden unabhängig von ihrem Betrieb vermittelt werden". Die Dimension der Nachhaltigkeit, beispielsweise mit einer Stärkung des Tierwohls, habe insgesamt an Bedeutung gewonnen und sei jetzt prüfungsrelevant. Neu sei zudem, dass das Selbstverständnis der angehenden Landwirt*innen ausdrücklich Bestandteil der Ausbildung werde. Dazu gehöre, die eigene Tätigkeit nicht allein aus der Perspektive der Erzeugung zu betrachten, sondern auch die Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft zu reflektieren. Auch die Digitalisierung vieler Arbeitsabläufe sei weiterhin Lehrgegenstand.

Das Arbeits- und Tarifrecht sind nach wie vor Bestandteile der Ausbildungsinhalte. Die Auszubildenden bekommen zudem soziale Kompetenzen, wie die wertschätzende und respektvolle Zusammenarbeit im Team, vermittelt. Sie werden befähigt, Diskriminierungen und Belastungssituationen zu erkennen. "Das dies zentrale, prüfungsrelevante Lerninhalte sind, ist vor dem Hintergrund, dass es immer mehr Angestellte statt Familienmitglieder in den Landwirtschaftsbetrieben gibt, sehr zu begrüßen", sagt Neuberg.

Christian Beck, im IG BAU-Bundesvorstand unter anderem zuständig für die Agrar-Branche, lobt die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bauernverband. "Die Modernisierung der Ausbildungsverordnung war ein konstruktiver Prozess aller Sozialpartner. Jetzt kommt es darauf an, dass es uns gelingt, darauf aufzubauen und schrittweise auch die Ausbildungsqualität in der Praxis weiter zu verbessern, etwa durch Ausbau der Ausbildungsberatung, durch Fortbildungsangebote für Ausbilder*innen oder durch die Stärkung der überbetrieblichen Ausbildung."

IG BAU begrüßt neue Ausbildungsverordnung in der Landwirtschaft