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IG BAU lehnt erstes Arbeitgeberangebot in der Gebäudereinigung ab
Auch die zweite Tarifverhandlung für die rund 700.000 Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk ist am heutigen Donnerstag, 22. Oktober, in Köln ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Der derzeitige Tarifvertrag läuft Ende dieses Jahres aus. Die Arbeitgeber legten ihr erstes Angebot vor: Die ersten vier Monate des kommenden Jahres soll es keine Erhöhung der Löhne geben, ab 1. Mai 2027 sollen sie um 1,8 Prozent steigen, vom 1. Januar 2028 noch einmal um 1,6 Prozent. "Gleich als Einstieg für einen neuen Tarifvertrag gar keinen Aufschlag vorzusehen. Wo bleibt denn da die Wertschätzung? Das kommt bei den Beschäftigten gar nicht gut an", sagt Zeynep Bicici, die im IG BAU-Bundesvorstand unter anderem zuständig für das Gebäudereiniger-Handwerk und Verhandlungsführerin ist. Sie rechnet vor: Für die unterste Lohngruppe bedeutet die erste Erhöhung eine Steigerung von 15 Euro auf 15,27 Euro, ab dem 1. Januar 2028 kämen 24 Cent dazu. "Wir haben derzeit eine Inflationsrate von 2,8 Prozent, auch für das nächste Jahr wird diese Teuerung prognostiziert. Da ist doch klar, dass das Einkommen hinten und vorne nicht reichen wird."
Die IG BAU fordert zwei Euro mehr pro Stunde für alle Lohngruppen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Damit würde der Branchenmindestlohn von derzeit 15 auf 17 Euro steigen, Glas- und Fassadenreiniger*innen würden beispielsweise künftig 20,40 Euro statt 18,40 Euro pro Stunde erhalten. "Die Kraftstoffpreise sind immens gestiegen, die Mieten, vor allem in großen Städten, sind nahezu explodiert und die Lebensmittel sind auch nicht gerade billiger geworden. Deshalb brauchen die Beschäftigten jetzt eine ordentliche Schippe obendrauf", sagt Bicici.
Die Gewerkschafterin weist noch auf einen weiteren Aspekt hin. Derzeit beträgt der Abstand zwischen dem Mindestlohn, er liegt derzeit bei 13,90 Euro, zum Branchenmindestlohn 1,10 Euro. Nach dem Angebot der Gebäudereiniger-Unternehmer würde der Abstand in den ersten vier Monaten des kommenden Jahres nur noch 40 Cent betragen, weil der Mindestlohn in Deutschland am 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro steigt. Ab Mai nächsten Jahres läge der Abstand dann bei 67 Cent. "Unsere Branche braucht einen Attraktivitätsbonus, weil sonst die Beschäftigten in andere Berufe, die meistens nicht so beschwerlich sind, abwandern. Und sie kommen dann auch nicht mehr wieder. Das kann das Ziel nicht sein."
Die IG BAU kündigt schon jetzt als "Begleitung" für die dritte Verhandlungsrunde am 3. November in der Kölner Innenstadt eine Protestkundgebung an. "Wir werden viele und wir werden sehr laut sein. Wir werden den Arbeitgebern zeigen, dass wir es ernst meinen mit unseren Forderungen. Und wenn das auch nicht hilft, werden wir streiken", sagt Bicici unmissverständlich.
Das Gebäudereiniger-Handwerk ist mit knapp 30 Milliarden Euro Jahresumsatz ein bedeutender Wirtschaftszweig und mit rund 700.000 Beschäftigten das größte Handwerk in Deutschland. Etwa 500.000 bekommen lediglich den Branchenmindestlohn, ein Großteil von ihnen sind Frauen. In den Betrieben des Bundesinnungsverbandes sind rund 85 Prozent aller Beschäftigten angestellt.
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