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Rente: Mehr als eine Frage des Alters

Plenarsaal des Reichstags in Berlin
(Foto: TrischaM / Pixabay)
26.08.2026
Rente

Die gesetzliche Rente steht vor großen Herausforderungen. Immer mehr Menschen gehen in den Ruhestand, gleichzeitig kommen weniger junge Beschäftigte nach. Im Juni hat die Rentenkommission der Bundesregierung deshalb 33 Empfehlungen für eine Reform der Alterssicherung vorgelegt. Doch was bedeuten sie für Beschäftigte in den Branchen der IG BAU? Wir geben einen ersten Überblick.

Die Rentenkommission will die gesetzliche Rente angesichts des demografischen Wandels langfristig stabilisieren. Zu ihren Vorschlägen gehören unter anderem eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters sowie die Abschaffung der sogenannten "Rente nach 45 Versicherungsjahren". Bislang können besonders langjährig Versicherte nach 45 Versicherungsjahren vorzeitig und ohne Rentenabschläge in den Ruhestand gehen. Außerdem empfiehlt die Kommission einen kapitalgedeckten Baustein in der gesetzlichen Rentenversicherung, die Einbeziehung weiterer Gruppen wie Selbstständiger in die Rentenversicherung sowie Maßnahmen zur Stärkung der betrieblichen Altersversorgung.

Arbeiten bis 70?

Besonders kontrovers wird über eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters diskutiert. Für viele Beschäftigte in den Branchen der IG BAU ist ein längeres Arbeiten jedoch keine realistische Perspektive. Körperlich belastende Tätigkeiten, wechselnde Witterung und der zunehmende Arbeitsdruck hinterlassen oft schon vor Erreichen der Regelaltersgrenze gesundheitliche Spuren. "Eine Rente mit 70 für Menschen, die körperlich schwere Arbeit verrichten, kommt nicht in Frage. Ein Dachdecker, eine Gebäudereinigerin oder ein Forstbeschäftigter kann seinen Beruf mit 70 nicht mehr ausüben, ohne einen gesundheitlichen Schaden davonzutragen. Menschen, die körperlich schwere Arbeit verrichten, sollten deshalb deutlich früher in Rente gehen können", sagt IG BAU-Bundesvorsitzender Robert Feiger. Hinzu kommt: Viele Beschäftigte sind gesundheitlich bereits eingeschränkt, erfüllen aber noch nicht die Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente. Für sie ist ein längeres Arbeiten häufig keine echte Option.

Frühere Rente beibehalten

Um die Rentenversicherung finanziell zu entlasten, empfiehlt die Rentenkommission, die Möglichkeit eines abschlagsfreien Renteneintritts nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen. Nach Auffassung der IG BAU würde dies vor allem Beschäftigte treffen, die über Jahrzehnte körperlich schwere Arbeit geleistet und die Rentenversicherung mit ihren Beiträgen getragen haben. Als Ausgleich schlägt die Kommission eine sogenannte Schutzrente für Menschen vor, die ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Die IG BAU begrüßt, dass die besondere Situation dieser Beschäftigten berücksichtigt werden soll. Gleichzeitig sieht die IG BAU die Gefahr, dass individuelle Gesundheitsprüfungen und komplizierte Abgrenzungen den Zugang erschweren und viele Betroffene am Ende leer ausgehen könnten.

Alters-Flexi-Geld statt Schutzrente

Als Alternative schlägt die IG BAU das Alters-Flexi-Geld vor. Es soll dort greifen, wo die Sozialpartner in allgemeinverbindlichen Tarifverträgen besonders belastende Arbeitsbedingungen festgestellt haben. Über die bestehenden Sozialkassen könnten Leistungen unbürokratisch organisiert werden. Nach Auffassung der IG BAU wäre dieses Modell einfacher, praxisnäher und gerechter als eine aufwendige Einzelfallprüfung.

Höhere Beiträge

Ein weiterer Streitpunkt ist das Rentenniveau. Nach den Empfehlungen der Kommission soll die heutige Garantie eines Sicherungsniveaus von 48 Prozent nach 2031 auslaufen. Ein kapitalgedeckter Baustein soll die gesetzliche Rente künftig ergänzen und langfristig stabilisieren. Die IG BAU sieht diesen Vorschlag kritisch. Denn es ist offen, ob die Kapitaldeckung ein sinkendes Rentenniveau tatsächlich ausgleichen kann. Gleichzeitig verweist die IG BAU auf die Einschätzung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) und dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, wonach der Aufbau der Kapitaldeckung die Beiträge zunächst stärker steigen lassen und die wirtschaftliche Entwicklung belasten könnte. Die IG BAU fordert deshalb, das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente dauerhaft mindestens bei 48 Prozent zu sichern.

Positive Ansätze

Die IG BAU unterstützt mehrere Vorschläge der Rentenkommission. Dazu gehört die Einbeziehung weiterer Gruppen wie Selbstständige, Beamtinnen und Beamte sowie Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung. Eine breitere Beitragsbasis kann die Finanzierung langfristig stabilisieren. Auch die geplante Abschaffung der Minijobs und Maßnahmen zur stärkeren Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung bewertet die IG BAU positiv. Beide Ansätze können dazu beitragen, Altersarmut vorzubeugen und die Alterssicherung auf eine breitere Grundlage zu stellen. Die Empfehlungen der Rentenkommission werden die rentenpolitische Debatte in den kommenden Monaten prägen. Die Bundesregierung will die Empfehlungen der Alterssicherungskommission zügig umsetzen. Nach der geplanten Ausarbeitung von Eckpunkten und Gesetzentwürfen durch das BMAS sollen die Beratungen im Bundestag nach der Sommerpause beginnen; ein Abschluss bis Jahresende wird angestrebt.

Die IG BAU wird den Gesetzgebungsprozess eng begleiten. Fest steht: Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung sind notwendig. Sie dürfen jedoch nicht zulasten derjenigen gehen, die jahrzehntelang körperlich schwere Arbeit geleistet haben. Deshalb setzt sich die IG BAU für den Erhalt der Rente nach 45 Versicherungsjahren, ein stabiles Rentenniveau und branchengerechte Lösungen wie das Alters-Flexi-Geld, ein.

Text: Tobias Wark
Der Beitrag erschient erstmals in der Grundstein-Ausgabe Nr. 4 – August/September 2026

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