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Sozialabbau auf dem Rücken der Frauen? Bundesregierung droht eigenes Gleichstellungsversprechen zu brechen

Demonstration für Frauenrechte
(Foto: Claudio Schwarz / Unsplash)
08.09.2026
Frauen

Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag mehr Gleichstellung auf die Fahnen geschrieben. Die geplanten Sozialreformen zeichnen jedoch ein anderes Bild: Eine systematische Auswertung der aktuellen Regierungsvorhaben durch die DGB-Abteilung Frauen, Gleichstellungs- und Familienpolitik zeigt, dass ein Großteil der geplanten Maßnahmen Frauen deutlich härter als Männer treffen würden.

Wo gespart wird, zahlen vor allem Frauen

Die Bundesregierung will den Wirtschaftsstandort stärken und auf den demografischen Wandel reagieren – setzt dabei aber vor allem auf Kürzungen in den sozialen Sicherungssystemen und im öffentlichen Haushalt. Der Blick auf die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen und Männern bleibt dabei auf der Strecke. Denn wo sich der Staat zurückzieht, verschwindet die Arbeit nicht. Wie die Untersuchung zeigt, landet sie zu weiten Teilen bei den Frauen.

Besonders deutlich wird das bei zwei Vorhaben:

  • Elterngeld: Die faktische Kürzung um zwei Monate trifft vor allem Mütter, und das ausgerechnet beim ohnehin schwierigen Übergang in die Kitabetreuung. Auch geplante Einschnitte bei Unterhaltsvorschuss und Kinderzuschlag verschärfen die Lage von Alleinerziehenden und Familien mit wenig Geld zusätzlich.
  • Rente: Für viele Frauen ist die gesetzliche Rente die einzige eigene Absicherung im Alter, weil sie seltener Betriebsrenten haben und über ihr Erwerbsleben hinweg oft weniger verdienen. Ein niedrigeres Rentenniveau, ein höheres Rentenalter und gekürzte Rentenpunkte für Pflegende treffen deshalb besonders die Frauen, die schon jetzt den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit leisten.

Einzelne Verbesserungen bei Minijobs und Erziehungszeiten, welche die Bundesregierung ebenfalls plant, wiegen das nach Einschätzung der DGB-Frauen nicht auf.

"Gleichstellung muss zentrales Anliegen der gesamten Regierungsarbeit sein"

Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, macht deutlich: Wenn Elterngeld und Rente auf Kosten von Frauen gekürzt werden, tragen sie die Folgen – als Beschäftigte, Mütter und pflegende Angehörige. Ihre klare Forderung an die Bundesregierung: Sie muss ihr eigenes Gleichstellungsversprechen aus dem Koalitionsvertrag endlich einlösen.

Die DGB-Frauen gehen noch weiter und stellen klar: Gleichstellung ist keine Bürokratie und kein Kostentreiber, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Nur wenn Frauen in allen Bereichen gleichberechtigt teilhaben können, ist eine Gesellschaft zukunftsfähig, und zwar in wirtschaftlicher wie politischer Hinsicht.

Was das für uns bedeutet

Ob am Bau, in der Gebäudereinigung, in der Landwirtschaft oder in der Forstwirtschaft – überall dort, wo Frauen arbeiten und gleichzeitig Kinder oder Angehörige versorgen, würden sich die geplanten Kürzungen unmittelbar auswirken. Wer heute schon in Teilzeit oder für wenig Geld Sorgearbeit übernimmt, hat morgen weniger Rente. Die IG BAU steht deshalb an der Seite der DGB-Frauen: Sozialstaat und Gleichstellung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Jetzt wehren. Jetzt mitmachen!

Gemeinsam mit dem DGB und seinen anderen Mitgliedsgewerkschaften rufen wir unter dem Motto "Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente." zu einem bundesweiten Aktionstag auf. Am 26. September finden in 15 Großstädten Kundgebungen statt – für einen starken Sozialstaat, bei dem nicht auf dem Rücken von Frauen gespart wird. Sei dabei!


Hier findest Du die Positionen und Forderungen der DGB-Frauen im Detail.

"Sozialpolitische Vorhaben der Bundesregierung –
eine gleichstellungspolitische Bewertung": Die DGB-Auswertung als PDF zum Herunterladen.