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Sozialstaatsradar 2026: Mehrheit für Solidarität statt Privatisierung

Solidaritätsgeste: Mehrere Personen legen ihre Hände aufeinander
(Foto: Hannah Busing / Unsplash)
27.04.2026
Arbeit

Die Menschen in Deutschland erwarten mehr vom Sozialstaat – und sind auch bereit, dafür zu zahlen. Das zeigt der "Sozialstaatsradar 2026", für den vom 7. bis 20. Januar im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen, der Arbeitskammer des Saarlandes und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) 3000 Personen per Online-Erhebung befragt wurden.

Die Ergebnisse des sozialstaatsradar 2026 zeigen deutlich, was sich die Bevölkerung von der Politik wünscht: Sie will nicht mehr private Vorsorge, sondern einen leistungsfähigen, gerechten und verlässlichen Sozialstaat. Dazu gehören stabile Leistungen, eine breitere Finanzierungsbasis sowie an der Lebensrealität der Menschen orientierte Sicherungssysteme – selbst dann, wenn dies höhere Beiträge bedeutet. 

Die zentralen Erkenntnisse der Erhebung im Überblick:

1. Die Bevölkerung spricht sich klar für solidarische Sicherungssysteme und gegen Privatisierung aus. 

77 Prozent befürworten eine gemeinsame Rentenversicherung, rund 60 Prozent wollen Eigenanteile in der Pflege begrenzen oder abschaffen. Ebenfalls rund 60 Prozent wollen, dass mindestens acht Zehntel der Alterssicherung erfolgen, ohne dass man sich selbst darum kümmern muss. Dabei möchte knapp ein Drittel sogar eine komplett automatische Alterssicherung.

2. Sicherheit ist wichtiger als reine Kostendebatten.

Beschäftigte sind bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn stabile Leistungen garantiert sind. Offensichtlich ist den Menschen sehr wohl bewusst: Gute Leistungen kosten gutes Geld. Circa 75 Prozent der Beschäftigten wären bereit, höhere Beiträge zu zahlen, um Renten zu sichern; 62 Prozent akzeptieren höhere Rentenbeiträge, wenn das Niveau stabil bleibt. Weitere zwölf Prozent würden sogar deutlich mehr zahlen, wenn sich Leistungen verbessern.

3. Ein Generationenkonflikt bei der Rente existiert nicht.

Entgegen häufiger Behauptungen ist ein Generationenkonflikt bei der Rente nicht erkennbar: 71 Prozent der 18- bis 29-jährigen Beschäftigten sind bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn die Rente stabil bleibt oder höher ausfällt.

4. Es gibt massive Unterstützung für eine Bürgerversicherung.

Die bestehenden Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Absicherung im Bereich Gesundheit und Pflege werden überwiegend als ungerecht empfunden. Fast 80 Prozent sprechen sich für eine Bürgerversicherung aus, darunter sogar eine Mehrheit der Privatversicherten.

5. Die Debatte um das Rentenalter geht an der Lebensrealität vorbei.

74 Prozent lehnen eine weitere Anhebung des gesetzlichen Rentenalters ab. Mehr als die Hälfte glaubt sogar, in ihrem Beruf nicht bis zur früheren Regelaltersgrenze von 65 Jahren arbeiten zu können.

Fazit: Der demografische Wandel darf kein Vorwand für Kürzungen sein!

Aufgabe der Sozialpolitik ist und bleibt eine nachhaltige und gute Absicherung durch den Staat. Der Sozialstaat scheitert nicht am Geld, sondern am fehlenden politischen Mut zu verlässlich guten Leistungen. Wer Sicherheit will, muss sie gerecht finanzieren – etwa durch einen größeren Versichertenkreis. Auch Unternehmen stehen hier in der Verantwortung. Der Auftrag an die Politik ist klar: Das Sicherungsniveau muss steigen. 

Die detaillierten Ergebnisse der Erhebung zum Herunterladen.