Kolleginnen bei vor dem Kino in München
(Foto: IG BAU) Kolleginnen bei der Premiere in München.
11.06.2026
Gebäudereinigung

Derzeit läuft "Ich verstehe Ihren Unmut" in vielen Kinos. Der Film begleitet Objektleiterin Heike, die mit den Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor kämpft. Er greift dabei wichtige Themen aus der Arbeitswelt auf, die uns als Gewerkschaft bewegen: Respekt, Anerkennung – und vor allem die Belastungen, denen Beschäftigte täglich ausgesetzt sind. In einigen Städten hatten unsere Mitglieder die Gelegenheit, den Film kostenlos zu sehen. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, Gäste und Unterstützer*innen!

Filmvorführung in Frankfurt

Am Sonntagabend waren Kolleginnen und Kollegen der IG BAU Hessen sowie Hauptamtliche und Ehrenamtliche bei der Vorführung in Frankfurt dabei. Vor der Vorstellung nutzten sie die Gelegenheit für ein gemeinsames Foto und den Austausch untereinander.

Gruppenfoto vor dem MalSehn-Kino in Frankfurt
(Foto: IG BAU)

"Unsere Branche auf der Leinwand – und wir mittendrin": Bericht von der Premiere in München

Mit der Premiere von "Ich verstehe Ihren Unmut" ist etwas passiert, das uns wirklich bewegt: Ein Spielfilm mit Dokumentarfilmcharakter erzählt von unserer Arbeit, unserem Alltag und unseren Konflikten. Für uns als Gewerkschaft ist das weit mehr als ein Kinoabend – es ist Sichtbarkeit, Anerkennung und ein starkes Signal: Die Gebäudereinigung wird gesehen.

Wir waren mit unseren Ehrenamtlichen vor Ort und haben schon vor Beginn die Gelegenheit genutzt, mit einem Stand über die Branche und unsere Arbeit zu informieren. Gleichzeitig war es ein Abend, der auch gutgetan hat: gemeinsam im Kino sitzen, Popcorn essen, ins Gespräch kommen – und die eigene Realität auf der Leinwand wiederfinden.

Die Hauptdarstellerinnen Sabine Thalau und Nada Kosturin machen sichtbar, was sonst oft im Verborgenen bleibt. Sie zeigen die Realität unseres Arbeitsalltags: ein unverzichtbares Handwerk, zugleich im Niedriglohnsektor verortet, geprägt von Personalmangel, hohem Druck und großen Belastungen. Der Film stellt dabei eine zentrale Frage: Wie bewahren wir unseren inneren Kompass, wenn die Umstände uns an unsere Grenzen bringen? In der Figur Heike wird erfahrbar, wie Werte ins Wanken geraten – und wie viel Kraft es kostet, unter diesen Bedingungen Haltung zu bewahren.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem jungen Regisseur Kilian Armando Friedrich sowie Sabine Thalau und Nada Kosturin wurde in vielen Beiträgen und Wortmeldungen deutlich, wie sehr Arbeitsbedingungen von gesellschaftlichen Entscheidungen geprägt sind. Tariflöhne fallen nicht vom Himmel – sie werden ausgehandelt. Gleichzeitig zeigte sich ein Widerspruch, der hängen bleibt: Wir erwarten günstige Reinigung und empfinden zugleich Mitgefühl für die Beschäftigten. Die prekären Bedingungen sind auch ein Ergebnis der Neoliberalisierung – und führen zu einer unbequemen Einsicht: Sind wir als Gesellschaft nicht zugleich Kläger, Richter und Henker?

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf wird deutlich, wie dringend es ist, ins Handeln zu kommen. Viele Engagierte und Interessierte waren an diesem Abend dabei. Für uns ist klar: Dieser Film ist Rückenwind und Auftrag zugleich – für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, lauter zu werden und die notwendigen Veränderungen gemeinsam durchzusetzen. Gerade mit Blick auf die kommende Tarifrunde machen wir deutlich: Die Beschäftigten erwarten spürbare Verbesserungen – und wir sind bereit, dafür gemeinsam Druck zu machen.

Text: Mehmet Keles

Gruppenfoto vorm Kino in München
(Foto: IG BAU)
Premiere in München
(Foto: IG BAU)