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Urlaubsgeld: Mit Tarifvertrag erholt es sich besser

Zwei Menschen auf Liegen am Strand.
(Foto: Hameen Reynolds / Unsplash)
17.06.2026
Arbeit

Endlich wird es wieder Sommer, und für viele Beschäftigte heißt das auch: bald endlich Urlaub! Der dürfte in diesem Jahr allerdings wegen des Konflikts im Nahen Osten deutlich teurer werden als noch vor einem Jahr. Umso erfreulicher ist da ein Zuschuss des Arbeitgebers in Form von Urlaubsgeld. Doch eine aktuelle Online-Befragung des Portals Lohnspiegel.de zeigt: Nicht einmal die Hälfte aller Beschäftigten bekommt diese zusätzliche Zahlung überhaupt. Ist der Arbeitgeber allerdings an einen Tarifvertrag gebunden, sieht es deutlich besser aus.

Was ist Urlaubsgeld eigentlich?

Urlaubsgeld ist eine freiwillige oder tarifvertraglich geregelte Sonderzahlung des Arbeitgebers, die zusätzlich zum regulären Gehalt – meist vor dem Jahresurlaub – ausgezahlt wird. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch darauf. Ob Beschäftigte Urlaubsgeld erhalten, hängt entscheidend davon ab, ob ihr Arbeitgeber an einen Tarifvertrag gebunden ist.

Urlaubsgeld 2026: Nur 44 Prozent der Beschäftigten erhalten es

Für die Analyse des Portals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird, wurden die Angaben von rund 50 000 Beschäftigten aus dem Zeitraum von Anfang Mai 2025 bis Ende Mai 2026 ausgewertet.

Das wichtigste Ergebnis: Im Jahr 2026 erhält laut WSI-Analyse nur knapp die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland Urlaubsgeld. Ob jemand dazugehört, hängt vor allem von einem Faktor ab: dem Tarifvertrag.

  • Insgesamt dürften nur 44 Prozent aller Beschäftigten in diesem Jahr Urlaubsgeld erhalten.
  • In tarifgebundenen Betrieben liegt der Anteil der Beschäftigten mit Urlaubsgeld bei 73 Prozent.
  • In nicht tarifgebundenen Betrieben erhalten nur 35 Prozent der Beschäftigten Urlaubsgeld.

WSI-Lohnexperte Dr. Malte Lübker erläutert: "Tarifverträge bieten für die Beschäftigten entscheidende Vorteile: Bessere Löhne, geregelte Arbeitszeiten und oft auch einen verbindlichen Anspruch auf Urlaubsgeld. Wenn der Tarifvertrag fehlt, fehlt meist auch das Urlaubsgeld."

Auch die Grundgehälter seien dann im Durchschnitt niedriger. Dieser Befund sei seit Jahren stabil, so Lübker. Umso bedenklicher sei deshalb der Rückgang der Tarifbindung: Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liegt diese heute nur noch bei 49 Prozent – gegenüber rund 80 Prozent Mitte der 1990er-Jahre.

Wer bekommt 2026 wie viel Urlaubsgeld?

Wie hoch das tarifliche Urlaubsgeld ausfällt, variiert je nach Branche und Region stark. In den vom WSI untersuchten Tarifbereichen reicht die Spanne von knapp 200 Euro bis knapp 3000 Euro:

  • Im Hotel- und Gaststättengewerbe in Sachsen erhalten Beschäftigte 186 Euro Urlaubsgeld.
  • In der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Westfalen-Lippe gibt es für Angestellte bis zu 2904 Euro.

"Dort, wo Gewerkschaften im Laufe der Zeit gemeinsam mit stark organisierten Belegschaften gute Tarifabschlüsse durchgesetzt haben, fällt auch das Urlaubsgeld höher aus. In den klassischen Niedriglohnbranchen wird in der Regel nur ein niedrigeres Urlaubsgeld gezahlt", sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Prof. Dr. Thorsten Schulten. In tarifgebundenen Betrieben fällt es trotzdem deutlich besser aus als ohne Tarifbindung.

Urlaubsgeld im Bauhauptgewerbe 2026: erstmals bundeseinheitlich

Im Jahr 2026 erhalten Beschäftigte im Bauhauptgewerbe erstmals bundeseinheitlich in Ost und West ein tarifliches Urlaubsgeld. Mit der vollständigen Angleichung der Einkommen in Ost und West zum 1. April 2026 wurde eine jahrzehntelange Ungleichbehandlung beendet, worauf wir "mit großer Hartnäckigkeit, unter anderem einem knapp dreiwöchigen Streik, lange hingearbeitet" haben, so Carsten Burckhardt, Stellvertretender Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Betriebsgröße, Region, Geschlecht: Unterschiede im Urlaubsgeld

Neben der Tarifbindung spielen auch andere Faktoren eine Rolle:

  • Betriebsgröße: 61 Prozent der Beschäftigten in Großunternehmen (mehr als 500 Mitarbeiter*innen) erhalten Urlaubsgeld, in mittleren Betrieben sind es 50 Prozent, in kleineren Betrieben (unter 100 Mitarbeiter*innen) nur 37 Prozent.
  • Region: In Westdeutschland erhalten 46 Prozent der Beschäftigten Urlaubsgeld, in Ostdeutschland nur 33 Prozent.
  • Geschlecht: 49 Prozent der männlichen Beschäftigten erhalten Urlaubsgeld, bei Frauen sind es nur 38 Prozent.

Diese Unterschiede sind Ausdruck struktureller Ungleichheiten am Arbeitsmarkt. "Die Zahlen verdeutlichen, wie wichtig eine höhere Tarifbindung ist, um die Ungleichheit am Arbeitsmarkt zu reduzieren", so Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI.

Grafik des WSI zu Urlaubsgeld in Deutschland 2026
(Grafik: WSI-Lohnspiegel-Datenbank)

Mehr als Geld: Tarifverträge sichern auch mehr Urlaubstage

Tarifverträge bringen jedoch nicht nur zusätzliche Zahlungen, sondern auch mehr freie Zeit. Während Beschäftigten nach dem Bundesurlaubsgesetz bei einer 5-Tage-Woche nur 20 Tage Jahresurlaub zustehen, garantieren die meisten Tarifverträge 30 Tage bezahlten Urlaub pro Jahr.

Fazit: Tarif bringt spürbare Vorteile

Die aktuellen Zahlen zeigen einmal mehr: Wer in einem tarifgebundenen Betrieb arbeitet, profitiert nicht nur von besserem Lohn – sondern auch von zusätzlichem Urlaubsgeld und mehr Urlaubstagen. Eine starke Tarifbindung ist deshalb zentral für faire Arbeitsbedingungen und soziale Sicherheit. Die beste Voraussetzung dafür ist ein hoher Grad an gewerkschaftlicher Organisation.


Weitere Details und Informationen zur WSI-Analyse:
www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-nur-44-prozent-der-beschaftigten-erhalten-urlaubsgeld-77245.htm

Häufige Fragen zum Urlaubsgeld (FAQ)

Haben alle Beschäftigten Anspruch auf Urlaubsgeld?

Nein. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld in Deutschland. Ob Beschäftigte Urlaubsgeld erhalten, hängt vom Arbeitsvertrag oder einem geltenden Tarifvertrag ab. Laut WSI-Analyse erhalten im Jahr 2026 nur rund 44 Prozent aller Beschäftigten Urlaubsgeld.

Was bringt mir ein Tarifvertrag konkret?

In tarifgebundenen Betrieben erhalten 73 Prozent der Beschäftigten Urlaubsgeld – gegenüber nur 35 Prozent in nicht tarifgebundenen Betrieben. Darüber hinaus sichern Tarifverträge in der Regel höhere Löhne und 30 statt nur 20 Tage bezahlten Jahresurlaub.

Warum bekommen Frauen seltener Urlaubsgeld als Männer?

Laut WSI-Analyse erhalten 49 Prozent der männlichen, aber nur 38 Prozent der weiblichen Beschäftigten Urlaubsgeld. Das spiegelt strukturelle Ungleichheiten am Arbeitsmarkt wider: Frauen sind häufiger in Branchen und Betrieben ohne Tarifvertrag beschäftigt. Höhere Tarifbindung kann diese Lücke schließen.

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(Foto: IG BAU)

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