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Wiedervereinigung: Neue Publikation über Gewerkschaftsarbeit nach der Wende 1989/90

Demonstranten vor dem Reichstag
(Foto: Archiv Götzer Berge) GGLF/GLNF-Demonstration vor dem Reichstag in Berlin am 14. August 1990
23.06.2026
Geschichte

Die Studie der Hans-Böckler-Stiftung mit dem etwas sperrigen Titel "Der ostdeutsche Agrarsektor und seine Transformation in den Jahren 1989-2000. Privatwirtschaftliche Umwandlung und gewerkschaftliche Intervention" stellt den ostdeutschen Agrarsektor zu DDR-Zeiten und seine Transformation in den 1990er Jahren dar. Im Fokus liegt die Aufarbeitung der Geschichte der GLNF1/GGLF2/IG BAU in der Nachwendezeit in Ostdeutschland und der Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert waren.

Ökonomische und soziale Transformationen stellen Gewerkschaften immer wieder vor große Aufgaben. Die Situation 1989/90 konfrontierte Politik, Sozialpartner und Gesellschaft einerseits mit einem positiven Aufbruchsklima, andererseits hatte dieser tiefgreifende Wandel existenzielle Folgen für die Beschäftigten. Zigtausende Beschäftigte in der Landwirtschaft verloren quasi über Nacht ihren Arbeitsplatz.

Wie die Transformation in der Landwirtschaft von der damaligen GGLF – und in der ersten Zeit gemeinsam mit der ostdeutschen GLNF – bewältigt wurde, welche Ideen, Ansätze und Aktivitäten die Gewerkschaft in dieser Umbruchsituation auch gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden unternommen hat, um die Beschäftigten in ihrer schwierigen Situation zu unterstützen: Das beschreibt diese Forschungsarbeit (Projektträger PECO-Institut in Kooperation mit der Hochschule Neubrandenburg) auf Basis einer umfangreichen Quellenanalyse.

Zu Wort kamen auch aktive Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter als Zeitzeug*innen, die in Einzelinterviews und Gruppendiskussionen offen über ihre damaligen Erfahrungen berichteten. Daneben erfolgte eine Auswertung von Tarifverträgen, Protokollen und Geschäftsberichten.

Die Gewerkschaftsarbeit wird im Kontext der politischen Umbruchsituation und der Auseinandersetzung um die Anpassung an das bundesdeutsche und europäische System dargestellt. Trotz massiver Privatisierung gab es seitens der Gewerkschaft innovative Ansätze: bei der beruflichen Qualifizierung, der sozialpolitischen Integration der Betroffenen und strukturpolitischen Maßnahmen wie etwa ABS-Gesellschaften – umgesetzt und kofinanziert über den Sozialpartnerschaftlichen Qualifizierungsfonds Land- und Forstwirtschaft und das Förderwerk Land- und Forstwirtschaft.

Dargestellt wird auch das Scheitern tarifpolitischer Initiativen sowie nachhaltig wirkende Ergebnisse, wie etwa die Entstehung des PECO-Instituts.

Nachzulesen bei der Hans-Böckler-Stiftung.

Text: Thomas Hentschel