Die neu gewählte Bundesfachgruppe des Handwerks der IG BAU
(Foto: IG BAU | Stefan Stanisch) Die neu gewählte Bundesfachgruppe des Handwerks der IG BAU
03.07.2026
Bildung / Mitbestimmung

Bundeshandwerkskonferenz und Arbeitskreise Berufliche Bildung und Qualifizierung sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz beraten gemeinsame Orientierung für 2026 bis 2030

Gewerkschaftliche Standortbestimmung

Am 12. und 13. Juni 2026 kamen die Bundeshandwerkskonferenz und die Bundesarbeitskreise Berufliche Bildung und Qualifizierung sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz zusammen. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die für die kommenden Jahre entscheidend sein wird: Wie bleibt gute Arbeit in Handwerk und Industrie durchsetzbar, wenn Fachkräftemangel, Digitalisierung, Klimawandel und Transformation den Druck auf Betriebe und Beschäftigte weiter erhöhen?

Die Tagung war Teil einer gemeinsamen gewerkschaftlichen Standortbestimmung für die Jahre 2026 bis 2030. Die Themen lagen klar auf dem Tisch: Tarifbindung, Mitbestimmung, gute Ausbildung, Qualifizierung, Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie die Frage, wie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in den Betrieben sichtbar, handlungsfähig und durchsetzungsstark bleibt.

Der Leitgedanke der Beratung war deutlich: Die Musik spielt im Betrieb. Dort entscheidet sich, ob Beschäftigte gute Arbeit haben. Dort zeigt sich, ob junge Menschen eine Ausbildung mit Qualität und Perspektive bekommen. Dort wird spürbar, ob Arbeit gesund bleibt. Und dort entscheidet sich auch, ob gewerkschaftliche Forderungen Wirkung entfalten.

Arbeitsbedingungen und Standards

Fachkräftemangel ist dabei kein abstraktes Problem. Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag viele Vorhaben formuliert, für die es insbesondere gut ausgebildete Fachkräfte im Handwerk braucht. Wer über Fachkräfte spricht, muss über Arbeitsbedingungen sprechen. Gute und motivierte Beschäftigte gewinnt man nicht durch Appelle. Sie bleiben dort, wo Tarifverträge gelten, Mitbestimmung ernst genommen wird, Ausbildung verlässlich organisiert ist und Arbeit sicher gestaltet wird.

Deutlich wurde, wie wichtig Qualitätssicherung von Anfang an ist: Berufliche Bildung und Qualifizierung sind Grundlage für Fachkräftesicherung, Qualität und Zukunftsfähigkeit. Wer junge Menschen für das Handwerk und die Industrie gewinnen will, muss ihnen mehr bieten als einen Ausbildungsplatz. Es braucht klare Standards in Aus-, Fort- und Weiterbildung, gute Anleitung, verlässliche Perspektiven und Respekt für berufliche Kompetenz.

Ebenso klar wurde, dass es für Gute Arbeit auch Standards braucht, die im Arbeits- und Gesundheitsschutz eingesetzt werden. Hitze, Extremwetter, Gefahrstoffe, psychische Belastungen, Digitalisierung und neue Formen der Arbeitsverdichtung verändern den Arbeitsalltag. Gute Arbeit bedeutet deshalb auch, Risiken früh zu erkennen, Schutz wirksam umzusetzen und Beschäftigte nicht mit Belastungen alleinzulassen.

Intensive Diskussionen

Mit Stefan Körzell, stellvertretender Vorsitzender des DGB, diskutierten die Teilnehmenden wirtschafts- und arbeitspolitische Fragen unter dem Leitmotiv "Gute Arbeit. Gute Ausbildung. Starke Gewerkschaften." Dabei ging es nicht um allgemeine Zustandsbeschreibungen, sondern um betriebliche Erfahrungen, politische Orientierung und konkrete Arbeitsaufträge.

Drei Leitfragen bestimmten die Tagung und die Diskussion der Gremien: Wie lassen sich Tarifbindung und Mitbestimmung im Handwerk stärken? Wie werden Berufliche Bildung und Qualifizierung zukunftsfest? Und wie muss sich Arbeits- und Gesundheitsschutz weiterentwickeln, damit Beschäftigte auch unter veränderten Bedingungen gesund arbeiten können?

Die Antwort zog sich durch die gesamte Beratung: Gute Arbeit entsteht nicht auf dem Papier. Sie entsteht dort, wo Beschäftigte organisiert sind, Verantwortung übernehmen und gemeinsam handeln. Tarifbindung ist kein Selbstläufer. Sie braucht aktive Betriebsräte, klare gewerkschaftliche Positionen und eine IG BAU, die im Betrieb präsent ist.

Diskussion von Carsten Burckhardt und Stefan Körzell
(Foto: IG BAU | Stefan Stanisch) Diskussion von Carsten Burckhardt (stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU) und Stefan Körzell (stellvertretender Vorsitzender des DGB)

Für die kommenden Jahre geht es deshalb um mehr als einzelne Projekte. Es geht um eine klare gewerkschaftliche Linie: Handwerk und Industrie stärken, aber aus Sicht der Beschäftigten. Nicht durch Sonntagsreden über Fachkräfte, sondern durch gute Tarifverträge, starke Mitbestimmung, verlässliche Ausbildung, sichere Arbeit und Respekt.

Am Ende steht ein Auftrag, der knapp, aber anspruchsvoll ist: Organisationsmacht aufbauen. Tarifmacht sichern. Gestaltungsmacht nutzen.

Denn im Betrieb entscheidet sich, ob aus Haltung Wirkung wird.


Text: Peter Riedel